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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

[48 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1908, 
zrundlegenden neuen Resultaten gekommen, daß es geboten erscheint, auf seine 
Arbeit näher einzugehen, Er kommt — das sei als wesentlichster Punkt zuerst 
hervorgehoben — bezüglich der Herkunft des kalten Bodenwassers zu andern 
Ansichten als Ö. Pettersson, der uns in seinen Abhandlungen über den Einfluß 
Jer Eisschmelze auf Strömungen‘) höchst wertvolle, von Nansen zum Teil stark 
angegriffene Beiträge zur Ozeanographie in den arktischen Gegenden gegeben hat, 
Vor der eigentlichen Bearbeitung des Materials geht Nansen auf die 
von Amundsen benutzten Thermometer und Wasserschöpfer und auf die Ge. 
zauigkeit der damit erhaltenen Resultate ein. Er stellt an der Hand der Aichungen 
der Instrumente vor und nach der Reise fest, daß die Thermometer von Richter 
und die von Negretti-Zambra die Temperatur auf wenige Hundertstel Grad 
genau angegeben haben, und daß ferner der Chlorgehalt durch Titration auf 
DOT%6 mit wenigen Ausnahmen gesichert erscheint, bei denen nachträgliche 
Verdunstung eingetreten sein kann, oder wo sich bei sehr niedriger Lufttemperatur 
nach dem Aufholen des Wasserschöpfers kurz vor und während des Abfüllens 
Jarin Eisnadeln gebildet haben, die das Wasser selbst konzentrierter gemacht, 
oder, falls Kisnadeln im Wasserschöpfer mit heraufgebracht sind, es durch ihr 
Schmelzen verdünnt haben; doch scheinen diese Fälle bei den Amundsenschen 
Proben kaum eingetreten zu sein, Der aus dem Chlorgehalt nach der Knudsenschen 
Tabelle berechnete Salzgehalt kann nach der neuesten Untersuchung mit dem 
arktischen Bodenwasser allerdings um 0,01 bis 0.03%, zu niedrig erhalten sein, 
doch ist dieser Fehler, der sich ebenso auch auf die Dichte vo, überträgt, zu klein, 
als daß er irgendwo eine entscheidende Bedeutung erlangen kann, 
1X. 
Die Nansensche Ärbeit ist mit einer großen Anzahl hydrologischer Schnitte 
und Karten versehen, die zum Teil allerdings fast unleserlich sind, wie Fiz, 2, 
5, 26, Die Beobachtungen verschiedener anderer Schiffe sind mitrerwertet. 
Aus dem Verlauf der Isohalinen der gesamten Barentssee, die uns zu- 
nächst beschäftigen soll, ist deutlich eine zyklonale Bewegung des salzigeren, zum 
großen Teil aus dem Atlantischen Meer stammenden Öberflächenwassers zu er- 
kennen, das der KRechtsablenkung durch die Erdrotation unterliegt; wahr- 
scheinlich wirkt auch der Wind bei der Entstehung der zyklonalen Wasser- 
bewegung in der Barentssee mit. Im zentralen Teil finden wir nur 33% Salz- 
gehalt, im Westen über 35% 9, im Süden 340 bis 34,9%, und im Osten nach 
Nowaja Semlja zu etwa 34%. Der Norden bleibt aus Mangel an Beobachtungen 
leider unsicher; doch scheint sich aus dem hohen Norden ein weniger salzreicher, 
polarer Wasserstrom in die Barentssee zu ergießen, der an der zyklonalen 
Bewegung teilimmt. 
Isothermen der Oberfläche konnten von Nansen nicht gezogen werden, 
da die vorhandenen Temperaturmessungen nicht aus demselben Monat stammen. 
Es geht aber gerade aus den Temperaturbeobachtungen der verschiedenen Schiffe 
deutlich hervor, daß sich die Temperaturen an der Oberfläche dort mit der 
Jahreszeit und oft innerhalb weniger Tage überaus schnell ändern, Auch die 
[sohalinen der Oberfläche leiden. hierunter, da das schmeizende Eis, sei es Fluß- 
oder Meereis, den Salzgehalt des Oberflächenwassers stark herabsetzen muß; 
dazu kommt die schnelle Verringerung des spezifischen Gewichts des Wassers 
durch Erwärmung in den Sommermonaten, während vorher im Winter und 
Frühjahr seine Dichte oft sogar größer geworden ist, als die des von Westen 
eindringenden atlantischen Wassers, so daß letzteres über das arktische Wasser 
hinströmen kann. 
Die Untersuchungen Amundsens in der Barentssee, die durchweg in den 
Frühsommer fallen, früher als bisher von andern dort beobachtet, lassen vor 
allem zweierlei erkennen: Erstens, daß die jahreszeitlichen Unterschiede 
in der Barentssee überaus groß sind, wie z. B. aus dem VYergleich der 
1) Ch the Influence of ice-melting upon oceanic tirenlation br Otto Pettersson, in the 
Geogranhical Journal Vol. XXIV, London 1904 8. 2553 and Vol, XXX, 1007 8, 273.
	        
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