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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1906.
ich will jetzt noch einige Worte über lokale Auftriebsursachen wie sie sich
an Küsten und unterseeischen Erhebungen geltend machen, hinzufügen,
An Küsten spielt der Auftrieb durch ablandige Winde eine große Rolle,
wovon schon oben einmal die Rede war. Nun sind solche Auftriebgebiete
von alters her bekannte Fischplätze, also Orte, die Bedingungen für reichliche
Planktonentwicktung aufweisen.!) Dabei braucht nicht einmal eine große
Temperaturerniedrigung im Spiele zu sein. In den Auftriebgebieten des
Mittelmeeres an der algerischen Küste ist das Wasser nur sehr wenig kühler
als in der offenen See, weil ja das aspirierte Bodenwasser selbst eine relativ
hohe Temperatur hat; und doch weist diese Stelle ein reichliches Tierleben
auf, In diesen Fällen wäre die Untersuchung, ob ein Zusammenhang der
Periodizität des Planktons und des Wasserauftriebs besteht, von großem Inter-
esse, An Küsten spielen ferner die zuerst von Ekman beschriebenen Reaktions-
strömungen eine große Rolle, die an Flußmündungen auftreten. Hier reißt
das einfließende Wasser ruhende Schichten mit sich und bedingt eine Aspiratiop
aus der Tiefe; für solche Reaktionsströme ist auch die Bedingung gegeben,
wenn ein Oberflächenstrom über einen unterseeischen Rücken fließt. Auch
hier kann ein Mitreißen von Tiefenwasser eintreten. Eine andere Ursache für
aufsteigende Wasserbewegung ist dann vorhanden, wenn ein Bodenstrom auf
eine Küstenbank oder ein unterseeisches Plateau stößt. Dann wird eine Anstau-
und eine vertikale Zirkulation eintreten; für solche Verhältnisse haben wir ja
schon in der Straße von Messina ein Beispiel kennen gelernt. Wir sehen also,
daß die lokale Maxima des Planktons an Küsten und über unterseeischen Er-
hebungen eine ungezwungene Erklärung durch unsere Theorie finden.
Bei diesen Betrachtungen bleibt die Frage vollständig unberührt, welcher
Nährstoff es ist, dessen Aufsteigen aus der Tiefe die Organismenproduktion
fördern soll. Diese Seite des Problems soll in einer ausführlichen Arbeit ein-
gehend diskutiert werden; es wird sich dabei zeigen, daß der Kohlensäure in-
folge ihrer eigenartigen Bindungsverhältnisse im Meerwasser sicherlich eine
größere Rolle zukommt, als ihr bisher beigemessen wurde.
Die Azimutdiagramme und ihre Verwendung zur Lösung nautischer
Aufgaben.
Von W. Reuter, Leer.
Die Lösung nautischer Aufgaben durch Zeichnung, Diagramme usw, ist
besonders in früherer Zeit üblich gewesen, als Logarithmen noch nicht bekannt
waren, oder wenigstens ihre Benutzung nicht allgemein verbreitet war. Von
jeher wurde die stereographische, die Zentralprojektion und die orthographische
Projektion zur Lösung astronomischer Aufgaben benutzt. Solche Projektionen
nannte man dann Planisphären. Insbesondere sind für die Lösung nautischer
Aufgaben eine ganze Reihe mechanischer Hilfsmittel erdacht und benutzt
worden, Dahin gehören: Die Gunterskala, die Donnskala, die Squadra Zogga
der Italiener, die Plainskala der Holländer, der Proportionalzirkel usw., ferner
der sogenannte Rautenquadrant, als Ersatz für unsere jetzige Koppeltafel.
Um den Stundenwinkel, Azimut, Breite ohne Rechnung zu finden, wurde unter
andern die orthographische Projektion benutzt. Die Beschreibung dieser Me-
thode und die Skizze eines solchen Diagramms finde ich in einem vorzüg-
lichen kleinen französischen Werke über Nautik (Elemens de Pilotage, par le
P. Pezenas, — A, Marseille 1733). Das Diagramm besteht in einem Quadranten,
auf dem die Stundenkreise und Abweichungsparallele in orthographischer
Projektion eingezeichnet sind. Im Mittelpunkt ist ein Faden befestigt und an
der einen Seite noch eine Skala hinzugefügt, auf der Winkel abgelesen werden
> Vel. Puff, 1. €. Day, 57 I£