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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Perlewitz, P.: Zur Ozeanographie der nordeuropäischen Meere new. 153 
durch alle Tiefen gleichmäßig kalte und schwere Wasser nördlich von Jan Mayen, 
wo Amundsen seine Hauptbeobachtungen im Sommer 1901 angestellt- hat, 
zwischen 73° bis 76° N-Br. und 4°O- bis 4° W-Lg. auf der Karte mit A be- 
zeichnet, polaren Ursprungs sel, Doch wies Nansen in seiner »Oceanography 
of the North Polar-Basin« auf die Unhaltbarkeit dieser Annahme hin, Das kalte 
Bodenwaäasser des Nordmeeres entsteht, wie er nunmehr nach den Amundsenschen 
Beobachtungen für erwiesen erachtet, an Ort und Stelle im Winter, bei A, und 
zwar in der gleichen Weise, wie wir es von der Barentssee her kennen. Leider 
hat Amundsen keine Tiefenbeobachtungen in der Umgebung seiner Stationen 
gemacht; Nansen hat deshalb für seine Arbeit nur die Beobachtungen anderer 
Forscher, 12 an Zahl, und aus anderen Jahren nach mühsamer Sammlung und 
kritischer Sichtung des Materials zum Vergleich heranziehen können und danach 
6 Karten der Isothermen und Isohalinen vom europäischen Nordmeer für die 
Öberfläche, für 50, 100, 200, 300 und 400 m Fi. 2 
Tiefe gezeichnet, um eine Übersicht über ME 
die horizontale Verteilung der Temperatur, 
des Salzgehalts und der Dichte für die 
Jahreszeit Juni bis August zu gewinnen. 
Die Amundsenschen Stationen und 
von den übrigen nur die Mohnschen 
Stationen M 302 bis 304 der norwegischen 
Nordexpedition 1878 (s. Textfigur 2) zeigen 
deutlich andere Verhältnisse als die um 
liegenden Gegenden, Das kalte Boden wasser 
findet sich in der Gegend der Amundsen- 
schen Stationen bis nahe zur Oberfläche 
hinauf; die Isotherme von — 1°, wie auch 
die Isopyknen von 28.00 und 28.10 senken 
sich von hier nach Westen, Süden und 
Östen steil in tiefere Schichten; nach Norden 
zu erscheinen die Verhältnisse nicht so ein- 
fach, da nach den älteren Beobachtunger 
von Ryder 1878, RIX und R X, dort dre: 
Minima unter — 1°; in 80 m, in 150 mn und 
unterhalb 600 m vorhanden sind; leider 
haben wir keine neueren Beobachtungen 
daselbst. Für das zentrale Gebiet A ist 
dabei charakteristisch, daß es vollständig 
getrennt ist von dem kalten Küstenwasser 
bei Grönland, vom 0sterönländischen Strom, wie auch vom kalten Küstenwasser 
bei Jan Mayen und Island, 
Bei A sieht Nansen allein den Entstehungsherd des kalten Bodenwassers 
des gesamten Nordmeers. Er sucht zu beweisen, daß dies kalte Wasser nicht 
vom Nordpolarstrom stammen kann, wie Pettersson meint, der hier bei A das 
Ende des östlichen Nordpolarstroms sieht, Nach Nansen dagegen besteht der 
Nordpolarstrom allein aus dem Ostgrönlandstrom, Dieser ist vor allem salzärmer 
als der atlantische, hat überhaupt nach Salzgehalt und Temperatur große 
Ähnlichkeit mit dem, Wasser des Nordpolarbeckens und wird nicht, wie 
Pettersson anzunehmen scheint, in der Hauptsache durch gesehmolzenes 
Grönlandeis gebildet, sondern kommt aus dem Nordpolarbecken und wird nach 
rechts, also nach der Küste von Grönland hin gelenkt, wo er allerdings auch 
grönländisches Küstenwasser in sich aufnimmt. Seinen geringen Salzgehalt hat 
er aber, ebenso wie das Polarwasser selbst, durch nichts anderes als die starke 
Zufuhr von Süßwasser im Polarmeer durch die sibirischen Flüsse, 
Unterhalb des kalten salzarmen Osterönlandstroms befindet sich eine Schicht 
atlantischen Wassers mit höherer Temperatur, über 0°, und höherem Salzgehalt, 
über 34,9°%,, und unter dieser wieder kaltes Wasser, bis zu —1.0° in mehr als 
1000 m Tiefe mit dem gleichmäßigen. Salzgehalt von 34,90 bis 34,92%. 
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