Tietz, G.: Orkan im Arabischen Meer vom 23. Oktober bis 3. November 1906. 157
In Indien war die Wetterlage normal, ausgenommen, daß vom 18. bis
31. Oktober in Südindien ungewöhnlich kaltes Wetter herrschte. Auch im Golf
von Bengalen herrschte im allgemeinen normales Wetter, es wurde nur ein Orkan
von mäßiger Stärke gemeldet, der sich in der Nähe der Andamanen am 21, Ok-
tober entwickelte und am 30, Oktober zwischen Waltair und Gogalpur auf etwa
18° N-Br. und 84° O-Lg. verschwand,
Vom Arabischen Meer war während dieser Zeit das Beobachtungsmaterial
nur spärlich eingegangen. Übereinstimmend wurden dicht bewölkter Himmel,
Böen aus Nordwest bis Südwest, Gewitter, St. Elmsfeuer, schwere Regengüsse,
Blitze, veränderliche Winde und ausnehmend scharfe Kimm gemeldet. Der
Dampfer »Malacca« hatte auf der Fahrt von 11° N-Br., 70° O-Lg. nach 11° N-Br,
63° O-Lg. 40 Stunden lang andauernd schwere Regengüsse, der Dampfer »Koning
Willem II« 15’/, Stunden schwere Regengüsse. Am 19. Oktober 83V kann ein sich
bildendes Wirbelzentrum auf 8° N-Br., 76° O-Lg., am 22, Oktober 84V ein anderes
auf 13° N-Br., 67° O-Lg. angenommen werden, Wie bekannt, können sich in einem
solchen Störungsgebiet zu gleicher Zeit mehrere solcher Orkanwirbel an ver-
schiedenen Orten bilden und wieder verschwinden, bis schließlich einer stark
genug ist, sich zu halten und als richtiger Orkan seinen Weg zu machen.
Am 22, Oktober wurden die ersten Cirri in östlicher und ostnordöstlicher
Peilung wahrgenommen auf 10’/,° N-Br., 59° O-Lg, und 11’/,° N-Br, 53° O-Lg.
Die Anzeichen für das Vorhandensein eines Wirbelsturmes mehrten sich; am
23. Oktober geriet der deutsche Dampfer »Gneisenau« auf 9° N-Br, und 69° O-Lg.
in schlechtes Wetter und rauhe See. Auf den Beobachtungsstationen der indischen
Küste wiesen die Anzeichen noch nicht klar auf einen Orkan hin; zwar meldete
die indische Wetterwarte an mehreren Tagen Störungen, aber ohne Einzelheiten
über deren Stärke geben zu können.
Um zu zeigen, welche Wetterlage die einzelnen Schiffe antrafen, die das
Orkangebiet zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Richtungen passierten
und wie sich je nach ihrer Richtung und Entfernung vom Zentrum die Orkan-
anzeichen bemerkbar machten (s. Tafel 7), lassen wir einige Auszüge aus den
Journalen von beteiligten Schiffen folgen:
Dampfer »Koning Willem IIL« traf am 18. Oktober zwischen 9° 3’ N-Br.,
68° 4’ O-Lg. und 8° 34’ N-Br., 70° 48’ O-Lg. umlaufende Winde von West nach
Nordost bei einem mittleren Barometerstande von 759.8 mm, nur 0.23 mm unter
normal. Man beobachtet eine Wasserhose, Im Journal sind eingetragen: drohende
regnerische Luft, abends ringsum Wetterleuchten, 1/„, Stunde lang Platzregen,
nördliche Dünung, Bewölkung 7. Am 19. Oktober zwischen 8° 34’N-Br, 70° 48’O0-Lg.
und 7° 25’ N-Br., 76° 6,5’ O-Lg. umlaufende Winde von Nord über Ost und Südost
nach Südwest, Stärke 1 bis 3; Wetterleuchten und Blitze im Norden, böige Luft,
2 Stunden lang Regen, 1!/, Stunden Platzregen, südliche Dünung, Bewölkung 7.
Am 19, Oktober schönes Wetter,
Dampfer »Koning Willem II« schreibt auf der Heimreise zwischen 8° 193’N-Br,
70° 9’ O-Lgy. und 9° 9’ N-Br., 66° 31’ O-Lg. am 20. Oktober in sein Journal: leichte
veränderliche Winde von West bis Nordnordost, Stärke 3 bis 4, mittlerer Baro-
meterstand 760 mm, 1.5 mm unter normal; böige Luft, 1%, Stunden lang Regen,
£ Stunde Platzregen, durcheinanderlaufende Dünung, Bewölkung 8.5. Am 21. Ok-
tober zwischen 9° 9’ N-Br., 66° 31’ O-Lg. und 10° 16’ N-Br., 60° 51’ O-Lg. andauernd
veränderlicher, von Nordwest auf West drehender Wind, Stärke 2 bis 5, dicke
Luft, 12 Stunden lang Regen, davon 3 Stunden Platzregen, mittlerer Barometer-
stand 759.6, 0.7 mm unter normal, starkes Wetterleuchten zwischen Nord und
Nordwest, St. Elmsfeuer, durcheinanderlaufende mäßig hohe Dünung, Bewölkung 10.
Am 22, Oktober zwischen 10° 16’N-Br., 60° 51’0-Lg. und 11° 12’N-Br., 55° 14’0-Lg.
dreht der Wind von West über Nordwest bis Nord, Stärke 2, mittlerer Barometer-
stand 0.6 mm über normal, abklarende Luft, von 85V ab am 23. schönes Wetter.
Aus den obigen Beobachtungen ergibt sich, daß die beiden Schiffe am Süd-
rande einer großen Depression entlang steuerten und daß dieses Gebiet sich am
21. und 22. Oktober von 70° bis 60° O-Lg. auf etwa 10° N-Br. ausdehnte. Der
Orkan hatte sich wahrscheinlich noch nicht gebildet.
Ann. d. Hrdr. naw.. 1908, Heft IT.