Schott, G.: Wärmeverhältnisse auf d, Dampferwege zwischen d. Deutschen Bucht u. New York usw. 113
Monatstages aus den Monatsmitteln abzuleiten.) Für die Meteorologie ozeanischer
Stationen dürfte aber, nach dem Ergebnis der Bearbeitung der Beobachtungen
von Borkumriff zu schließen, die Sachlage doch günstiger sein und sich jedenfalls
innerhalb der mitgeteilten Grenzen die Kurve der Monatsmittel ohne weiteres
benutzen lassen, zumal das ozeanische Material sozusagen auf Stichproben aus
den verschiedensten Jahren und Jahrzehnten beruht. Andernfalls müßten wir
überhaupt für immer darauf verzichten; denn vom freien Ozean werden wir wohl
niemals vieljährige Tagesmittel erhalten, Aus diesen Erwägungen heraus habe
ich mich befugt geglaubt, am Rande der Isoplethen-Diagramme die Monatstage
anzuschreiben und damit die Tafeln auch zum Ablesen der Temperaturen einzelner
Tage für geeignet zu erklären. Wer jedoch der vorstehenden Ausführung nicht
beizupflichten vermag, dem ist es unbenommen, parallel und mitten zwischen je
zwei durchgezogenen Abscissen (z. B. 1. Mai und 1. Juni) eine Linie zu ziehen;
er hat dann auf dieser Mittellinie die Werte der Monatsmittel und kann das an-
geschriebene Datum 1. Mai, 1, Juni usw. tilgen,
Borkumriff-Feuerschiff, Wassertemperatur, 10 Jahre 1895—1904,
Monatsmitte)
Mittel des
\5. Monatstages
Abweichung
Monatsmittel
Mittel des
15. Monatstages
Abweichung
Jan. | Febr. | März | April‘ Mai !Juni | Juli | Aug. |Sept. | Okt. | Nov. | Dez,
Anl 39 | 45 | 67} 96 | 18.7 | 16,3 | 17.6 | 165 18.7 | 10.8 | 7.0
3,6 | 4.4 | 6,5 | 9.41 136 16.21 178° 16,5| 13.8 | 10.5 | 7.1
o3l 03! 01] 021021 01! 641 02! 061 641 02! 0.1
Lufttemperatur,
36 | 29! 41 / 6,7 | 99 1340| 164 | 163! 151° 15 81! 50
23 20 | 39 | 64 96 | 13.9 | 16.7 17.1] 15.0| 116 87| 49
13! 09102! 03! 0631) 011 03 | 04| 0.1: ou! 661 0.1
Mittl. Ab-
weichung
0.17
Mittl. Ab-
weichung
039
Die Temperatur des Oberflächenwassers (Tafel 3).
Die dem Auge sofort sich aufdrängende und auffälligste Erscheinung ist
lie scharfe Grenze unter 40°W-Lg., welche ein westliches Gebiet starker regionaler
and jahreszeitlicher Temperaturänderungen trennt von einem zentralen Gebiet
mit ungemein geringen örtlichen und mäßigen zeitlichen Variationen; wir
können noch ein drittes Gebiet absondern, die Östliche innerhalb des Englischen
Kanals und der Nordsee liegende Fahrtstrecke, auf der die Wärmeänderungen
nach Ort und Zeit wieder größere, aber doch nicht die extremen Beträge der
westlichen Strecke erreichen, Wir unterscheiden also eine amerikanische bis
40° W-Lg. reichende Zone, eine ozeanische Zone von 40° bis 10° W-Lg. oder bis
Lizard, und eine europäische Zone,
Die eigenartigsten Verhältnisse bietet offenbar die amerikanische Zone,
innerhalb deren wir noch wieder drei Unterabteilungen leicht feststellen: a) Dicht
unter Land und von Land bis 70° oder 68° W-Lg. treten außerordentlich große
Amplituden im Laufe des Jahres auf; das Wasser ist auf dieser Küstenstrecke
im Sommer sehr warm, bis 23°, und im Winter sehr kalt, bis nahe an 0°, b) Es
folgt von rund 68° bis 60°W-Lg. eine relativ warme Teilstrecke, welche in 65°W-Lg.
am deutlichsten ausgeprägt ist; das Wasser ist im Sommer und im Winter hier
wärmer als westlich und östlich, und die Jahresschwankung beträgt nur rund
13° gegenüber 23° auf der unter a) genannten Teilstrecke,. €) Hieran reiht
zich, die amerikanische Zone abschließend, ein im Sommer und im Winter sehr
kaltes Gebiet mit dem Zentrum unter rund 50° bis 48° W-Lg.; die Amplitude
beträgt ebenfalls nur 13°, aber das mittlere Minimum ist 0.5° und das mittlere
Maximum 13.5°%, während die entsprechenden Werte auf der Teilstrecke b) 7.5°
and 205° sind. Wenn wir die Textfigur betrachten, so ist sofort klar, daß auf
die einen kontinentalen Charakter aufweisende Küstenstrecke in allen Monaten
ein Teil des Galfstromes folet und von dem Dampferweg etwa bis zum Meridian
4 Vgl. zu der ganzen Frage Hann, Lehrbuch der Meteorologie, 1. Aufl. 1901, S. 98.
Ann. d. Hydr. usw... 1908, Heft 11.