Ann. d. Hydr. nsw.., XXXWTI. Jahre. (1908), Heft 1.
Ozeanographische Versuche und Beobachtungen an Bord S. M. S. „Möwe“
und $. M. $. „Zieten‘ im Sommer 1907.
In amtlichem Auftrage
von Dr. P. Perlewitz, Hilfsarbeiter bei der Deutschen Seewarte.
An der internationalen Erforschung der höheren Luftschichten über dem
Meere im Juli 1907, zu der verschiedene europäische Staaten, wie Deutschland,
Frankreich, Rußland, Italien und Monaco, Schiffe nach dem Ätlantischen Ozean,
dem Mittelländischen Meer und dem nördlichen Eismeer entsandten, beteiligte
sich auch die deutsche Marine mit ihrem neuen Vermessungsschiff »Möwe«,
Kommandant Kaptlit. Nippe, indem sie in den nördeuropäischen Gewässern
Ballon- und Drachenaufstiege von Bord ans machen ließ, Diese Ergebnisse
werden. von der internationalen Kommission in Straßburg später Im Zusammen.
hang veröffentlicht werden. Außerdem sollten während der Fahrt an Bord
5. M.S. »Möwe« die ozeanographischen Maschinen und Instrumente erprobt werden,
mit denen das Schiff für eine spätere Ausreise nach der Südsee ausgerüstet ist,
Die Maschinen, eine der Sigsbee-Lotmaschine ähnliche und eine ozeanographische
Heißtrommel, die von einer gemeinsamen Dampfmaschine angetrieben werden,
sind nach den Plänen der Deutschen Seewarte neu gebaut worden: sie haben
sich bei den Versuchen auf dieser Fahrt befriedigend bewährt, nur ist eine
kleine Änderung, um die Einholgeschwindigkeit mehr variieren und verringern
zu können, vorgesehen. Wenn dies geschehen sein wird und nochmals praktische
Erprobungen stattgefunden haben werden, soll diese Oozeanographische Maschinen-
anlage S, M, 5. »Möwe« näher beschrieben werden,
Für die Durchführung der aerologischen und ozeanographischen Aufgaben
war der Verfasser dieser Zeilen an Bord S, M, S. »Möwe« kommandiert; auch
Oberleutnant Schweppe, der seinerzeit auf S, M, S. »Planet« die Drachen- und
Ballomnaufstiege geleitet hat, war ebenfalls eingeschifft,
Da die Zeit an Bord vollkommen durch diese Aufgaben in Anspruch ge-
nommen war und auch keine Zeit zu Umwegen nach interessanteren Meeres-
gebieten. bereitgestellt werden könnte, sa war es nicht möglich, noch irgend-
welches ozeanographische Beobachtungsmaterial während der Reise zu sammeln:
immerhin gelang es dank dem Entgegenkommen des Kommandos, soviel Zeit zu
erübrigen, daß einige kleine instrumentelle Versuche und Beobachtungen an-
yestellt. wurden, die, obwohl sie hier nicht zum erstenmal gemacht sind, doch
allgemeinerem Interesse begegnen dürften.
1. Doppel-Umkippthermometer als Meeres-Tiefenmesser,
In einem kleinen, aber wichtigen Aufsatz »Umkippthermometer als Tiefen-
messer« hat Dr, Ruppin in den »Wissenschaftlichen Meeresuntersuchungen,
herausgegeben von der Kommission zur Untersuchung der deutschen Meere,
Kiel 1906, Nr, 5« einige von ihm an Bord des deutschen Forschungsdampfers
‚Poseidon« angestellte Versuche beschrieben, bei denen er das Umkehrtherme-
meter zur Tiefenbestimmung benutzt. Diese Versuche sind nun auf der oben-
genannten Fahrt mit Umkippthermometern, die die Seewarte für diese Zwecke
hat besonders herstellen lassen, wieder aufgenommen und etwas erweitert worden,
indem damit Tiefenbestimmungen bis über 1000 m Tiefe gemacht worden sind,
während Dr. Ruppin Messungen nur bis annähernd 100 m Tiefe ausgeführt hat.
Ein rechteckiger Metallrahmen, dessen inneres, die Thermometer auf-
nehmendes Gestell durch ein Fallgewicht zum Umkippen um 180° gebracht werden
kann, wurde mit zwei Kichterschen Umkippthermometern in die Tiefe gelassen.
Das eine der beiden ist ein gewöhnliches Tiefenkippthermometer, das durch ein
amhüllendes Glasrohr gegen jede äußere Druckwirkung, also in diesem Fall gegen
den Druck der darüber lagernden Wassersäule, vollkommen geschützt ist und
somit die Temperatur in der Tiefe unabhängig von diesem Druck anzeigt. Das
Ann, d, Hyar. usw. 1008, Heft £