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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Brennecke, W.: Stündl. Änderungen d. hydrograph. u. biolog. Verhältnisse auf d. Reede v. Ostende. 123

zrau ist. Er entsteht aus den Schwebepartikeln, welche sich zunächst als grauer
Schlamm niederschlagen; wird dieser Niederschlag erhitzt unter Abschluß von Luft,
zo wandelt sich der graue Schlamm in schwarzen um unter bemerkbarem Geruch
nach Schwefelwasserstoff,
Die Feststellung der Mengen der in einem bestimmten Volumen Wasser
zu einer gegebenen Zeit enthaltenen Sinkstoffe geschah auf folgende Art und
Weise: Sowohl aus der einen Meter unter der Oberfläche als auch aus der einen
Meter über dem Boden befindlichen Wasserschicht wurde jede Stunde je ein
Gefäß von 5 Liter Inhalt mit dem betreffenden Wasser gefüllt, Nachdem (später
an Land) sich die Sinkstoffe niedergeschlagen hatten, wurde der Niederschlag
mit destilliertem Wasser durchgespült und so von den in ihm enthaltenen Salzen
befreit; alsdann wurde der Rückstand getrocknet und genau gewogen,
Die größten enthaltenen Mengen in 5 Liter Wassermenge sind 0.454 g
am Boden und 0.388 g an der Oberfläche, die geringsten 0.088 g am Boden
und 0.066 g an der Oberfläche die dementsprechenden Differenzen 0,366 g und
0.322 g. Ebenso wie beim Salzgehalt sind im Diagramm drei Stufen unterschieden:
 1, Stufe: 0 bis 1 deeigr. pro 51, 2. Stufe: 1 decigr bis 2 decigr und
3. Stufe über 2 decigr. Ein Vergleich der Kurve der Sinkstoffmengen mit der
Richtung und Geschwindigkeit der einzelnen Phasen zeigt, daß ein gewisser Zusammenhang
 zwischen ihnen besteht, So ist mit großer Geschwindigkeit meist
Reichtum an Sinkstoffen verbunden und umgekehrt. Aber mit der größten Geschwindigkeit
 ist nicht immer ein Maximum schwebender Substanz vereinigt
(vgl. die Werte der Sinkstoffkurve am 7. Sept. um 35 N. : 63.2 cm p. Sek. und um
[12 N, : 40.2 cm p. Sek. Geschwindigkeit). Vergleicht man Zu- und Abnahme der
Geschwindigkeit mit Zu- und Abnahme der Sinkstoffe, so ergibt sich eine Coincidenz
 in 15 von 24 Fällen. Es müssen also noch andere Einflüsse vorhanden
sein, welche auf die Menge der Sinkstoffe einwirken, Die Wellenform der Sinkstoffkurve
 ergibt nun, daß ein Zusammenhang mit der Richtung der Strömung
besteht, daß die Hauptmaxima der Menge mit der Ebbeperiode, die sekundären
mit der Flutperiode zusamımenfallen, Das aus WSW strömende Wasser ist im
allgemeinen arm an Sinkstoffen, das aus ONO stammende dagegen reich;
außerdem ist in jeder Phase der Zeitraum großer Geschwindigkeit reicher an
Sinkstoffen wie derjenige kleiner Geschwindigkeit,
Die Minima der Sinkstoffmenge fallen in die Zeit des Stillwassers, und es
zeigt sich, daß zum reichlichen Absatz der Sinkstoffe keineswegs völlige Ruhe des
Wassers nötig ist, sondern eine von der Korngröße abhängige, mehr oder minder
große Verlangsamung der Geschwindigkeit genügt. Auffallend ist, daß das
Minimum der Menge nicht immer mit der Stillwasserzeit zusammenfällt, nämlich
nicht beim Übergang von Ebbe zur Flut, wo es erst nach Stillwasser eintritt,
wie die Kurve am 8. Sept. um 1 bis 2% V. und um 2% N. zeigt, während das Minimum
beim Übergang von Flut zu Ebbe mit dem Stillwasser zusammenfällt, Der Unterschied
 zwischen der Menge der Sinkstoffe im Oberflächen- und im Bodenwasser
ist nur sehr unbedeutend, trotzdem zu erwarten wäre, daß im Bodenwasser
namentlich zur Zeit des Stillwassers, wo der Niederschlag der Partikel stattfindet,
mehr Sinkstoffe enthalten sein würden,
Der größere Reichtum der Ebbeströmung an Sinkstoffen erklärt sich aus
ihrer Strömungsrichtung (aus Nordost), da hier der Meeresboden in weiter Ausdehnung
 relativ flach und schlammig ist, während er in Nord- bis Südwestrichtung
 mit gröberen Sanden bedeckt ist. Eine Detailkarte der Bodensedimente
der belgischen Küste ist in Vorbereitung.
Quantitative Planktonbestimmungen waren nicht möglich, da der zu exakten
Werten notwendige Apparat, welcher 100 Liter Wasser eines bestimmten Niveaus
einwandfrei zu filtrieren gestattet, nicht gebrauchsfähig war, jedoch sind qualitative
 Fänge zu jeder Stunde ausgeführt worden; die einzelnen Arten werden in
Tabellen aufgeteilt.
Am Schluß der Abhandlung faßt Gilson noch einmal die Merkmale der
Störung in dem Verlauf der zwei beobachteten Gezeiten zusammen, Wie wir
oben sahen, ist die Ebbe vom 8. September relativ lang, das ihr folgende Hoch-
            
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