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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Reuter, W,: Die Azimutdiagramme und ihre Verwendung zur Lösung nautischer Aufgaben. 77 
Die logarithmische Rechnung gibt X A = 66° 58, X B = 66° 7; 
Pr = 40° 598; ir = 36° 38’'0 und m = 36° 51’S. Mit pa = 34.4° und 
90° — 2 = 15.2° findet man x = 69°, Es ist also x -— #, = 34.1° und 
90° — A = 28°; damit wird d=— 60°, Die logarithmische Rechnung gibt 
d — 59° 56". 
Die durch das Diagramm gefundenen Werte sind für die ‚praktische 
Anwendung genau genug. Zur Lösung habe ich ein einfaches Parallellineal 
benutzt, finde aber, daß das Dreieck von Dr. Fulst bequemer ist und 
genauere Werte gibt, weil man die Punkte auf den Koordinatenachsen schärfer 
einstellen kann. Immer aber wird man durch das Diagramm nur genäherte 
Werte erhalten, denn außer den Fehlern der Einstellung kommen auch die 
Fehler im Diagramm selbst in Betracht. Selbst bei der sorgfältigsten Zeichnung 
der Kurven werden sich kleine Abweichungen im Verlauf derselben nicht ver- 
meiden lassen, und das trifft auch beim Plattkartendiagramm zu. 
Das in Washington (1891) erschienene Azinıutdiagramm besteht in einem 
sogenannten Zeitazimut-Diagramm, auf dessen Rückseite sich ein Höhenazimut- 
Diagramm befindet. Letzteres ist von minderer Wichtigkeit, obgleich seine 
Konstruktion sehr sinnreich erdacht ist. Bei dem Zeitazimut-Diagramm sind 
der AÄAquator und die Dreistundenlinie als Koordinatenachsen angenommen; 
ersterer als x-Achse, letztere als y-Achse. Die Stundenkurven sind hier den 
Äquator rechtwinklig schneidende, parallele, gerade Linien. Die Breiten- 
(Abweichungs-) Kurven sind Hyperbein und liegen symmetrisch zu beiden 
Seiten des Aquators, Außerdem liegen in gleichem Abstande von der y-Achse 
zwei Kurven (Hyperbeln), welche im Diagramm die Ost- und West-MN-Kurve 
genannt werden. Die Stunden zählen von links nach rechts von 0 bis 6 Stunden, 
die Breiten (Abweichungen) von der x-Achse nach Nord und Süd bis 683°, 
jedoch ist die Teilung bis 68° weitergeführt, 
Um das Azimut zu bestimmen (Fig. 2), sucht man die Breite auf der 
Nullstundenlinie auf, ebenda die Abweichung des Gestirns und verfolgt die 
Abweichungskurve bis zur Stundenlinie, welche dem Stundenwinkel ent- 
spricht (S). Durch diesen Punkt S und die 
Breite L auf der Nullstundenlinie zieht 
man eine Linie, verbindet den Schnitt- 
punkt .C dieser Linie mit der y-Achse 
mit der Breite L’ auf der M N-Kurve, und 
zwar auf der westlichen (linken) Kurve, 
wenn der Stundenwinkel Ost, auf der öst- 
lichen (rechten) Kurve, wenn der Stunden- 
winkel West war. Eine Parallele zu dieser 
Linie durch den Mittelpunkt O des 
Diagramms. wird einen um O beschriebenen 
Kreis treffen, auf den man das Azimut. 
vom oberen Pol gerechnet, ablesen kann. 
Die hier erwähnten Linien werden selbst- 
verständlich nicht ausgezogen, sondern nur 
der Punkt C angemerkt, an L’/ und C wird 
eine Parallellineal gelegt und dies dann, 
parallel L’C, bis © verschoben. ?) 
Die Projektion der Kurven dieses 
Diagramms beruht ebenso wie die des 
Weierschen auf der Gleichung: 
‘ tg dcosp‘ . 
cotg A =— A —— — Bin cotp: £. 
Fiese. 2. 
1) Bei der Benutzung des Diagramms verwendet man zweckmäßig einen Holzstift von 
prismatischem Querschnitt mit scharfer Kante, der senkrecht zur Seitenlinie abgeschnitten ist. Die 
Kante setzt man auf den Schnittpunkt der Kurven, legt das Lineal an die Kante, so daß es durch 
den Punkt auf der Ost-Linie geht, darauf setzt man die Kante des Holzstiftes auf den Schnittpunkt 
mit der v-Achse usw. Man braucht dann immer nur einen Punkt im Augen zu halten.
	        
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