‘50 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Aprıl 1908,
% — 28.38 bei WII, Fig. 1 überhaupt die größte Dichte ozeanischen Wassers ge-
funden ist,
Das kalte schwere Bodenwasser der mittleren und Östlichen Barentssee
haben wir nicht kalten Strömungen, d, h. nicht andern Gegenden, zu verdanken,
sondern der Abkühlung an der Oberfläche selbst an Ört und Stelle: Im Spät-
sommer und Herbst ist infolge der — je näher der Oberfläche desto mehr —
durchwärmten und verdünnten Wasserschichten der flachen Barentssee ein
stabiler Zustand hinsichtlich der vertikalen Dichteverteilung eingetreten und
somit jede Vertikalzirkulation ausgeschlossen. Im Winter kühlt sich dann das
Wasser an der Oberfläche bei der starken Ausstrahlung in. diesen Breiten schnell
bis zu seinem Gefrierpunkt —1,8° und — 1.9° ab, das Öberflächenwasser wird
schwerer, es sinkt in die Tiefe, während das wärmere und leichtere Wasser aus
der Tiefe aufsteigt, so daß eine kräftige Vertikalzirkulation entwickelt wird. Die
Dichte des Oberflächenwassers wird noch weiter vermehrt durch das Gefrieren
des Seewassers selbst, worauf auch schon Knipowitsch bei Erklärung des
kalten Bodenwassers hinweist, Es gefriert zunächst natürlich ein Teil des Ober-
flächenwassers; hierbei wird aber das meiste Salz ausgeschieden, das sofort von dem
übrigen Teil des Oberflächenwassers aufgenommen wird und dessen Salzgehalt
vergrößern muß, Dadurch wird fortwährend salzreiches, kaltes und schweres
Wasser an der Oberfläche erzeugt, das, besonders bei nicht allzu großer Meeres-
tiefe, schnell bis zum Boden sinkt,
Im Winter werden wir also kaltes schweres Bodenwasser, das im Herbst
noch Oberflächenwasser war, zuerst auf den flacheren Bänken und an den Küsten-
strichen antreffen, an denen es nicht durch Süßwasserzufuhr verdünnt wird,
Yon da breitet sich das kalte schwere Bodenwasser auf dem Boden entlang nach
allen Seiten, auch nach den tieferen Becken, aus. Im Sommer bleibt es am Boden,
wenigstens in allen größeren Tiefen, da die Vertikalzirkulation aufhört; denn an
der Öberfläche wird das Wasser erwärmt und durch Schmelzwasser verdünnt;
ein immer stabilerer Gleichgewichtszustand wird also in dieser Jahreszeit her-
gestellt. Lediglich die Diffusion und Wärmeleitung können eine langsame Er-
värmung nach unten zu bewirken, die nur bei sehr geringen Tiefen, auf den
flachen Bänken und an der Küste bis zum Boden reicht; also gerade da, von
wo im Herbst die Abkühlung ausgegangen ist. In allen tieferen Meeresteilen
bleibt das kalte schwere Wasser auch während des ganzen Sommers und Herbstes
am Boden, und nur langsame lokale Bodenzirkulationen, die im speziellen durch
das Relief des Meeresbodens bedingt sind, können vor sich gehen,
Von den flachen Rändern der Barentssee aber fließt das Bodenwasser
nach der Mitte zu in die tieferen Gegenden langsam ab und wird dort mit in die
wärmere atlantische Zyklönalströmung hineingezogen; an den Abhängen zu den
Tiefen der zentralen Depression der Barentssee, wie Nansen das mittlere tiefere
Becken nennt, scheint die atlantische Horizontalströmung am stärksten aufzu-
;reten; denn wir finden hier hohe Bodentemperaturen, meist sogar über 0°. Es
kann sich dann hier natürlich auch im Winter wegen der Horizontalströmung
kein kaltes Sinkwasser bilden, Im zentralen Teil der Depression ist die Horizontal-
bewegung erklärlicherweise wieder geringer und wir finden dort auch in der
Tat wieder weit niedrigere Bodentemperaturen,
Das kalte Bodenwasser der Barentssee hat also nach Nansen
seinen Ursprung in der Vertikalzirkulation des Wassers im Winter,
es wird nicht durch Meeresströmungen aus andern Gegenden herbei-
geschafft.
Für unhaltbar hält Nansen die Theorie Edlunds, daß Eis am Boden da-
durch entsteht, daß unterkühltes und herabsinkendes Wasser bei Berührung mit
dem Boden erstarrt und das Bodenwasser abkühlt, Nordenskiöld wie Nansen
haben zwar auch Eis am Boden gefunden, aber dies bildet sich nur an ganz
Aachen Stellen zwischen den Steinen am Boden; das Eis zerspringt im Sommer.
löst sich vom Boden log und steigt zur Oberfläche auf, um da zu schmelzen,
Was speziell die südliche flache Barentssee betrifft, so ist die örtliche
and zeitliche große Verschiedenheit der Wassertemperaturen und der verhältnis-