accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Nathansohn, A.: Vertikale Wasserbewegung und quantitative Verteilung des Planktons im Meere. 69 
die dadurch bewirkte Vertikalzirkulation, wobei zu beachten ist, daß das 
Dichtemaximum des Seewassers nicht bei + 4° CC, sondern in der Nähe des 
Gefrierpunktes liegt. Man sollte daher erwarten, daß diese Tatsache allein 
genügen sollte, den Unterschied der Produktionsfähigkeit verschiedener Meere 
zu erklären. In der Tat ist namentlich in den in hohe Breiten gelangenden 
warmen Strömungen die winterliche Vertikalzirkulation besonders intensiv, 
und erstreckt sich oft auf viele hunderte von Metern in die Tiefe, Jedoch 
wird. meistens diesem Vorgange eine Grenze gesetzt durch Unterschichten, die 
infolge hohen Salzgehaltes oder sehr niederer Temperatur eine bedeutende 
Dichte besitzen. So kommt es, daß im offenen Meer nur selten die Be- 
dingungen für eine sich bis auf den Boden erstreckende Vertikalzirkulation 
gegeben sind. Ein solcher Fall liegt vor in dem westlich vom Rejkjanaes- 
rücken, der sich von Island nach SW erstreckt, liegenden Meeresteil. Dort 
befindet sich nach Knudsens!) Untersuchungen ‚ein fast völlig homogenes 
Wasser, das durch Mischung von polarem und atlantischem Strom entsteht, 
und es läßt sich in der Tat nachweisen, daß sich hier im Winter die Wasser- 
bewegung bis auf den Boden erstreckt. Nun ist es eine höchst bemerkens- 
werte Tatsache, daß dieses sogenannte Irmingermeer ein äußerst plankton-‘ 
reiches Gebiet ist, das reichste, das z. B..die Planktonexpedition auf ihrer 
Fahrt berührt hat, 
Im allgemeinen spielen aber andere Vorgänge eine bedeutendere Rolle, die 
mit dem großen System der ozeanischen Vertikalzirkulation zusammenhängen. 
Um uns darüber in Kürze ein Bild zu machen, führen wir uns zuerst den Bildungs- 
prozeß des polaren Oberflächenwassers vor Augen, und betrachten zunächst 
die Vorgänge im südlichen Eismeer, die sich durch größere Einfachheit aus- 
zeichnen. Hier gelangen Eisberge, die bis in die Tiefe von Hunderten von 
Metern untergetaucht sind, mit wärmerem Wasser aus niederen Breiten in 
Berührung, Es beginnt dann an der einen Fläche des Eisberges der Schmelz- 
prozeß, bei dem fast reines Süßwasser entsteht; dieses wird natürlich durch 
das schwerere Salzwasser in die Höhe getrieben, vermischt sich während des 
Aufsteigens zum Teil mit diesem, und so kommt, wie es Pettersson”) ein- 
gehend dargelegt hat, ein Oberflächenstrom zustande, der durch ständiges 
Aufsteigen von Wasser gebildet wird. Daneben spielt sich aber noch ein 
zweiter Vorgang ab: es sinkt salziges Wasser, durch die Abkühlung schwer 
geworden, zu Boden, das zum Teil als Bodenstrom sich in einer mit dem 
Oberflächenstrom gleichsinnigen Richtung bewegt. Ein Teil dieses nieder- 
sinkenden Wassers muß aber nach dem hydrostatischen Grundgesetz an den 
Stellen wieder aufsteigen, an denen der abwärts gerichtete Druck des sinkenden 
Wassers nicht besteht, und so wird es in den auf den Eisberg zu gerichteten 
Strom gelangen, und dann durch den Schmelzprozeß zum Teil wieder in der 
beschriebenen Weise an die Oberfläche befördert werden. So entsteht also 
dieser. verdünnte Oberflächenstrom durch einen komplizierten Vertikal- 
zirkulationsvorgang, an dem bis zu einem gewissen Grade alle Schichten 
beteiligt sind. 
Auf der nördlichen Halbkugel wird dieser Prozeß dadurch kompliziert, 
daß die Polarströme zum Teil aus dem Wasser bestehen, das aus den sibirischen 
Strömen in das Polarbassin gelangt.‘ Nansen hat das Verhalten dieses Wassers 
ausführlich beschrieben und gezeigt, wie es im Laufe seiner westwärts ge- 
richteten Bewegung immer salzreicher wird, indem es sich mehr und mehr 
mit dem Tiefenwasser vermischt, wobei Kompensation der Windströme und 
andere Vorgänge in der kompliziertesten Weise ineinandergreifen m#ssen, 
Sehen wir also, daß schon bei der Entstehung der Polarströme ein 
Auftrieb von Tiefenwasser eine große Rolle spielt, so ist das, namentlich was 
die nordatlantischen Gebiete anlangt, vielleicht in noch höherem Maße dort 
der Fall, wo warme und kalte Oberflächenströme einander begegnen. 
1) Knudsen, Den Danske IngeMf-Expedition 1.2; vgl. Pettersson, Petermanns Mitteilungen, 
Bd, 46 (1900), 5. 64. > 
2) Pettersson, On the influence of icemelting on oceanic circulation. Svenska Hydr.- 
Biol. Comm. Stkrifter II (1905).
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.