Köppen, W.: Die Drachenstation der Deutschen Seewarte.
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Wir wollen nun den Bau des Körpers und der Flügel getrennt besprechen.
a) Körper. Das Gestell wird durch 4 Längsstäbe, 4 Querstäbe und
4 Streben gebildet, die mit den Querstäben 4 Kreuze bilden. Ist die Länge
der Streben = a, so ist annähernd die der Querstäbe — 1*/, a, Uie der Längs-
stäbe — 2a; der Querschnitt aller dieser Stäbe ist, wie sie von der Kehlleisten-
Fabrik bezogen werden, ein Rechteck, dessen Seiten gleich 0.010a bis 0.012a
und 0.020a bis 0.024a sind. An die Enden der Querstäbe und der Streben
werden (vgl. Fig. 5) je zwei Holzbacken angelascht und durch .kurze Nägel
gegen eine Verschiebung gesichert, Mittels dieser Backen werden diese Stäbe
auf die Längsstöcke des Drachens draufgeschoben, wodurch das Zeug gespannt
wird und der Drache seine Form bekommt. Die freien Teile der Stäbe erhalten
durch Abrunden der Kanten mit Hobel und Sandpapier folgende Profile, in
dem das in den Figuren 6 a bis c Schattierte fortgenommen wird: Bei den
Querstäben b bleibt die im Fluge vorderste und hinterste Kante scharf, die
obere und untere werden abgerundet. Die Streben c, die ja den ungünstigsten
Luftwiderstand geben, erhalten schifförmigen Querschnitt. An den Langhölzern a
werden besonders die Kanten, auf die das Zeug zu liegen kommt, zu dessen
Schonung gerundet.
Dazu kommen zwei kurze Hilfsstäbe (d der Figur 6), von quadratischem
Querschnitt, die erst nach dem Bezug im Körper des Drachens als Träger des
Instruments befestigt werden und über die das Nötige weiter unten gesagt wird.
Als Material zu den Drachengestellen wurde von uns in den Jahren
1903 und 1904 teils schwedisches Föhrenholz, teils amerikanisches Pappelholz
verwendet, das wir uns in Hamburg nach einer Probe des zu Berlin-Tegel
dazu benutzten in größerer Menge verschafft haben. Gegenwärtig benutzen
wir dagegen das kalifornische »Redwood« (Sequoia sempervirens), das noch
viel leichter als Pappel, nur etwa ®©/,„ so schwer wie kienfreie Föhre, dabei
äußerst gleichförmig, geradfaserig und astfrei ist, Nur für die Backen der
Hölzer und Streben, sowie für die beiden Querhölzer in der Vorderzelle
und den Längsstock, an dem die Bucht befestigt ist, benutzen wir weißes
(kienfreies), schwedisches Föhrenholz, da diese letzteren Stöcke unter dem
Druck des Windes am meisten auszuhalten haben und wiederholt bei Aus-
führung in Pappel oder selbst in Föhre, in der Luft zerknickt worden sind,
und weil es bequemer war, anderes Material als anderes Profil bei diesen
Stäben anzuwenden, Doch kommt es wesentlich nur darauf an, daß der kleinere
Durchmesser bei allen Stäben derselbe sei, damit die Backen stets passen; der
größere Durchmesser wird jetzt tatsächlich bei den Föhrenstäben noch etwas
größer genommen, als bei jenen aus Rotholz.
Sind die Stäbe fertiggestellt, so werden sie mit Bernsteinlack überzogen,
um die Wasseraufnahme zu erschweren, Alsdann werden die Spanndrähte an-
gesetzt, die bestimmt sind, dem Drachen Steifigkeit zu geben. Zwar ist bei
dieser Drachenform durch die diagonale Stellung der inneren Stäbe gegenüber
dem Zeuge bereits eine große Formänderung ausgeschlossen und die KEr-
fahrungen von Mr. Dines, der nur einen einzigen Draht (von vorn unten
nach hinten oben, in der Fluglage) anbringt, zeigen, daß die absolute Rigidität
der Drachen nicht so notwendig ist, wie man früher glaubte. Auf der anderen
Seite geben die Drähte anders nach als das Zeug und die Lieke*) und müssen
deshalb gesondert nachgespannt werden können, da lose hängende Spanndrähte
schlechter als gar keine sind. Da nun doch in starkem Winde schlaffe bzw.
biegsame Drachen ihre Stabilität notorisch leichter verlieren, als steife, ander-
seits beim Landen seltener zerbrechen, so sind in unseren Drachen Spann-
drähte angebracht, aber
1. die Zahl der Drähte ist auf 9 verringert (gegen 47 im Marvin-
Drachen), nämlich 2 zwischen rechts und links, 3 in der senkrechten Symmetrie-
ebene des Drachens und 4 in den Ebenen der oberen Zeugflächen, im ganzen
3 Drahtkreuze und 3 Einzeldrähte;
1y Bei den Drähten beruht das Schlaffwerden nicht auf Dehnung, sondern auf der Grad-
streckung‘ gekrümmter Teile des Drahtes (Augen usw.) und auf Nachgeben der Befestigungsstellen.