Tietz, G.: Orkan im Arabischen Meer vom 23. Oktober bis 3. November 1906. 159
südlicher, zuerst abflauend, später wieder bis zur Sturmstärke auffrischend mit
schweren Regenböen, Das Barometer behielt seinen niedrigen Stand, Am 30. Ok-
tober mittags war das gegißte Besteck 12° 40‘ N-Br., 58° 40' 0-Lg. der Wind wehte
aus Südost mit Stärke 7, Barometer 750.6, Kurs WNW!/W, Zwischen 1% und
1» 30" N fiel das Barometer bis auf 746.6 mm, Wind aus Südost, Stärke 10,
schwere Böen mit Platzregen, wilde hohe See aus Südost und westliche Dünung.
Der Dampfer drehte auf Südostkurs bei und hatte bald Steigen des Barometers
und südlicher holenden abflauenden Wind, es setzten aber noch fortgesetzt
schwere Böen ein, die See blieb hoch und wild, Um 8%N wurde der Dampfer
wieder auf Westkurs yelegt, da man annahm, daß sich das Zentrum nach Nord-
west fortbewegte, Doch bald fiel das Barometer wieder, der Wind drehte wieder
auf Südost zurück, die Böen setzten mit größerer Gewalt ein als zuvor. Von
2w bis 44V am 31. flaute der Wind etwas ab, von Stärke 9 auf 7; von 44V ab
steuerte man Westnordwest, der Wind drehte weiter nach links, um 8% wehte er
aus Ost mit Stärke 10, Barometer 750.1 mm, Um 8%V am 31. wurde der Dampfer
auf südöstlichem Kurse wieder beigelegt, Von 8b ab wehte voller Orkan mit
Stärke 12 beständig aus Osten, dicke Luft, anhaltend schwerer Platzregen, so
daß man von der Kommandobrücke weder Vor- noch Achterschiff sehen konnte,
wilde kochende See aus Ost mit westlicher und südwestlicher Dünung sich kreuzend;
schwere Seen brachen über das Schiff, Um 10% V schießt der Wind bis SOzS aus,
immer mit Stärke 12, das Barometer stieg von 10% bis 12v von 748.6 auf 750.0 mm.
Bis 44N lag man ungefähr SOzS an, Wind um 4% Südsüdost, Stärke 11, Barometer
752.,3mm, Von 4X bis 12% nachts wird im Mittel ungefähr SzO angelegen, Wind um
12% Südsüdost, Stärke 6 bis 7, Barometer 757.2 mm, Auf der Mittelwache am 1. No-
vember wurde Nordwestkurs aufgenommen, das Barometer stieg langsam, der Wind
FMaute ab, Aber gegen Mittag drehte der Wind auffrischend wieder auf Ost, das Baro-
meter stand um 11% auf 757.9 mm und fiel von da ab schnell: um 42 N Wind wieder
Stärke 9 aus Ost, Barometer war bis 754,0 mm gefallen; es wurde zum dritten Male
beigedreht bis abends 11%, Zu der Zeit war das Barometer bis 758.1 mm gestiegen,
Wind aus 0zS bis Stärke 6 abgeflaut. Auf Westkurs wurden während des 2. No-
vember noch steife östliche, abends nordöstliche Winde angetroffen, Stärke 6 bis 8,
hohe See aus Nordost und Dünung aus Südost, Wetter böig. Am 3. November
nahmen Wind und See ab.
Zu bemerken ist, daß die Positionen dieses Schiffes während der Orkan-
periode nur sehr angenäherte sind.
Der französische Kreuzer »L’Alger« hatte auf der Reise von Djibouti nach
Colombo am 26. Oktober im Golf von Aden schönes Wetter und glatte See, das
Barometer zeigte seine regelmäßigen täglichen Schwankungen bei einem mittleren
Stande von 761 mm,
Am Nachmittag des 27. Oktober wurden die ersten Anzeichen einer atmo-
sphärischen Störung wahrgenommen: Zuerst kam eine durcheinanderlaufende
östliche Dünung auf, die mit dem herrschenden schönen Wetter nicht in Über-
einstimmung zu bringen war, dann, als wichtigstes Merkmal, verlor gegen Abend
das Barometer fast ganz seine tägliche Periode, Der Mond hatte einen Hof.
Am 28, Oktober waren die Anzeichen eines nahenden Orkans schon aus-
geprägter. Die Östliche Dünung wurde stärker und stärker, der Himmel bezog
sich mit einem Schleier weißlicher Cirruswolken, die sinkende Sonne färbte die
Wolken ziegelrot mit violetten Streifen, die allmählich größer wurden und zuletzt
fast nur noch allein sichtbar waren. Um 9% 30min N wurde wieder ein Hof um den
Mond beobachtet. Das Barometer fiel von 6bN den 28. bis 24V den 29% von
759 auf 754 mm, Es waltete jetzt kaum noch ein Zweifel mehr ob, daß man
sich vor einem Orkan befand und, da der Wind stetig aus NNW blies, daß das
Schiff sich auf das Zentrum zu bewegte,
Da sich die Insel Sokötra nur etwa 20 Sm an St-B, befand, so war an ein
Ausweichen nach Süden gemäß den Regeln nicht zu denken. Es wurde daher
beschlossen, weiter Kurs zu steuern, umsomehr, als die geringe Windstärke von
höchstens 4 bis 5 auf einen Orkan von geringer Stärke hoffen ließ. Das Sehiff
JA