134
Annalen der Hydrographie und Maritimen. Meteorologie, März 1908,
Das a für jede Polarexpedition it der Besitz eines geeigneten Schiffes, dessen
Form und Größe sich nach den Eisverhältnissen des jeweiligen Gebietes hen und welches vor allen
Jingen dem FEise den genügenden Widerstand bieten muß, Amundsen wählte die im Jahre 1872
baute ‚Jacht »Cjüa<, welche sich schon viele Jahre bei Fahrten im Kismeer bewährt hatte, Trotz
tr Kleinheit, 47 Reg, Tons, komte auf ihr Proviant für fünf Jahre untergebracht werden, da die Zahl
der Exrpeditionsteilnehmer nur sieben betrug. Die Jacht besaß einen vorzüglichen 13 P, 8, starken
Petroaleummotor, welcher sich von unschätzbarem Nutzen erwies, Die Wahl eines so kleinen Schiffes
war Bedingung für das Gelingen der Expedition, wie aus der Schilderung der Fahrt durch die schmalen,
klippenreichen Kanäle au der Nordseite des amerikanischen Festlandes zu ersehen ist, wo oft nur 3 bis
4 Faden Tiefe vorhanden waren, Auch die kleine Besatzung erleichterte das Cielingen der Expedition,
Aa. — namentlich im Fall des Verlustes des Schiffes — eine Verproriantierung aus den natürlichen
Wildbeständen der Polarregionen mit Hilfe der Eskimostämme möglich war.
Ende Juni 1903 verließ die »Gjöa« Christiania, Nachdem Schlitten, Hunde und Proviant in
Godhavn an Bord genommen waren, wurde Cap York angesteuert. Die Melrille- Bucht bot in diesem
Jahr günstige Eisverhältnisse; dies war für das kleine Schiff von größer Wichtigkeit, da die Motorkraft
A Überwindung schweren Packeises nicht ausgereicht hätte. Bei der Insel Saunder wurde die dänische
literarische. Expedition unter Mylius Erichsen getroffen and bei Dalrymple Rock das dort für die
‚Gjöa« nicdergelegte Depot (105 Kisten) an Bord genommen uml als Deckslast verstaut, Durch den
Lancaster-Sund ging die Fahrt weiter nach der Beechey-Insel, dem letzten Winterhafen der Franklin-
Expedition, wo megnetische Beobachtangen zwecks Festlegung des Fahrtziels gemacht wurden. Ende
August begann der schwierigste Teil, die Bezwingung der Inselstraßen, in denen die meisten Schiffe im
Eis steckengeblieben waren; hänfiger Nebel setzte ein, und in der YFranklinstraße, westlich von Worth
Somerset, verweigerte wegen der Nähe des magnetischen Pols die Kompaßnadel, welche schon vorher
an Zuverlässigkeit eingebißt hatte, den Dienst. War die Navigation schwierig, so waren doch die Eis-
rerhältnisse ungemein günstig, so daß die Durchfahrt bis zur Südküste von King Williams-Land gelang,
wo Ende September ein passender Winterhafen »Gjöaharn« bezogen wurde, Allerdings war das Schiff
nehrmale nahe dem Untergang gewesen — einmal war Feuer an Bord ausgebrochen, ein anderes Mal
war man gezwungen, die Jacht über die Klippen, auf denen ste festsaß, wezzusegeln, so daß der Kiel
zum Teil zersplitterte,
Von September 10903 bis August 1005 dauerte die magnetische Beobachtungsperiode, Die
Pasisstation lag etwa 90 Sn vom maghetischen Pol entfernt, die Inklination betrug hier 89° 15, Das
Variationshaus mit den registrierenden. Instrumenten wurde aus den Äußeren Proviantkisten mit
kupfernen Nägeln gebaut, das absolute Observatorium aus Schneesteinen, Außerdem wurden im Laufe
der Beobachtungsperiode noch. verschiedene Beobachtungen in der Umgebung angestellt, so daß @in
seichhaltiges, einwandireies Material gewonnen sein dürlte, Hand in Hand mit den Beobachtungen
ying die Kartierung der Umpgegeml, welche später auf großen Schlittenexpeditionen nach Nordwesten
veiter geführt wurde, Dauernd wurde der Jagd obgelegen, und es ist. erstaunlich, welche Men an
Wild (Rentiere, Bären, Sechunde, Eidervögel, Lachse) von den Jagdexpeditionen namentlich zu Beginn
des Sommers gewannen wurden, Fine gute Hilfe waren auch die zahlreichen Besuche von Eskimos,
lenen Am andsem einen breiten Raum in seinem Werk widmet, und deren Lebensgewohnheiten er ein-
yehend schildert. So werden wir genau unterrichtet über den Bau der Schneehütten, der Boote, «ie
Behandlung der Felle, Anfertigung der Kleidung u. 2. 0
DE ES 1905 ‚m die Beobachtungen abgebrochen, und die »GKas gelangte nach
mehrwöchentlicher Fahrt durch die an Untiefen reiche Sn] ea längs der amerikanischen. Nord-
küste bis King Point an der Mackenzie-Mündung, wo mehrere Walfänger angetroffen wurden, Hier
zetzten die Eisverhältnisse der Weiterfahrt wieder ein Halt entgegen, und erst Anfang August 1906
gelang es, mit mannigfachen Schwierigkeiten weiter westlich yarzudringen, bis. Ende des Monate Point
Barrow- erreicht amd hiermit die Nordwest-Passage vollendet war. Während der Überwinterung führte
Amundsen eine Sechlittenreise nach Eagle City aus, um die N Verbindung mit Europa
zu erreichen, Ende März 1906 stirbt ein Mitglied der Expedition, Wiik, dem Amundsen warme
Worte der Anerkennung widmet, Den Anhang bildet ein Bericht des Premierleutnant Godfred
Hansen über eine Sötägige Schlittenreise nach Kong Haakon VII. Lan, dessen Küste aufgenommen
wurde, auch wurden auf der Fahrt mehrere kleinere Inseln entdeckt,
Das Werk ist anschaulich und interessant geschrieben; hoffentlich hindert sein starker Umfang
nicht an oiner recht weiten Verbreitung seines Anhalts und der io. ihm niedergelegten, zahlreichen Beob-
achtungen, Dr. W. Brennecocke
B. Neueste Erscheinungen im Bereich der Seefahrt- und der Meereskunde
sowie auf verwandten Gebieten.
a. Worke.
Witterungskunde.
Angot, A: TZraitE &lementaire de meteorologie. 8. VI, 412 p. Paris 1007. Gauthier-
Villars 12 Fr
Service Meteorologique de Belgique: Nowvelles recherches sur In temperature eKimato-
Zogique. J. Vincent, 4% 120. Brüssel 1907, Haryez, . a N
Lindenberg, Kgl. Preuß, Aeronautisches ÖObserratorium, Ergebnisse der Arbeiten im
Jahre 1906. Il. Ba. Heransgegeben v, R. Aßmann, Fol, V, XIV, 1768 m, Abbildenm u.
3 Tafeln, Braunschweig 1908. Vieweg & Bohn, 15.00 Ki
Smithsonian meteorological tables, 34 edit, 8. 284 p. . 14.40 8.
Kaßner, ©: Das Wetter und seine Bedeutung für das praktische Leben. ©% IV, 1488.
Leipzig 1908. Quelle & Meyer. (ba, 1,25 „#6.