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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Schott, G. Wärmeverhältnisse auf d, Dampferwege zwischen d. Deutschen Bucht u. New York usw, 111 
Temperatur eines beliebigen Tages an einer beliebigen Stelle des Dampferweges 
ist abhängig von zwei Variabeln, nämlich dem Tage und der Örtlichkeit. Die 
Funktion zweier unabhängiger Variabeln ist nun immer durch Konstruktion einer 
Fläche darzustellen, so, wie auch die Werte jeder Tabelle mit zwei Eingängen die 
Punkte einer Fläche ergeben. In einem rechtwinkligen räumlichen Koordinaten- 
system benutzen wir deshalb die eine Achse zur Abtragung der Örtlichkeiten 
(hier der geographischen Längen in einem beliebig gewählten Maßstab), die zweite 
Achse zur Abtragung der Tage, wiederum in einem beliebigen Maßstab, während 
in der dritten Dimension an den jeweiligen Schnittpunkten von Ortsachse und 
Tagesachse die zugehörigen Temperaturgrade abgetragen werden, Das entstehende 
Relief von Wärmeflächen denken wir uns endlich durch Ebenen parallel zur 
Basis in gleichen Abständen (etwa von Grad zu Grad) geschnitten und die 
zinzelnen Horizontalschnitte auf die Basisebene projiziert: damit haben wir das 
in der Papierebene gezeichnete Diagramm, Das Isoplethen-Diagramm entspricht 
also im Prinzip den Höhenschicht- oder Isohypsen-Karten; die geographischen 
Längen sind auch hier die geographischen Längen, an Stelle der geographischen 
Breiten treten aber hier die Tage des Jahres, und an Stelle der Isohypsen die 
Wärmekurven. 
In unserm Falle ist eine graphische Verbindung von »Raum« und »Zeit« 
erfolgt, eine Verbindung, die auch den deutschen Seeleuten vor einigen Jahren 
eine Zeitlang durch die erstgewählte Form der Witterungsnachrichten im »Inter- 
nationalen Dekadenbericht« bekannt geworden sein dürfte. Ursprünglich sind 
die Isoplethen in der Meteorologie hauptsächlich dazu benutzt worden, um für 
einen bestimmten Ört den jährlichen Temperaturgang mit dem täglichen Tem- 
peraturgang vereint nachzuweisen; man kann auch, ebenfalls für einen Ort, den 
jährlichen Temperaturgang in verschiedenen Tiefen x. B. des festen Bodens oder 
des Ozeans durch Isoplethen veranschaulichen, letzteres ist z. B. von Hugh 
Robert Mill in seiner großen Arbeit über den Firth of Clyde geschehen, ') und 
die Aerologie oder die atmosphärische Höhenforschung liefert ja auch bereits 
regelmäßig Isoplethendiagramme der Wärmeverteilung in den Höhen über einem 
Ort.) Jedenfalls darf wohl auf diese gewissermaßen plastisch wirkende und für 
viele Zwecke unübertreffliche Art der graphischen Darstellung von Temperatur- 
verhältnissen einmal wieder hingewiesen werden. 
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Geoeraphische Lage des nördlichen vereinbarten Danıpferwesres zwischen Engl, Karal und New York. 
Die Textfigur zeigt die geographische Lage der Örte, welche in den 
[soplethen-Diagrammen vereinigt sind; es ist der nördliche der sogenannten 
‚vereinbarten« Dampferwege*) zwischen Lizard und New York gewählt worden, 
weil er über die Neufundlandbank hinweg und recht durch den Labradorstrom 
führt und. daher die thermischen Gegensätze zum Warmwassergebiet am schärfsten 
4 The Cirde Sen Area. Transactions R. Soc. Kdinburgl, Vol. XXXVIN, 1894. Mon vgl 
auch die zahlreichen Isoplethenfiguren von d’Arey Thompson im IL Report on investigations in the 
North Sca, Part I, Hyrdrography, London 1907. 
% Kl. aeronantisches Observatorium Lindenberg, in Beilagen zur Zeitschrift »Das Wetters, 
& a Vgl. hierzu Dampferhandbuch des Atlantischen Ozeans, hrg. von der Seewarte, Hamburg 1905, 
&. 116— 197.
	        
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