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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Nathansohn, A.: Vertikale Wasserbewegung und quantitative Verteilung des Planktons im Meere, 71 
Ich glaube, daß diese Verhältnisse für die Lebensbedingungen der 
Planktonorganismen eine große Rolle spielen. In Makarows!) Befunden an 
den Stromgrenzen der La P&rouse-Straße finden sich Eigentümlichkeiten, die 
sich, wie ich in der beabsichtigten ausführlichen Abhandlung zeigen werde, 
ungezwungen auf die beschriebene Weise erklären lassen. Es wird bei den 
komplizierten Mischungsverhältnissen an Grenzgebieten nicht immer leicht 
sein, durch Isothermen und Isohalinen den Auftrieb nachzuweisen.. Vielleicht 
wird hier eine eingehendere chemische Untersuchung Eigentümlichkeiten des 
Tiefenwassers kennen lehren, die. sein Aufsteigen erkenntlich machen. So hat 
z. B. Natterer?) im Mittellländischen Meere durch Untersuchung des Gehaltes 
an salpetriger Säure und an Brom die vertikalen Bewegungen des Wassers zu 
verfolgen vermocht. Möglicherweise werden auch Untersuchungen über die 
Tiefenverbreitung der Organismen hier von Nutzen sein. | 
So sehen wir, daß in den planktonreichsten Gebieten, nämlich da, wo 
warme und kalte Ströme einander begegnen, die allergünstigsten Bedingungen 
für vertikale Durchmischung des Wassers gegeben sind. Das ist aber nicht 
der Fall in etwas niedrigeren Breiten, In diesen fließt ein kalter Bodenstrom 
äquatorialwärts, und darüber bewegt sich, von Winden in verschiedener 
Richtung getrieben, das warme Oberflächenwasser, ohne daß, außer durch rein 
lokale Ursachen die Bedingungen für die Durchmischung der verschiedenen 
Wasserschichten gegeben wären. 
Anders in der Äquatorialregion. Hier findet zur Kompensation der 
polwärts abfließenden Ströme ein Aufsteigen von Tiefenwasser statt, das durch 
die Lage der Isothermobathen aufs deutlichste zu erkennen ist. In dieser Region 
ist das Meer nun, wie bereits eingangs erwähnt wurde, bedeutend organismen- 
reicher, als in mittleren Breiten, Ich glaube, daß man als bestes Kriterium 
für die Beurteilung der vorgetragenen Anschauungen die Tatsache ansehem 
darf, daß alle Expeditionen in dieser Region eine erhöhte Planktonent wickelung 
konstatieren. Ich verweise hier lediglich auf die Resultate der Plankton- 
expedition, die im Floridastrom und in der Sargassosee kleine Plankton- 
volumina beobachtete, aber sofort beim Eintritt in den Kanarienstrom eine 
Zunahme des Planktons. konstatierte. Diese bleibt bei wiederholten Volum- 
schwankungen im ganzen Auftriebgebiet bestehen. Die bedeutendsten Maxima 
finden sich ein wenig nördlich von Ascension; eine genaue Untersuchung dieser 
Planktonmaxima und ihrer Beziehung zu den »Kälteinseln«, den Stellen stärksten 
Auftriebes, die sich dort finden, würde sicherlich die wertvollsten Resultate 
zu Tage fördern. Die Verhältnisse liegen hier gerade an dieser Stelle etwas 
kompliziert, weil in dieselbe Region auch die letzten Ausläufer des kühlen 
Beguelastromes hineingelangen, und es nicht ohne nähere Untersuchung er- 
sichtlich ist, ob man das Planktonmaximum dem kühlen Oberflächenstrom, 
oder dem Auftrieb zuzuschreiben hat. Dabei ist aber zu bedenken, daß die 
relativ niedrige Temperatur dieses Stromes wohl zu einem sehr großen Teile 
gleichfalls auf einer Vermischung mit Tiefenwasser, nämlich dem Auftriebwasser 
der afrikanischen Küste beruht. Es ist für unsere Betrachtungen nun ganz 
besonders wertvoll, daß der »Challenger« in den entsprechenden Auftriebgebieten 
des Stillen Ozeans ungewöhnlich starkes Auftreten von Diatomeen gefunden hat; 
wovon schon eingangs die Rede war, und zwar hauptsächlich ein nördlich und 
südlich von den Karolinen in einer Region mit hoher Oberflächentemperatur, an 
die ein kalter Oberstrom nicht hingelangt; es ist wohl mehr als wahrscheinlich, 
daß dieses Planktonmaximum mit dem Auftrieb von Tiefenwasser in Zusammen- 
hang steht, von dem die Tiefseetemperaturkurven des »Challenger« deutliches 
Zeugnis abgeben, 
Soviel über die Verhältnisse auf der hohen See; ich glaube, daß schon 
diese skizzenhafte Darstellung imstande ist, einen Zusammenhang zwischen der 
Organismenproduktion und den Vertikalströmungen wahrscheinlich zu machen; 
; Makarow, 1. e.‚pag. 288. nr 
2?) Natterer, Chem. Unters. im Östlichen Mittelmeer. Denkschriften der k. k. Akad. d. 
Wiss. zu Wien. Bd. Ef.
	        
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