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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1904. 
Wo dies eintritt, wird derjenige Strom, dessen Wasser leichter ist, 
den anderen überlagern. Der warme Strom ist salzreicher, der kalte salz- 
ärmer, und so hängt das Verhältnis der Dichten davon ab, ob die Differenz 
der Temperatur die entgegengesetzt wirkende Konzentrationsdifferenz zu 
kompensieren imstande ist oder nicht. Daraus ergibt sich ein wechselndes 
Verhalten in den verschiedenen Jahreszeiten, Im Winter wird das warme 
Wasser naturgemäß stärker abgekühlt, es wird schwerer als das Polar- 
wasser und von diesem überlagert; im Sommer findet das umgekehrte statt.!) 
Da breitet sich das warme atlantische Wasser über dem kalten aus, Diese 
Überlagerungsvorgänge spielen sich aber keineswegs ausschließlich an der 
Oberfläche ab; sie bedingen vielmehr einen Kompensationsstrom, der sich 
durch die ganze vertikale und horizontale Ausdehnung der fraglichen Wasser- 
massen erstreckt. Dieser Vorgang ist von Mohn,*) später u, a. von Makarow*) 
eingehend beschrieben worden. Es ist ja leicht einzusehen, daß im Gebiete 
des schwereren Wassers ein Hinuntersinken von Oberflächenwasser in die 
Tiefe, in dem des leichteren ein Aufsteigen von Tiefenwasser stattfinden muß, 
um die Wirkungen der horizontalen Bewegungen auszugleichen. 
Es würde sich also daraus ergeben, daß im Winter während das Polar- 
wasser das atlantische überlagert, in der Region des Polarstromes ein Auftrieb 
stattfindet, im Sommer dagegen dasselbe im atlantischen Stromgebiet der 
Fall ist. Damit kann es zusammenhängen, daß das Frühjahrsmaximum des 
Plankton seinen Hauptsitz im kalten, das Hochsommermaximum dagegen im 
warmen Wasser hat. 
Weitaus die größte Rolle für die Fischerei spielen aber die Strom- 
grenzen, an denen kalte und warme Strömungen unmittelbar aneinander vorüber- 
fließen. Hier besteht auch den ganzen Sommer über ein reichliches Diatomeen- 
jeben, während die Maxima in den übrigen Teilen des offenen Meeres nur 
vorübergehend sind. Eine Erklärung dieser eigentümlichen Erscheinung ist 
öfters versucht worden, niemals aber in befriedigender Weise gelungen, Nun 
läßt sich aber leicht zeigen, daß in diesen Grenzgebieten die Bedingungen 
für ständigen Auftrieb von Tiefenwasser besonders günstig sind. Einmal 
können durch die in entgegengesetzter Richtung aneinander vorbeifließenden 
Ströme dazwischen liegende Wassermassen, die sich in relativer Ruhe befinden, 
mitgerissen werden, und so eine Kompensation aus der Tiefe bedingen, Auf 
diese Weise erklärt Krümmel*) einige sogenannte »Kälteinseln« im Aquatorial- 
yebiet, an der Grenze entgegengesetzt fließender Ströme und neuerdings hat 
auch Schott“) auf Erscheinungen an divergierenden Strömungen diese Er- 
klärung angewandt. Dann aber kommt als zweites Moment in Frage der 
Einfluß der Erdrotation, die in der bekannten Weise auf der nördlichen Halb- 
kugel die Ströme nach rechts abzulenken sucht. Nun liegen im nordatlantischen 
Ozean die Verhältnisse meist so, daß durch diese Wirkung der Erdrotation ein 
Auseinanderziehen der aneinander vorbeifließenden Strömungen bedingt wird, 
so daß an der Grenze eine Aspiration eintreten muß, die dann vor allem in 
der Übergangszeit sich geltend machen wird, in der die Dichten von polarem 
und atlantischem Wasser einander etwa gleich sind. Mohn“) hat dargelegt, 
daß wenn die Wirkung der Erdrotation durch den Wind und andere Umstände 
auch oft verdeckt wird, sie doch an schnellfließenden Strömen stets imstande 
sein wird, das Niveau der rechten Seite des Stromes über das der linken zu 
erheben. Die Herstellung dieser Niveaudifferenz beruht aber nicht auf einem 
statischen Gleichgewicht, weil an der rechten Stromgrenze ein stetiges Nieder- 
sinken des sich anstauenden Wassers stattfinden muß. Dadurch wird an der linken 
eine Kompensation aus der Tiefe bewirkt werden, die an den Stromgrenzen 
in der beschriebenen Weise sich geltend machen muß, 
Vgl. Pettersson, Petermanns Mitteilungen, Bd. 46 (1900) S. 91. 
Norske Nordhavs Expedition. Mohn, Nordhavets Drbder ete. Kristiania 1887, 8. 156f, 
Makarow, »Le Vitiaz« et ’Oc6an Pacifique. St. Petersburg 1894, pag. 285ff, 
Krümmel, Handbuch der Ozeanographie, Bd. II (1887), ®. 414. ; 
Schott, »Ann. d. Hydr. usw.« 1905, 8. 405. 
Vgl. Mohn, Peterm. Mitteilungen, Ergh. Gotha 1885, pag. 10.
	        
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