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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

&chott, G.: Wärmerverhältnisse auf d, Dampferwege zwischen d. Deutschen Bucht u. New York usw. 113 
Osten nicht oder nur in geringem Maße der Fall. Shaw und Meinardus‘!) 
haben über diese wahren Bahnen oder absoluten Bewegungen der Luftteilchen 
jm Raume interessante Studien angestellt, Es werden also aus dem nördlichen 
Nordamerika im Winter stets neue Luftmassen zum Ozean hinausgeführt, und 
trotzdem tritt eine meist schnelle Anpassung der Temperatur dieser Luftmengen 
an die ozeanischen Temperaturen ein, 
Die Jahresschwankungen der Lufttemperatur sind auf den einzelnen Strecken 
meist 1° bis 2° größer als die der Wassertemperatur; die Eintrittszeiten des 
Minimums und des Maximums -— meist Mitte Februar und Mitte August, nur 
unmittelbar an Land bei Sandy Hook und in der Deutschen Bucht Anfang 
Februar und zweite Hälfte Juli — entsprechen denen der Wassertemperatur. 
Lehrreich sind die Isoplethen der 
Differenz Lufttemperatur minus Wassertemperatur (Tafel 5). 
Von Anfang September bis Ende März ist auf der hier in Betracht kommen- 
den Ozeanstrecke im allgemeinen die Luft kälter als das Wasser, wärmer aber 
nur in den Monaten April bis August, beide eingeschlossen; dabei gilt durch- 
weg, daß die negativen Differenzen größere Beträge erreichen als die positiven 
Differenzen, d, h, in unserm Falle: das Wärmedefizit auf seiten der Luft während 
der Herbst- und Wintermonate ist größer als der Wärmeüberschuß während 
der Frühjahrs- und Sommermonate. Diese beiden Tatsachen bewirken, daß im 
Jahresdurchschnitt auf dem vereinbarten Dampferweg das Wasser wärmer ist 
als die darüber liegende Luft — wie dies für die meisten anderen Regionen der 
Ozeane allgemein gilt.?) Nur im Bereich der Neufundlandbank und des Labrador- 
stromes, auf der Strecke von rund 55° bis 45° W-Lg., wird im Jahresmittel und 
in den meisten Einzelmonaten das Wasser kälter als die Luft gefunden; von 
Anfang März bis in den Oktober hinein ist hier die Luft wärmer als das Wasser, 
und ganz charakteristisch ist der Umstand, daß im Juni dieser Überschuß zu- 
gunsten der Luft ein Maximum mit 2.1° erreicht, zu der Zeit also, da der Eis- 
transport des Labradorstromes seinen Höhepunkt erreicht oder doch kurz vorher 
erreicht zu haben pflegt. Nirgends wieder auf der hier untersuchten Ozean- 
strecke und zu keiner Jahreszeit finden wir eine positive Differenz Luft- minus 
Wassertemperatur von mehr als 2°, 
Sehr beachtenswert sind ferner die zwei jeweils etwa 5 Längengrade um- 
fassenden Strecken, auf denen während des ganzen Jahres, also auch im Früh- 
jahr und Sommer, die Luft kälter ist als das Wasser, somit negative Differenzen 
durchweg beobachtet werden; es ist dies erstens die Golfstromstrecke von rund 
65° bis 58° W-Lg. mit dem Zentrum unter 60° W-Lg.,*) und zweitens ein eben 
östlich von 40° W-Lg. liegendes Gebiet, in welchem die warme atlantische Trift 
nach allem, was wir wissen, ebenfalls energisch nordöstlich vorstößt und daher 
auch einen durchgängigen, im Frühjahr besonders großen Wärmeüberschuß auf 
seiten des Wassers bewirkt, Wie die Schlußtabelle erkennen läßt, ist die Jahres- 
differenz: Lult minus Wasser über diesen zwei Warmwasserstrecken —1.9° und 
—9.1°, während die entsprechende Zahl über der Kaltwasserstrecke sich zu 
+0,5° berechnet, — Daß in Bremerhaven und Cuxhaven das Wasser auch im 
Sommer wärmer erscheint als die Luft, findet seine Erklärung dadurch, daß 
Beobachtungen der Flußtemperatur nur um 8» V. in Vergleich gezogen werden 
konnten: es wäre daher vielleicht besser gewesen, diese äußerste Strecke am 
» Shaw in Journal R. Met, Soc, XXIX, 1903 243; Meinardus in Met. Zeitsch. 1903, 529ff.; 
vgl. auch Hann, Lehrb. d. Met., 2. Aufl. 1906, S. 389, 
2) Man vgl. hierzu Köppen in Ann. d. Hydr. usw. 1590, S, 445ff.; auch Krümmel im Hand- 
buch der Ozcanogr. I, 2, Aufl, S. 356. 
; 3 Hier kommt es in Einzelfällen, z. B, bei schweren winterlichen NW-Stürmen, zu ganz außer- 
ordentlich großen Unterschieden zwischen Luft- und Wassertemperatur; am 22. Jamuar 1885 beob- 
achtete Dampfer »Nürnberg« —20 bis —3° Kälte, während das Wasser gleichzeitig 11° hatte 
gl. Köppen a. a, Ö.), Anderseits kann im Polarstrom, zwischen 50 und 40° W- Lg, unseres Dampfer- 
weges, im Frühsommer, wenn daselbst vielleicht noch Eis treibt, aber südliche Winde vom Golfstrom 
Wärme heranbringen, das Wasser gelegentlich um 10 bis 15° kälter scin als die Luft; so fuhr Dampfer 
»Baltimores am 26, Juni 1873 unter 51° W-Lg. in 43° N-Br. bei mäüßigem SSO-Wind und drückender 
Hitze von 256° durch Wasser von 8,5°!
	        
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