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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1906, 
Einen solchen Gesichtspunkt glaube ich nun, wie ich hier in 
aller Kürze auseinandersetzen will, in der Bedeutung vertikaler 
Wasserbewegungen für die Ernährung des Phytoplanktons erblicken 
zu dürfen, 
Wir können uns diese Bedeutung am leichtesten klarmachen, wenn wir 
uns zunächst ein völlig abgeschlossenes Wasserbecken vorstellen. Es wird 
sich in den obersten beleuchteten Schichten ein Pflanzenleben, und auf dessen 
Kosten ein Tierleben entwickeln, und dieses Oberflächenplankton wird in der 
bekannten Weise die Organismen der größeren Tiefen bis hinab auf den 
Grund ernähren, indem die toten Leiber von oben herabfallen und unten 
verzehrt werden. Durch dieses ständige Hinabfallen von Organismen in die 
Tiefe wird notwendigerweise in den oberflächlichen Schichten eine Verarmung 
an Nährstoffen eintreten, die sich zuerst bezüglich derjenigen fühlbar machen 
muß, die in geringer Menge vorhanden sind, wie Phosphorsäure und Stickstoff- 
verbindungen. Es wird daher mit der Zeit das Planktonleben an der Ober- 
fläche immer spärlicher werden, und damit auch das Organismenleben in der 
Tiefe, weil die Zufuhr organischer Substanz von oben her immer geringer 
wird. Unten wird dagegen eine Anhäufung der oben fehlenden Nährstoffe 
eintreten müssen, die aus den zersetzten Tierleibern in das Seewasser über- 
gehen, aber durch Diffusion nur sehr langsam wieder in die Höhe gelangen. 
Es ist daher ohne weiteres klar, daß, wenn an irgend einer Stelle dieses 
Beckens durch lokale Ursachen eine Vertikalströmung hervorgerufen wird, 
die Tiefenwasser in die Höhe befördert, an dieser Stelle sofort eine reichliche 
Entfaltung des Plantonlebens eintreten muß, weil durch jene Wasserbewegung 
der Oberfläche die fehlenden Nährstoffe zugeführt werden. 
Die Wirkung derartiger lokaler Vertikalbewegungen läßt sich deutlich 
im Mittelmeer beobachten, das bis zu einem gewissen Grade dem zugrunde 
gelegten fiktiven Beispiele entspricht. Das Mittelmeer, in dem die Wasser- 
bewegungen im allgemeinen sehr ruhige sind, ist organismenarm; nur an 
einigen Stellen tritt lokal reichlich Pflanzen- und Tierleben auf, und diese 
Stellen sind gerade solche, an denen die Bedingungen für Vertikalströmungen 
gegeben sind, z. B, die Straße von Messina,!) an der das von Osten nach Westen 
strömende Tiefenwasser auf einen unterseeischen Rücken stößt, und dadurch 
in die Höhe getrieben wird, und vor allem gewisse Stellen an der Nordküste 
von Algier, an denen durch ablandige Winde eine Bewegung von der Küste weg 
erzeugt wird, die durch aufsteigendes Tiefenwasser kompensiert werden muß,”) 
Wenn also die bloße Überlegung die lokale Bedeutung vertikaler 
Strömungen für das Planktonleben dartut, und Beobachtungen an besonders 
günstigen Stellen die Ergebnisse dieser Überlegung bestätigen, so bleibt 
doch noch die Frage zu beantworten, ob auch die großen Züge der quanti- 
tativen Verteilung der Organismen im Meere auf dieses Prinzip zurückzuführen 
sind. Mit dieser Frage haben wir uns nunmehr zu befassen. Es ergibt sich 
dabei in der Tat, daß die Meere hoher Breiten bezüglich der Vertikal- 
strömungen bevorzugt sind vor denen gemäßigter Zonen, die besonders 
organismenarm sind, während in den Aquatorialregionen, die, wie oben 
erwähnt, wiederum planktonreicher sind, die Vertikalzirkulation eine größere 
Rolle spielt. 
Ein Moment, an das man in erster Linie denkt, ist die vertikale Wasser- 
bewegung infolge von Abkühlung der oberflächlichsten Schichten. Wir können 
uns diesen Vorgang wiederum am besten an dem oben beschriebenen fiktiven 
Meeresbecken klar machen. Im Sommer wird hier infolge der Sonnenstrahlung 
eine Durchwärmung der oberen Schichten eintreten, die nach unten zu all- 
mählich abnimmt, Kühlen sich im Winter die obersten Wasserlagen ab, dann 
werden sie schwerer als die darunterliegenden, und sinken in die Tiefe, bis 
sie auf eine gleich kalte, und infolge dessen gleich schwere Schicht treffen. 
Je stärker die Abkühlung an der Oberfläche, um so tiefer erstreckt sich 
!) Natterer, Chem. Unters. im östl. Mittelmeer, IL, S, 72 in: Denkschriften der Kais. 
Akad, d. Wiss., Math. Naturw. Klasse. Bd. 60 (1893). 
*) Vgl. Puff, Das kalte Auftriebwasser usw. In. Diss, Marburg (1890) ©. 23 ff, u. 8. 27
	        
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