Perlewitz, P.: Zur Ozeanographie der nordeuropäischen Meere usw. 155
sinkt von der Oberfläche, wo es im Winter schließlich bis zum Gefrierpunkt
—.1,8° bis —1,9° abgekühlt werden kann, in die Tiefe, Durch die Berührung
und Mischung mit den unteren Schichten, die jedenfalls nicht kälter sein können,
sowie auch in geringem Maße durch die Druckzunahme mit der Tiefe wird es
dabei etwas erwärmt. Als Bodentemperatur wurde von Amundsen auf seinen
Stationen —1.3° im Mittel gefunden, Je tiefer außerdem das kalte schwere Sink-
wasser kommt, um so weiter wird es sich auch nach allen Seiten hin ausbreiten
und am Boden, vielleicht in Abhängigkeit vom Relief, in verschiedenen zyklonalen
oder antizyklonalen Bewegungen seinen Weg sowohl unter das leichte kalte Wasser
des Polarstroms als auch unter das wärmere Wasser des Golfstroms finden und
somit allmählich den ganzen Boden des Nordmeers ausfüllen, Die Temperatur
des Bodenwassers muß langsam durch die Erdwärme steigen, und zwar umso-
mehr, je weiter es sich von dem Entstehungsherd A entfernt. In der Tat ist
dies der Fall, denn wir finden die niedrigste Bodentemperatur in der Amundsen-
schen Gegend selbst wie gesagt —1.3° in etwa 2000 m, während die Michael Sars-,
die Ingolf- u. a, Expeditionen östlich und südlich davon nur —1.0° und —1,1° am
Boden gefunden haben.
Das kalte Bodenwasser kann sich jedoch nicht über die Grönland-Island-
Bank oder die Island-Färöder-Shetland-Bank ausbreiten, wie aus vielen Beob-
achtungen, schon seit Thompsons Messungen, bekannt ist. Damit ist aber auch
zugegeben, daß keine größeren Mengen kalten Bodenwassers aus dem nord-
guropäischen Bassin herausgeschafft werden. Nansen schließt nun hieraus wieder,
daß die Erneuerung und also überhaupt die Bildung des Bodenwassers in dem
Becken ein überaus langsamer Prozeß ist; die Menge des in der Gegend der
Amundsenschen Stationen erzeugten kalten Bodenwassers ist gerade hinreichend,
die beschriebene, sehr langsam gehende Zirkulation aufrecht zu erhalten.
IV.
Am Schluß seiner Arbeit geht Nansen auf das Polarbecken und im be-
sonderen auf die Bodentemperatur daselbst ein.
Das Polarwasser im Polarbecken hat im Sommer in 50 bis 60m Tiefe ein
Temperaturminimum. Pettersson gab zuerst die auch von Nansen an-
genommene Erklärung hierfür, indem er das Entstehen dieses Minimums auf
die Berührung des Wassers mit den großen KEisbergen, die bis zu jener Tiefe
eintauchen, zurückführt, selbst da, wo solche Eisberge, die eine Temperatur bis
—20° und — 380° haben können, nicht häufig vorkommen. Die Eisberge schmelzen
nur langsam und entziehen dabei bekanntlich eine große Wärmemenge ihrer Um-
gebung, die somit stark abgekühlt wird. Ein Sinken und eine Vertikalzirkulation
kann aber, wie Nansen Pettersson gegenüber betont, nicht eintreten, da das
abgekühlte Wasser gleichzeitig durch das Schmelzen des Eises sehr verdünnt
wird, bis unter 33,80%, und somit auf dem unteren wärmeren und salzreicheren
Wasser schwimmen muß und daher nirgends unter solchem Polarwasser oder
Polarstrom, in dem noch Eis schwimmt, kaltes Bodenwasser erzeugen kann.
Als Temperatur des Bodenwassers des Nordpolarbeckens ist von der Fram
—0.8° bis —0.9° gemessen, und als sein Salzgehalt 35,1%, festgestellt, Aus der
großen Verschiedenheit dieses Bodenwassers mit dem des nordeuropäischen Meeres
schließt Nansen, daß zwischen beiden Meeren keine offene Verbindung und
ständige Zirkulation, besonders in den tieferen Schichten, bestehen kann. Dieser
Schluß scheint jedoch nicht einwandfrei nach Nansens eigenen Voraussetzungen;
das Bodenwasser könnte sich auf dem langen Wege von den Amundsenschen
Stationen her von —1.3° auf —0,9° erwärmt haben, ebenso wie Nansen solche
Erwärmung im Nordmeer selbst annimmt, wie wir vorher gesehen haben,
Das Bodenwasser des Nordpolarbeckens hat sich nach Nansen aus Wasser
der wärmeren Mittelschicht gebildet, das an unbekannter Stelle im Polarmeer,
vielleicht nördlich von Spitzbergen oder Nowaja Semlja, auf dem Scheif an die
Oberfläche gelangt ist, sich hier stark abgekühlt hat, dann zu Boden gesunken
ist und sich dort ausgebreitet hat. Das Bodenwasser kann nicht ursprüngliches
polares Oberflächenwasser sein, da dies zu salzarm — 30 bis 32%, — ist und