accessibility__skip_menu__jump_to_main

Object: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

140 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1908. 
vom hohen Norden südwärts vorrückte und mit einem am 3. Januar über Schottland 
erschienenen in Verbindung trat, so daß sich über Kontinentaleuropa am 5. und 
6. hoher Luftdruck einstellte. Während dieser Zeit herrschte meist heiteres, 
ruhiges und trockenes Wetter; nur im äußersten Osten fielen unter dem Einfluß 
einer nordöstlichen Depression (geringe) Niederschläge, und auch der Wind 
frischte unter ihrer Einwirkung dort mehrmals stark auf. Diese Tage, und be- 
sonders der 3., brachten starke Kälte und die überhaupt tiefsten Temperaturen 
des Monats. So sank das Thermometer in Wilhelmshaven auf —10°, in Memel 
sogar auf —21°. Am 6. aber trat eine wesentliche Änderung und Verschärfung 
der Wetterlage ein. Das Hochdruckgebiet über Kontinentaleuropa vereinigte 
sich mit einem von der Biscayasee heranziehenden Maximum, während über 
Nordeuropa zwei Ausläufer erschienen, die durch einen nach Skandinavien 
reichenden Keil hohen Druckes getrennt waren, Der östliche Ausläufer rief 
starkes Auffrischen der westlichen Winde an der östlichen Ostseeküste hervor 
und entfernte sich nach Rußland, Aus dem westlichen Ausläufer entwickelte 
sich ein tiefes Teilminimum, das am 6. und 7, Januar über das Skagerrak nach 
Westrußland vordrang und an der ganzen deutschen Küste am 6. Januar 
stürmische Winde, stellenweise sogar vollen Südweststurm hervorrief, Nach 
seinem Vorübergang erschien ein neues Minimum westlich von Irland, das einen 
ungewöhnlichen Weg einschlug und für die Witterung an der deutschen Küste 
große Bedeutung gewann. Es zog nämlich fast genau parallel dem Breitenkreis 
nach Osten mit seinem Kern über Mitteldeutschland hin und verursachte in 
Wechselwirkung mit einem über Westeuropa vordringenden Hochdruckgebiet am 
9. an der ganzen deutschen Küste Nordoststurm, der stellenweise sogar zu 
schwerem Sturm anschwoll, Es zog schnell nach Osten ab, so daß der Wind 
im Westen bald abflaute, im Osten aber auch am 10, noch stürmisch aus Nordost 
wehte. Im Rücken des Minimums drang nunmehr das genannte Hochdruck- 
gebiet nach Kontinentaleuropa vor, wo es bis zum 25, Januar bei nicht wesentlich 
veränderter Lage seines Maximums und wechselnder Ausdehnung verharrte und 
die Witterung an der deutschen Küste bis zum 25. beeinflußte. Während dieser 
Zeit zogen mehrere Ausläufer tiefen Druckes im Norden vorüber, die zeitweise 
das trockene und teilweise heitere Wetter unterbrachen und im äußersten Osten 
des deutschen Küstengebietes mehrfach stürmische West- bis Nordwestwinde im 
Gefolge hatten. 
Vielfach trat während dieser Zeit verbreiteter Nebel auf, und das Wetter 
war bei schwachen, meist südwestlichen Winden durchschnittlich ziemlich mild. 
Ausgebreitete Niederschläge fielen besonders am 16. und 17. an der ganzen Küste. 
Am 26. aber trat wieder eine wesentliche Veränderung der Wetterlage ein. Das 
genannte Hochdruckgebiet wich vor dem Anrücken einer umfangreichen Depression 
zurück; diese zog im Norden vorüber und entwickelte einen Ausläufer, der am 
Morgen des 26, über den Britischen Inseln lag und, zu einem tiefen Teilminimum 
entwickelt, unter starkem Auffrischen der aus westlicher Richtung wehenden 
Winde sowie ergiebigen Regenfällen längs der deutschen Küste fortschritt. Ihm 
folgte ein zweites Teilminimum, das am 28, über Südschweden lag und die immer 
noch lebhafte Luftbewegung wieder zu stürmischen Winden anschwellen ließ. 
Ein neuer Ausläufer erschien am 30, bei Island und entwickelte sich zu einer 
vom hohen Norden bis nach den Alpen reichenden umfangreichen, ganz Nord- 
guropa umfassenden Depression; in ihrem Bereiche wehten an der ganzen 
deutschen Küste stürmische, meist südwestliche Winde. Während dieser ganzen 
Periode herrschte fast andauernd Regenwetter, und die Temperaturen hielten 
sich etwas oberhalb des Gefrierpunktes. 
Berichtigung. 
In der Abhandlung von Joseph Krauß: Die Verwendung von Höhentafeln zur Berechnung 
der wahren Höhen für den genauen Schiffsort, zAnn. d. Hydr. usw.« 1907, ist auf S. 569 in Zeile 19 
yon unten rechts zu setzen 21.6‘ log pr. =— ’444 statt 21.0 log pr. = 444. 
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn 
Königliche Hofbuchbandlung und HKofbuchdrackerei 
Berlin SW, Kochstraße 68—71.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.