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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

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Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1908. 
Die gleiche dreifache Wasserschichtung finden wir auch südlich der 
Amundsenschen Stationen von 72° bis 69° N-Br, in einzelnen Jahren (1891) 
noch &üdlicher in 69° bis 68° N-Br, wenn nämlich das Gebiet A sich weiter nach 
Süden erstreckt. Ferner sind diese charakteristischen Wasserschichten auch im 
Nordpolarbecken und im nördlichen Teil der Barentssee sowie in der Baffinsbai 
und in der Antarktis zu finden. Überall dort haben wir einen wärmeren Zwischen- 
strom, der sich aber dauernd nur halten kann, wenn er oben von einer kalten 
leichten Wasserschicht überdeckt ist, die ihn vor Abkühlung im Winter und 
damit vor Vertikalzirkulation schützt. 
Amundsens Stationen zeigen diese Verhältnisse nicht, es fehlt 
das salzarme Oberwasser. Ein Hindernis für Vertikalzirkulation bis zum 
Boden ist also nicht vorhanden, Öben haben wir nun schon erwähnt, daß die 
Isopyknen von den Amundsenschen Stationen aus nach Westen, nach der 
Grönlandküste, sehr steil abfallen, Hieraus schließt Nansen, daß die warme 
mittlere und kalte obere Schicht nicht in Ruhe sein können, daß sie vielmehr in 
Bewegung sein müssen, und zwar beide von Nord nach Süd, da sie bei ent- 
gegengesetzter Strömungsrichtung infolge Rechtsablenkung durch die Erdrotation 
einen anderen Weg als dicht an der grönländischen Küste entlang nehmen müßten, 
Der wärmere Strom kommt nach Nansen als ein Arm des Golfstroms 
etwa auf dem 77.° N-Br. aus Osten oder Südosten, strömt nach Westen und um- 
kreist zyklonal die Amundsenschen Stationen; Pettersson dagegen ist der 
Ansicht, daß das nach der Küste Grönlands gelangende Golfstromwasser direkt 
nördlich und südlich von Jan Mayen nach Westen strömt. Er glaubt schon 
wegen des größeren Sauerstoffgehalts des unterhalb des Ostgrönlandstroms be- 
findlichen Golfstromwassers diesem keinen so weiten Weg zuschreiben zu dürfen, 
wie ihn Amundsen in dem Zyklonalstrom annimmt, 
Nansen leugnet das Vorhandensein der beiden Stromzweige nördlich und 
südlich von Jan Mayen nicht; er geht aber weiter als Pettersson und 
Meinardus, indem er annimmt, daß noch ein dritter Golfstromarm die 
Amundsenschen Stationen zyklonal umkreist. Die beiden Jan Mayenströme 
halten nach Pettersson den Weg nach Grönland während des größten Teils 
des Jahres durch Verhinderung der Eisbildung, bezw. durch Schmelzen offen. 
Nach Nansen dagegen hat ein warmer Strom in den polaren Gegenden, 
da er sich sofort unter das kalte leichte Oberflächenwasser schiebt, überhaupt 
keine Bedeutung sowohl für die Eisbildung wie für die Kisschmelze, 
Beides ist nur der direkten Einwirkung der Atmosphäre unterworfen und allein 
davon abhängig. 
Im Winter scheint die Gegend der Amundsenschen Stationen trotz der 
starken Abkühlung an der Oberfläche größtenteils offen zu bleiben, da das 
atmösphärisch durch Ausstrahlung abgekühlte Wasser kein leichtes Polarwasser 
ist und daher nicht an der Oberfläche bleibt. Charakteristisch ist, daß die 
Walfischfänger in diese Gegend gehen, um die Wale zu fangen, die im Winter 
ihre bestimmten Plätze auf einer großen nicht sehr festen Eiszunge südlich dieser 
Gegend aufsuchen, um ihre Jungen vor den Eisbären möglichst zu bergen. Die 
Bildung der Eiszunge an dieser Stelle ist nicht so sehr den Wind- und Temperatur- 
verhältnissen als vielmehr den Dichteunterschieden zwischen dem leichten Ost- 
grönlandwasser und dem schweren Wasser der Amundsenschen Gegend zuzu- 
schreiben, die ein Abströmen des Wassers an der Oberfläche nach A hin hervor- 
rufen: infolge Rechtsablenkung bekommt diese Strömung eine Tendenz nach 
Süd und das mitgeführte Eis wird südlich der Amundsenschen Stationen 
zusammengetrieben, Der Sinn dieser Strömung ist wieder zyklonal, was mit 
dem früher Gesagten übereinstimmt, ebenso wie auch in der Atmosphäre darüber 
im großen und ganzen dort Zyklonalströmung vorherrscht; denn über der offenen 
Amundsenschen Gegend muß es im allgemeinen wärmer sein und demnach ein 
geringerer Luftdruck herrschen als über den umliegenden, besonders westlich 
und südlich gelegenen geschlossenen Eis- und Schneefeldern, 
Die Gegend der Amundsenschen Stationen soll nun der Ursprungsherd 
des kalten Bodenwassers des ganzen europäischen Nordmeers sein, Das Wasser
	        
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