Brennecke, W,: Stündl. Änderungen d. hydrograph, u. biolog. Verhältnisse auf d. Reede v. Ostende, 117
so daß neben der Beteiligung an den internationalen Arbeiten jedes Land ge-
sonderte Forschungen anstellt, Die Veröffentlichung der Ergebnisse dieser
Forschungen erfolgt in gesonderten, meist zwanglos in Serien erscheinenden
Heften wie in den von deutscher Seite herausgegebenen »+Wissenschaftlichen
Meeresuntersuchungen der Kieler Kommission« oder in den dänischen »Meddelelser
for Havundersogelser« u. a, m,
Zu diesen Veröffentlichungen gesellt sich jetzt das erste Heft einer neuen
Serie von Arbeiten, welche zum Gegenstand Forschungen über die hydrographischen
Verhältnisse (milieu marin) und deren Veränderungen an der belgischen Küste
haben und vom belgischen Naturhistorischen Museum herausgegeben werden, ‘)
Als Ergänzung zu den von Belgien ausgeführten vierteljährlichen Termin-
fahrten dienen stündliche und tägliche meteorologische sowie ozeanographische
Beobachtungen vom Feuerschiff »West-Hinder« verbunden mit wöchentlichen
Planktonfängen, ferner einmal wöchentlich halbstündige physikalische Beob-
achtungen der Dampfer auf der Reise von Ostende nach Tilbury an der Themse,
schließlich gelegentliche Beobachtungen ozeanographischer oder biologischer
Natur auf Schleppschiffen, Kuttern und Segelbooten, Hierzu traten im letzten
Jahre eine Reihe von Beobachtungen, welche vom verankerten Schiff aus den
physikalischen und biologischen Anderungen des Meeres von Stunde zu Stunde
nachgingen, Die Ergebnisse der ersten Beobachtungsreise vom 7. und 8, Sep-
tember 1906, die Änderungen der hydrographischen Verhältnisse während zweier
Gezeitenwechsel auf der Höhe von Ostende registrierend, liegen uns als erste
dieser Arbeiten vor.
Der Herausgeber betont, daß es sich im allgemeinen nur um die Fest-
Jegung derjenigen hydrographischen Änderungen handelt, welche die Biologie
— sein Spezialfach — angehen; da aber die Ozeanographie alle festgestellten
Angaben interessieren dürften, so veröffentlicht er das gesamte gewonnene Material
in extenso unter Beifügung zahlreicher Diagramme. Die Gewinnung der Angaben
bedingte einen erheblichen Arbeitsaufwand; die stündlichen Beobachtungen er-
streckten sich auf:
Tiefe — Stromrichtung und Geschwindigkeit — Zustand der See — Farbe
und Durchsichtigkeit — Menge der festen Schwebepartikel im Oberflächen- und
Bodenwasser — Salzgehalt des Oberflächen- und Bodenwassers sowie Temperatur
desselben — Oberflächen- und Bodenplankton — Temperatur und Druck der
Luft — Windrichtung und Geschwindigkeit; folgen sollen später Untersuchungen
über Bakterien und gelöste organische Substanzen,
Die gewonnenen Daten sind sehr geschickt in einem Diagramm vereinigt,
welches hier wiedergegeben ist (Tafel 6); die französischen Bezeichnungen des-
selben sind übersetzt. Da Gilson eine von anderen Autoren z. T. abweichende
Bezeichnung der einzelnen Gezeitenphasen einführt, so gehe ich zunächst mit
einigen Worten hierauf ein, indem ich gleichzeitig versuche, für den französischen
Ausdruck den sachgemäßen deutschen zu setzen.
A. Die kritischen Momente.
Zur Analyse des Diagramms (siehe dieses) unterscheidet Gilson eine
Anzahl von kritischen Momenten (instants eritiques), im Diagramm kurzweg
mit »K. M.« bezeichnet, indem er darunter den Zeitpunkt versteht, in welchem
die Bewegung, von der das Wasser beseelt ist, sich ändert oder aufhört sich
zu ändern in Geschwindigkeit oder in Richtung. Es ergeben sich danach
folgende kritische Momente:
L_Kritischer Moment der Gezeit (Iust. erit. de mar6e).
Der Zeitpunkt, in dem die Wasserschicht anfängt, ihre Dicke in dem einen
oder anderen Sinne zu verändern: der Moment des Hoch- oder des Niedrigwassers
(l’6tale de mare haute et l’6tale de marde basse).
1” G. Gilson: Exploration de 1a Mer sur les Cötes de Belgique. Extrait des Men, du Musee
Royal d’Hist, Nat. de Belgique, T, IV, Yire Ser. Recherches sur le Milieu Marin et ses Varlations
au Voisinage de Ia cöte belge, 1907 Bruxelles,