Annalen der Hydrographie and Maritimen Meteorologie, Januar 1008,
Dynamische Versuche mit Meerwasser.
Von 4. WW. Sandströu, Universität Kristlanis.
+.
Die Veranlassung zu diesen Versuchen bildete folgende Beobachtung, die
ich an der Station Bornö im Gullmarfjord an der Westküste Schwedens machte.
Wenn der Wind über den Fjord hinstrich, strömte das Wasser an der ÖOber-
fläche in der Richtung des Windes, sobald jedoch der Wind aufhörte, strömte
es in Entgegengesetzter Richtung wieder zurück,
Es schien mir der Mühe wert, diese auffallende Erscheinung genauer zu
untersuchen, und versuchte ich zu diesem Zwecke, Wasser herzustellen, das die
selben Eigenschaften wie das Fjordwasser besaß, Das gelang mir auf
folgende Weise:
Ich nahm Wasserproben aus verschiedenen Tiefen des Fjords und goß die.
selben vorsichtig in ein Glasgefäß, und zwar in der Weise, daß die verschiedenen
Wasserproben in der nämlichen Reihenfolge im Gefäß aufeinander folgten wie
zuvor im Fjord. Als ich nunmehr über das Wasser im Gefäß hinblies, strömte
auch hier das Wasser an der Oberfläche in der Richtung des Windes, und 80-
bald. ich zu blasen. aufhörte, strömte es in entgegengesetzter Richtung wieder
zarück.
Um die Ursache dieser Erscheinung zu erforschen, machte ich einen
zweiten Versuch mit neuen. Wasserproben. in. derselben Weise wie vorher, nur
mit dem Unterschied, daß ich diesmal die oberste Schicht Wasser, bevor ich sie
ins Gefäß goB, mit Tusche färbte, Dieses schwarze Wasser legte sich mun als
eine horizontale, überall. gleich dicke Schicht auf das darünterliegende, klare
Wasser, wie Fig. 1 zeigt, Als ich darauf über das Wasser hinblies, strömte das
schwarze Wasser an der Öberfläche in der Richtung des Windes und legte sich
Als. eine keilförmige Schicht an die Seite des Gefäßes an, gegen die der Wind
wehte — d, h. gegen die ich blies — (stehe Fig, 2); sobald ich aber aufhörte
zu blasen, strömte das schwarze Wasser wieder in seine vorherige Lage zurück,
3ö daß es also von neuem eine horizontale, überall gleich dieke Schicht bildete,
wie auf Fig, 1.
Fir 1.
Geschichtetes Fjordwasser. Oberflächen.
schicht int Tusche gefärbt,
Fig. 2.
x X }- MH A A
Das mit Tusche gefärbte. Oberflächen
wasser der Fig. 1 jet vom Würd zu einer
keilförmig. Schicht zusammengeschoben.
Nach diesem Versuche ist die Ursache der Erscheinung vollkommen klar
und findet ihre Erklärung in dem Umstande, daß die Wasserschicht an der
Oberfläche — das Oberflächenwasser, wie ich es kurz nennen will —
spezifisch leichter ist, als das darunter geschichtete Wasser, und deshalb nicht
gezwungen werden kann, in dieses Unterwasser hineinzudringen,
Am einfachsten läßt sich diese Erscheinung‘ durch die Bjerknessche
Zirkulationstheorie erklären. Diese Theorie besagt, daß, wenn eine Flüssigkeit
aus Teilen. von. verschiedenem. spezifischen Gewicht zusammengesetzt ist, sie das
Bestreben hat, horizontale Schichten. von überall gleicher Dicke zu bilden, deren
spezifisches Gewicht mit der Tiefe zunimmt, Die Kräfte, die die Flüssigkeit in
dieser Weise ordnen, wollen wir die Bjerknesschen Kräfte nennen, Diese Kräfte
suchen also, jede Schicht der Flüssigkeit horizontal und überall gleich dick zu