Köppen, W.: Die Drachenstation der Deutschen Seewarte,
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100 cm — genommen, so trifft bei unseren Drachen im großen Modell h auf
den Längsstock a etwas vor dem zweiten Querstock, im kleinen Modell noch
etwas hinter dem Hinterrande der vorderen Zelle, In beiden Fällen, nament-
lich im ersteren, sind die Drucke und Stützen so gut auf den Längsstöcken
verteilt, daß eine merkliche Biegung der Stöcke nicht stattfindet. .
Dadurch, daß der Hypothenusenstock a der. Flügel (außerhalb des
Zeuges) an die Seiten-Längsstöcke des Drachens angelascht. wird, erhalten
diese eine genügende Verstärkung.
Bei den kleinen Drachen werden die Scharniere direkt auf die Seiten-
stöcke des Körpers gelascht und fallen zur Verringerung des Gewichts die
Hypothenusenstöcke der Flügel fort, Das hat hier keine Schwierigkeit, da
das Scharnier bei diesen Drachen nicht auf die Vorderzelle, sondern hinter
den Hinterrand derselben zu sitzen kommt.
c) Die Bucht (Fesselung oder Zügel). Da die Diamantdrachen durch
ihre seitlich zurückweichenden Flächen keiner weiteren Unterstützung der
Seitenteile gegen den. Winddruck bedürfen, so werden sie nur am unteren
Mittelstock gefesselt, und zwar besteht die Bucht aus zwei Zweigen, einem
vorderen unelastischen und einem hinteren, in den ein Bündel Gummischnüre
eingeschaltet ist behufs automatischer Flacherstellung des Drachens bei zu-
nehmendem Winddruck. Dabei halten wir zwischen den mehrere Meter langen
Buchten des Berliner Aeronautischen Observatoriums und den kurzen Buchten
von Dines, bei denen der Buchtpunkt nur wenige Zentimeter vom Buchtstock
entfernt ist, ungefähr die Mitte ein, indem bei uns diese Entfernung etwa der
halben Tiefe des Drachens gleichkommt und die Buchtzweige bei ungereckter
Bucht um etwa 60° auseinander gehen, so daß jeder etwa °/,„ der Spannung
der Hauptleine hat, In Figur 4A stellt AB den unteren Mittelstock oder
Buchtstock des Drachens dar. Ursprünglich waren die beiden Zweige der
Bucht in.A und C befestigt und ihre Länge so bemessen, daß im ungereckten
Zustande die Projektion des »Buchtpunkts« C auf den Stock AB etwa 15 cm
vor den Hinterrand der Vorderzelle C fiel. Neuerdings wird die Bucht etwas
anders eingerichtet, um das elastische Stück etwas zu entlasten, ihm eine
Vorspannung geben zu können, den Stirnwiderstand zu verringern und stets
eine elektrische Leitung bis an die Spitze des Drachens zu haben, die die.
Anbringung eines besonderen Kupferdrahts unnötig macht. Die Figur zeigt
diese Einrichtung, Der vordere Zweig bf der Bucht besteht aus einem
kräftigen (0.8 bis 1.0 mm) Stahldraht von 60 bzw. 45 cm Länge, dessen Enden
in. der im folgenden Abschnitt beschriebenen Weise Augen bilden, die durch
eingesplißte Drähte versteift sind. Bei f ist das eine dieser Augen durch
einen dünnen Draht nach Art eines. Webeleinsteks an den Buchtstock ge-
bunden, die beiden Enden des letzteren Drahts sind weitergeführt bis zum
Rückenstock, an diesem durch einen zweiten Webeleinsteck befestigt und dann
an die oberste Ecke des Drachens geführt, wo sie in zwei Spitzen endigen,
zur Entladung des Drachens. In das andere Auge (b) ist eine doppelte
Schnur (von 2,5 bzw. 2.0 mm Dicke) geschlungen, die bei w durch eine auf
den Buchtstock aufgesplißte Kausch und weiter längs dem Buchtstock geführt
ist; diese Schnur geht in ein etwa 30 cm langes Bündel Gummikordeln
(E g der Figur 4A) über, dessen hinteres Ende- beim Vorderende der
hinteren Zelle befestigt ist, während sein vorderes Ende durch eine dünne
Schnur, die bei w befestigt ist, eine Vorspannung erhält, damit die Drachen
nicht zu früh mit der Flacherstellung beginnen. Bei unseren großen Drachen
hat diese Gummikordel etwa 75 qmm Gesamtquerschnitt. Die Dimensionen sind
so gewählt, daß der Drache bei etwa 16 kg-Zug im Hauptdraht bzw. etwa
9 m p. Sek. Wind beginnt, sich flach zu legen, und bei etwa 36 kg oder etwa
20 m p. Sek. Wind: das Vorderende der Gummischnur die Kausch w erreicht,
durch die sie nicht hindurch kann; bei dieser Stellung. würde der Drache, wenn
der: Hauptdraht. seinen. Winkel zum ‚Horizont dabei unverändert = 58° be-
hielte, horizontal liegen; da aber dieser Winkel unter solchen Umständen ab-
nimmt, so behält der Drache eine kleine Neigung zum Horizont und die nötige
Führung durch den Druck des Windes, ohne die er leicht. die Stabilität verliert.