{14 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1908,
von Sable Island durchfahren wird, während in der dritten Unterabteilung c)
die kalten Gewässer aus dem St. Lorenz-Golf, von der Neufundlandbank sowie
des an deren östliche Kante gelagerten Labradorstromes ihren graphischen Aus-
druck gefunden haben.
Die Golfstromstrecke von 68° bis 60° W-Lg. steht sowohl im Winter wie
im Sommer für sich da; der Verlauf der Isoplethen zeigt es unverkennbar. Im
Winter gelangen die Schiffe nicht unmittelbar vom kalten Wasser der amerika-
nischen Küste (a) hinein in das Bereich des kalten Neufundlandwassers (c); auch
im Sommer ist das dann sehr warme Küstenwasser (a) dennoch deutlich ab-
gesetzt gegen das warme Golfstromwasser (b) durch die eigentümliche unter
70° W-Lg. ersichtliche Knickung der Isoplethen.. Wir schließen aus diesen Beob-
achtungen, daß auf der Strecke b) tatsächlich eine bestimmte von a} und c)
verschiedene Wasserart mit spezifischem Wärmegang vorliegt, daß also der Golf-
strom in allen Monaten bis 41,3° N-Br. unter 65° W-Lg. und bis 42.5° N-Br. unter
60° W-Lg. reicht. Dies ist ein immerhin beachtenswertes Ergebnis, das bei der
Konstruktion des Diagrammes nicht vorauszusehen war, beachtenswert auch um
deswillen, weil wir über die jahreszeitliche Lage der Nordkante des Golfstromes
durchaus nicht genügend orientiert sind,!) und weil zahlreiche Stromkarten auf
der Strecke südlich von Sable Island außerhalb der 200 m-Linie, also auch über
tiefem Wasser, letzte Ausläufer des Labradorstromes annehmen; diese Auffassung
dürfte zu verlassen sein.
In der ozeanischen Zone von 40° bis 10° W-Lg. sind die Unterschiede
in der Temperatur von Ort zu Ort und von Monat zu Monat erstaunlich gering;
die Jahresschwankung beträgt nur 4° bis 6° gegenüber 23°, 13° und 13° in den
drei Unterabteilungen der amerikanischen Zone, Dabei ist die Wärmesumme des
Jahres in dieser die Mitte des Ozeans einnehmenden Region weitaus am größten,
größer sogar als über der socben besonders behandelten Golfstromstrecke, und dies,
obwohl wir uns unter 40° bis 10° W-Lg., gemäß der geographischen Lage des
Dampferweges, durchweg in höherer Breite befinden als unter 70° bis 60° W-Lg.;
einen Anhalt hierfür gewährt die am Schluß gegebene Zusammenstellung der
Jahresmittel. Die Spärlichkeit der Isoplethen bringt die Gleichmäßigkeit der
‚atlantischen Trift« zum Ausdruck; interessant ist, daß im Winter von der west-
europäischen Seite her eine bis über 20° W-Lg. westwärts sich erstreckende Ab-
kühlung vorhanden zu sein scheint, man vergleiche die Isoplethe von 11° und
10°C. um die Mitte Februar.
Auf der in den Kanal und in die Nordsee fallenden europäischen
Strecke sind die Schwankungen hauptsächlich durch den Einfluß der um-
gebenden Küsten bedingt und halten sich auf einer mittleren Höhe, nämlich von
8° bis 10° im Kanal und 10° bis 13° in den Hoofden; in den Flußmündungen
von Weser und Elbe steigt die Jahresamplitude sogar auf 18° bis 19°, erreicht
also die amerikanische Höhe — 23° bei Sandy Hook — doch nicht. — Die
Isoplethen der
Infttemperatur (Tafel 4)
sind in den Grundzügen denen der Wassertemperatur durchaus ähnlich, sodaß
hier wie dort drei Zonen unschwer sich unterscheiden lassen. Die bedeutsame
Grenze um 40° W-Lg, prägt sich nicht ganz so scharf aus wie auf Tafel 3; immerhin
ist es überraschend zu sehen, wie schnell die Luftmassen im Winter sich erwärmen,
wenn sie bis über das warme Wasser der Ozeanmitte gelangen. Die täglichen
synoptischen Wetterkarten vom Nordatlantischen Ozean — wie überhaupt die
kartographischen Augenblicksbilder von atmosphärischen Depressionen — er-
wecken vielfach den Anschein, als ob ein spiraliges Einströmen der Luftmassen
nach dem Minimum hin stattfinde; in Wirklichkeit ist dies aber auf dem. Nord-
atlantischen Ozean, wenigstens im Winter, wegen der meist sehr erheblichen Fort-
pflanzungsgeschwindigkeit der Gesamtdepression als solcher von Westen nach
3) Vgl. hierüber Schott, »Die Gewässer der Neufundlandbank und ihrer weiteren Umgebung«
in Peterm, Geograph. Mitteil, 18597, S, 204 u. Taf. 15