152 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Aprıl 1905.
die Temperaturen -—1.0° und — 1,7% während auf der fast an derselben Stelle
gelegenen russischen Station, R 21, im August 1904 die Temperatur von der
Oberfläche bis zum Boden von etwa 6° auf 0° ziemlich gleichmäßig abnahm;
der jahreszeitliche Unterschied macht hier ungemein viel aus.
Interessant ist folgende Zusammenstellung über die Bodentemperatur
in dieser mittleren Barentssee, Die Unterschiede der Temperatur sind in den
einzelnen Jahren groß, die Temperaturunterschiede in den verschiedenen Monaten
desselben Jahres aber auffallend klein. Die Salzgehaltsunterschiede waren stets
nur sehr gering, sie schwankten zwischen 34,94”. und 35.00 on.
Jahr, Monat, Bodentemperatar,
1899 ‚Juli —1,8° bis —1,9°
1900 ‚Juli u, Sept, —".39° « —1,5°
1901 Juli u, August + © —1.5°
1902 August —1 Wk —1.4°
1903 Mai u. August —1.3°
1904 Mai u, August —1,7° bis — 1,8%.
Das Stadium der hydrographischen Verhältnisse der nordöstlichen
Barentssee und ihrer Beziehungen zum Nordpolarbecken führt nun Nansen
zu besonders wichtigen Ergebnissen, Zwar ist der Salzgehalt des Bodenwassers
in beiden Meeresteilen gleich, aber die Temperatur im Nordpolarbecken
ist in der Tiefe bedeutend, etwa 1°, höher als in der Barentssee, Aus
diesen Tatsachen schließt Nansen auf die Unmöglichkeit, daß das Boden.
wasser aus dem Polarbecken in die Barentssee einströmt, »Es ist nicht möglich,
sagt er, daß solches Wasser während des Strömens unterhalb wärmeren
Wassers kälter wird und daß das Bodenwasser des tieferen Polarbeckens aus
mehr als 1000 m Tiefe zur flachen Barentssee hinauftransportiert wird.« Für
solche Strömung käme überdies nur die teilweise sehr schmale und kaum 300 m
tiefe Rinne in Betracht, welche sich zwischen Franz Josephs-Land und Nowaja
Semlja befindet,
Aus den Knipowitschschen vortrefflichen Vertikalschnitten zwischen
Nowaja Semlja und Franz Josephs-Land (bei M60 bis M62 und östlich davon)
geht hervor, daß im Osten, im mittleren Teil und an der Nordseite der Rinne
die Wassertemperatur in mehr als 200 m Tiefe über 0° beträgt, wie auch schon
auf der »Frams-Expedition beobachtet ist.
An der Südflanke der Rinne ist das Wasser um mehr als 1° kälter; es
ist hier wahrscheinlich eine langsame Strömung nach Osten vorhanden, während
an der Nordseite, an der Küste von Franz Josephs-Land, eine solche in um-
gekehrter Richtung vorzuherrschen scheint, die sich. nach Westen zu durch
Mischung etwas abkühlt und infolge des Flacherwerdens des Bodens in Rück-
strömungen zu verlaufen scheint, Eine warme Mittelschicht in dem westlichen
Teil der Rinne ist scharf von dem kalten schweren Boden- und Küstenwasser
Nowaja Senljas getrennt und wahrscheinlich als eine Abzweigung der Zyklonal-
Strömung der mittleren Barentssee anzusehen. Die Temperatur des Bodenwassers
zeigt längs der ganzen Rinne die charakteristische Zunahme nach dem Polar-
meer hin, von —0.9° (in 83° O-Lg. und 78° N-Br.) bis über 0° (in 65° O-Lg,
und 79° N-Br,).
In der nördlichen Barentssee hat Amundsen nur an den 2 Stationen 24 u, 25,
welche sehr nahe am spitzbergischen Schelf liegen, beobachtet; sie können also
kaum etwas aussagen über die Beziehungen der Tiefwasserschichten der Barents-
ses zu denen des Nordpolarbeckens, Bei einer Oberflächentemperatur von 1,3
und 1.7° (im August) und einem Öberflächensalzgehalt von 33.03 in Stat, 24,
33.69 in Stat, 265 fand sich auf Stat. 24 die niedrige Bodentemperatur — 1,79
mit 34,61%, in 150m Tiefe, auf Stat, 25 die Bodentemperatur —1,35° mil
34.31 "an in 100 m Tiefe.
Im zweiten Teil seiner Arbeit behandelt Nansen das europäische Nord-
meer, den Teil des Atlantischen Ozeans, der zwischen Grönland, Island, Norwegen
and Spitzbergen liert. Früher war man allgemein der Ansicht, daß das fast