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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

160 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1908. 
stampfte aber schon so stark, daß die Fahrt gemindert werden mußte, An Bord 
wurden alle Vorbereitungen zum Abreiten des Orkans getroffen, 
Nach Mitternacht am 28, frischte. der Nordwestwind in den Böen bis zur 
Stärke 7 bis 8 auf, während er zwischen den Böen wieder bis auf Stärke 4 bis 5 
abflaute. Die Böen waren von schweren Regengüssen begleitet, Blitze zuckten 
in verschiedenen Richtungen. 
Von 4»V am 29. bis 8bV zeigte das Barometer eine steigende Tendenz, 
Dann fiel es schneller wie zuvor, und zwar bis 12b mittags bis auf 749 mm, also 
5 mm in 4 Stunden. Der Wind hatte fühlbar an Stärke zugenommen, blies aber 
immer noch aus nordwestlicher Richtung, Um 129 30° drehte der Wind all- 
mählich über West auf Westsüdwest und flaute ab; es regnete stark, Blitze und 
Donner folgten in immer kürzeren Zwischenräumen, besonders im Nordosten, 
[m Nordosten klarte der Himmel etwas auf, über dem Schiffsort blieb er bedeckt, 
Die Seen kamen schon vor dem Umspringen des Windes aus anderer Richtung; 
das Schiff rollte und stampfte schwer, Das Barometer blieb von 12% bis 3b un- 
verändert. Wahrscheinlich befand sich das Schiff, wenn nicht im Zentrum, denn 
doch in nächster Nähe des Zentrums des Orkans, was sich auch aus dem massen- 
haften Niederfallen von Vögeln und Insekten auf das Schiff schließen ließ. 
Um 30N sah man im Südosten eine Bö von sehr drohendem Aussehen 
heraufziehen; 30mir später erreichte diese das Schiff, und zu gleicher Zeit setzte 
sin Orkan aus Südwest ein, der eine enorme See aufwühlte, Der Wechsel von 
Hauer Brise zum vollen Orkan vollzog sich mit einer Geschwindigkeit, die aller 
Beschreibung spottet, Das Schiff schlingerte etwa 27° bis 29° nach jeder Seite, 
die ganze Schwingung dauerte kaum 55%, Der Kreuzer wurde jetzt auf B-B.- 
Bug beigelegt und dampfte, etwa 4 Strich am Winde liegend, mit beiden Maschinen 
gegen die See an. Auf diese Weise war das Arbeiten. des Schiffes erträglich, 
auch kamen wenig Sturzseen über. | 
Der Sturm wehte mit Orkanstärke bis 111N am 29, dann flaute er ab, 
ohne seine südwestliche Richtung zu verlieren, frischte aber während der ganzen 
folgenden Nacht in schweren Böen immer wieder bis zur Örkanstärke auf, Nach 
dem milden Charakter den die Vorderseite des Orkans und auch das Zentrum 
gezeigt hatten, wurde diese Wetterlage gar nicht erwartet. Dabei war das Baro- 
meter in beständigem Steigen begriffen. Um 440 N am 29, stand es 749 mm, um 
Mitternacht 758 mm, dann blich es stetig bis etwa 62 mörgens am 50, 
Bei Tagesanbruch am 30, ließ der Orkan nach, das Barometer begann 
wieder zu steigen, Die Böen, obgleich immer noch von großer Heftigkeit, folgten 
in immer größeren Zwischenräumen und büßten allmählich an Stärke ein. Der 
Seegang blieb aber immer noch derartig schwer, daß ein Versuch, den Kreuzer 
wieder auf den Kurs zu legen, mißglückte. Man mußte beiliegen bis 12% mittags 
am 80. Das Barometer stand dann auf 762 mm, Der Wind drehte über Süd 
auf Südost und dann auf Östeüdost, Die südwestliche Dünung begleitete das 
Schiff bis nach Colombo, 
Für die Zeit vom 18, Oktober bis 3. November hat Herr P. H, Galle vom 
Königlich Niederländischen Meteorologischen Institut nach den meteorologischen 
Tagebüchern der beteiligten Schiffe mit Ausnahme des Kreuzers »L’Alger« und den 
Beobachtungen der indischen Küstenstationen tägliche synoptische Kärtchen ent- 
worfen, aus denen sich die Bahn vom 23, Oktober bis 3. November feststellen 1äßt 
{s. Tafel 7), Danach durchzog der Orkan das Arabische Meer in nahezu west- 
licher Richtung, bis zum 30. Oktober nahm er an Stärke zu, am 1, November hatte 
er seinen Höhepunkt überschritten, am 2 November nahm er nochmals an Stärke 
zu, um sich am 3. November zwischen 84 V und 89N vor dem Golf von Aden 
aufzulösen. Der Dampfer »Sindoro«, der am 4. und 5, November den Galf von 
Aden zwischen Perim und Kap Guardafui durchkreuzte, fand keine Spur eines 
Orkans, sondern schönes Wetter und leichte östliche Winde bei einem Barometer- 
stande etwas über dem normalen Wert, 
Bemerkenswert an dieser Orkanbahn ist die sehr wechselnde und ver- 
hältnismäßig geringe Geschwindigkeit, im Mittel nur etwa 4 Sm pro Stunde, vom 
38, bis 29. nur etwa 1!/, Sm pro Stunde, das Ausbiegen nach Süden vom 29, bis
	        
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