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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1908.
Die Wärmeverhältnisse auf dem Dampferwege zwischen der Deutschen
Bucht und New York, dargestellt in Isoplethen-Diagrammen.
Von Prof. Dr. Gerhard Schott, Hamburg,
(Hierzu Tafeln 3 bie 5)
Eine übersichtliche Darstellung des jährlichen Ganges und der regionalen
Verteilung der Temperaturen auf dem wichtigsten Dampferwege der Welt, der
Westeuropa und die Ostküste Nordamerikas verbindet, kann wohl nach der
praktischen und nach der wissenschaftlichen Seite hin auf Interesse rechnen,
Es ist für den Schiffsbetrieb nicht ganz gleichgültig, ob für längere oder kürzere
Zeit mit Temperaturen, die dem Nullpunkt naheliegen, gerechnet werden muß
ader mit Temperaturen, die vielleicht 10° und darüber betragen; auch hat jeder,
Jer den Ozean kreuzt, den natürlichen Wunsch, jeweils ein Bild von den wahr-
scheinlich zu erwartenden Temperaturverhältnissen zu gewinnen. In wissenschaft.
licher Hinsicht erscheinen die Wärmeverteilung und der jahreszeitliche Wärmegang
des Oberflächen wassers am wichtigsten, Eine historische Betrachtung der bisherigen
ozeanographischen Expeditionen in ihrer Gesamtheit und die besondere Berück-
sichtigung‘ der durch die große internationale Kooperation der Meeresforschung
geschaffenen Lage und neu aufgewiesenen Probleme drängt wohl — wie ich es
schon an anderer Stelle ausführte!) — zu dem Schluß, daß »man in absehbarer
Zeit die Kräfte konzentrieren sollte auf die systematische Erforschung des Nord-
atlantischen Ozeans längs der in wissenschaftlichem Sinne vorzüglich geeigneten
Linie Englischer Kanal-—-New York, Die Terminfahrten in den heimischen Ge-
wässern. müßten und sollten quer über den Atlantischen Ozean hin ausgedehnt
werden; denn nur so dürfte es gelingen, die periodischen und unperiodischen
Zustandsänderungen auch der Nordsee und des Norwegischen Meeres nach ihren
letzten Ursachen zu verstehen und alle ozeanologischen, biologischen Fragen
dieser Gewässer an ihrer Wurzel zu fassen. Eine solche Methode der meeres-
kundlichen Tätigkeit zur See würde zugleich in meteorologischer Hinsicht Erfolge
versprechen, nachdem Arbeiten verschiedener Forscher den weitreichenden Ein-
fAuß unperiodischer Änderungen der Wärme- und Eisverhältnisse im nordwest-
lichen Teil des Atlantischen Ozeans bis nach Nordwesteuropa wahrscheinlich
gemacht haben«. Ist dieser Gedanke richtig — und ich glaube, Fachgenossen
wie z.B. Otto Pettersson, der den Atlantischen Özean zur Verwunderung
manches Lesers und doch mit Recht ein mare incogrnitum genannt hat, werden
zustimmen —, dann ist eine naheliegende und mit bereits vorliegendem Material
lösbar erscheinende Aufgabe die, etwa für die letzten 20 Jahre die längs des
Dampferweges Lizard—Sandy Hook aufgetretenen Abweichungen der atlantischen
Meerestemperatur vom Durchschnittswert zu ermitteln und damit einen Einblick
in die Wärmeänderungen innerhalb des atlantischen Stromes, in die Pulsationen
des »Golfstromes« zu gewinnen, Zu diesem Zwecke müssen aber vorerst die
Normajwerte der Oberflächentemperatur festgelegt sein; die mit diesem Aufsatz
verbundenen graphischen Darstellungen können vielleicht in dieser Hinsicht eine
später benutzbare Grundlage abgeben,
Die Konstruktion von Isoplethen-Diagrammen für die Wassertemperatur,
die Lufttemperatur und die Differenz Luft- minus Wassertemperatur stellt. viel-
leicht für die soeben angedeuteten Zwecke und auch für klimatologische Zwecke
die übersichtlichste Lösung dar, besonders um deswillen, weil die Zeichnung viel
sicherer als Tabellenreihen Fehler oder unsichere Werte aufdeekt und dem Auge
kenntlich macht. Ohne im einzelnen auf die Methode der Isoplethen-Konstruktion
einzugehen“), ist es doch wohl angezeigt, hier kurz soviel zu erwähnen, daß die
Tafeln 3 bis 5 kein Profil, auch keine geographische Karte, sondern eben ein
‚Diagramme, darstellen, welches folgendermaßen aufgebaut zu denken ist, Die
ı) Zeitschrift der Ges, £, Erdkunde, Berlin 1907, &, 11.
2 Man vgl. hierzu Ercks » Darstellung der ständlichen und jährlichen Verteihing der Temperatur
in einem einzigen. Diagramm usw.«, D. Meteorol, Zeitschrift II, 1885, &, 281ft,; auch J. Hann.
Lehrbuch der Meteorologie, 1. Aufl, Leipzig 1901, 8. 70—72,No full text available for this image
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