156 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1908,
überdies von dem Bodenwasser durch eine 600 bis 700 m dicke, auffallend warme
Schicht von über 0° getrennt ist. Eine zweite Erklärung des Ursprungs des
Bodenwassers im Nordpolarbecken, die wir vorher schon angedeutet haben, wäre
die, daß es aus den unteren Schichten des Nordmeers stammt und unterhalb der
wärmeren Mittelschicht in das Eismeer eindringt. Doch setzt dies voraus, daß
keine hohe Schwelle beide Meere trennt. Die Erhebung dürfte, wie leicht zu
ersehen, nur bis zu der Höhe reichen, in der die Temperatur des Wassers des
Nordmeers gerade —0,9° beträgt. Eine Erklärung für den hohen Salzgehalt des
Bodenwassers im Nordpolarbecken — 35,1%, — ist mit dieser Hypothese freilich
auch nicht gegeben, Erst wenn die Unsicherheiten in all den Beobachtungen aus
dem hohen Norden geklärt sein werden und auch das Bodenrelief, das stets bei
diesen hydrologischen. Betrachtungen eine wesentliche Rolle spielt, genauer be-
stimmt sein wird, dürften die noch offen gebliebenen Fragen und Meinungs-
vrerschiedenheiten endgültig‘ entschieden werden. P., Perlewitz.
Orkan im Arabischen Meer vom 23. Oktober bis 3. November 1906.
(Hierzu Tafel 7.)
In der Zeit vom 23, Oktober bis 3. November 1906 durchzog ein Orkan
das Arabische Meer, den Herr P. H, Galle vom Königlich Niederländischen
Meteorologischen Institut untersucht hat mit dem Ergebnis, daß zwar nicht der
Ursprung, wohl aber die Richtung und Geschwindigkeit des Orkans ziemlich
genau bestimmt werden könnten. Weitere Mitteilungen über diesen Orkan finden
sich in »De Zeg« Mai 1907 sowie in einem Bericht des Kommandanten des franzö-
sischen Kreuzers »L’Alger« in »Annales hydrographiques« 1906, der auf der Aus-
reise in das Zentrum des Örkans gelangte.
Nach den »Cyelone Memoirs, Arabian Sern« lassen sich die ÖOrkane des
Arabischen Meeres in zwei Klassen einteilen: 1, Es bilden sich Orkane in der
Gegend der Lakkadiven und Maladiven, ziehen in nördlicher oder nordnordwest
licher Richtang bis etwa zur Breite von Bombay, biegen dann mehr nach Westen
und durchziehen den nördlichen Teil des Arabischen Meeres in etwa nordwestlicher
Richtung, 2. Orkanwirbel, die den Golf von Benyalen nach Westen durchziehen, zer-
fallen bald nach ihrem Eintritt in die Halbinsel Vorderindien in ihren unteren Teilen,
während die oberen Teile des Wirbels ihren Weg westwärts fortsetzen, und über
dem Arabischen Meere angekonimen, dort ÖOrkane bilden, Dies kommt in den
Monaten Oktober bis Dezember häufiger vor. Da aus der Zeit vom 18, bis 24, Ok-
tober 1906 kein solches Eindringen eines Orkanwirbels in die Halbinsel Vorder-
indien von Östen her bekannt geworden ist, so muß der Orkan von 1906 ent-
weder zur ersteren Klasse gehört haben oder sonst auf eine Weise zur Entwicklung
gelangt sein, die sich unserer Kenntnis entzieht, Ein Orkan, der zu der zweiten
Klasse gehörte, war der von 1888, bei dem im übrigen die Wetterlage eine merk-
würdige Übereinstimmung mit dem Orkan von 1906 zeigte: Beide lassen sich
annähernd an derselben Stelle zuerst feststellen, damals war die Störung schon
am 31. Oktober bemerkbar, während erst am 6. Norember von einem Örkan
wirklich gesprochen werden konnte, Ganz ähnlich Jagen die Verhältnisse beim
Orkan von 1906, wie wir weiter unten sehen werden, Der Orkan von 1888 hatte
aber eine nördlichere Richtung als der von 1906,
Der Orkan von Ende Oktober und Anfang November 1906 zeigte folgende
Entwicklung: Am 15, Oktober lagerte eine schr tiefe Depression, die sich in
westlicher Richtung ausdehnte, über dem Golf von. Bengalen; am 18. Oktober hatte
sie sich bis ins Arabische Meer vorgeschoben und sich am 22, Oktober zu einem
trogartigen Gebiet tiefen Druckes entwickelt, das etwa zwischen 12 bis 14° N-Br.
von Vorderindien bis zum 60,° O-Le. reichte.
An der Südwestküste von Vorderindien wehten bei erst leicht, dann dicht
bewölktem Himmel südöstliche Winde; die meisten Beobachtungsstationen meldeten
täglich Gewitter und Regenwetter. ;