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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1908, 
II. Kritischer Moment der Strömung (Inst. crit. de courant). 
Der Zeitpunkt, in welchem eine Bewegung mit horizontaler Versetzung 
der Wassermassen, nachdem sie eine Zeitlang konstante Richtung gehabt hat, 
anfängt ihre Richtung zu ändern oder, in welchem sie nach wechselnden Richtungen 
eine konstante Richtung annimmt. Ebenso für die Geschwindigkeit, Es ergibt 
sich danach . 
1. Der kritische Moment der Richtung: 
a) Der kritische Anfangsmoment der regelrechten Flut und der regel- 
rechten Ebbe (l’inst, erit, initial du flot et du jusant rögulier) am Ende 
der kreisenden Bewegung (mouvement giratoire), wenn die Strom- 
richtung konstant wird. 
Der kritische Endmoment der regelrechten Flut und Ebbe, wenn die 
Stromrichtung veränderlich wird. 
Zwischen dem kritischen Anfangs- und Endmoment der Richtung derselben 
Strömung liegt die »regelrechte Flut« oder die »regelrechte Ebbo«, 
Zwischen dem kritischen Endmoment der Richtung des einen Stromes und 
dem kritischen Anfangsmoment der folgenden Strömung liegt das Kreisen oder 
die kreisende Bewegung (le giratoire), entweder das Kreisen von Flut zu Ebbe 
oder von Ebbe zu Flut, 
2, Der kritische Moment der Geschwindigkeit: 
A) Der obere (superieur) kritische Moment der Geschwindigkeit von Flut 
oder Ebbe, kurz das Maximum der Geschwindigkeit, nach dem diese 
abzunehmen beginnt. 
Der untere (infe&rieur) kritische Moment der Geschwindigkeit gleich 
dem Minimum der Geschwindigkeit in der kreisenden Bewegung, nach 
dem die Geschwindigkeit anfängt zuzunehmen. 
Dies ist das Stillwasser der Ebbe oder Flut (6tale de flot, Etale de jusant). 
Die Grenze zwischen der Ebbe- und Flutströmung bildet demnach das 
Minimum der Stromgeschwindigkeit, während der Strom kreisend umsetzt, da- 
gegen nicht eine bestimmte Richtung, Da die Richtung im Augenblick der 
geringsten Geschwindigkeit eine ziemlich konstante ist — an der belgischen 
Küste fällt sie annähernd mit dem magnetischen Meridian zusammen — 80 kann 
man in der Praxis hier sagen, daß Flut läuft, sobald die Strömung aus west- 
lichen Richtungen kommt, und umgekehrt. (Die Richtung der Strömung ist in 
der vorliegenden Arbeit und auch hier nach dem Ursprungsort — wie beim Wind — 
bezeichnet.) 
In der Flut- und Ebbeströmung unterscheidet Gilson noch die »regelrechte« 
Flut und Ebbe und zwar scheidet er diese ab nach der Konstanz der Richtung 
und nicht nach einer bestimmten Geschwindigkeit (wie M, Petit), Er versteht 
unter »regelrechter« Flut oder Ebbe denjenigen Teil der betreffenden Phase, 
während welcher der Strom dieselbe Richtung innehält ohne Rücksicht auf die 
Größe der Geschwindigkeit, indem er bemerkt, daß während dieses Zeitraumes 
der Einfluß der Gestirne die lokalen Einflüsse überwiegt, welche letzteren bei Ab- 
schwächung des ersteren Einflusses die kreisende Bewegung verursachen, 
Die Faktoren »Absolute Richtung« und » Absolute Geschwindigkeit« werden 
also eliminiert; es hat dieses noch den Vorteil, daß der Begriff »Regelrechte 
Flut« usw. an der ganzen Küste einheitlich verwandt werden kann. Die vor- 
gebrachten Argumente erscheinen einleuchtend, solange nicht — wie Gilson 
selbst bemerkt — besseres Beobachtungsmaterial in längeren Reihen zu anderen 
Schlüssen führen. 
Zu beachten ist noch, daß häufig mehrere kritische Momente zusammen- 
fallen, jedoch nicht immer dieselben, 
B. Die Änderungen der Tiefe. 
Während der Dauer der Beobachtungen, und auch vorher, waren die 
Witterungsbedingungen günstig, die See war stets ruhig und es wehten leichte 
westliche Winde. Geankert wurde bei 30 m Kette auf dem Südost-Ende einer 
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