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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1905. 
Infolge Wechsels des Beobachters wurde die Normal-Beobachtungsstation in 
Keitum a, Sylt Ende September nach dem Wohnhause des Gemeindevorstehers 
von Keitum verlegt; der Anemograph wurde auf dem Giebel des Hauses aufgestellt. 
In Rügenwaldermünde wurde auf dem Turme des Lotsenwachthauses ein 
Anemograph aufgestellt, der seit Anfang April in Betrieb ist. ; 
8. Das Sturmwarnungswesen an der deutschen Küste, 
Die Sturmwarnungsstelle in Tönning ist mit einer roten Laterne als Sturm- 
signal für die Stadt ausgerüstet worden. 
In Keitum a, Sylt ist am 80. September 1905 die Sturmwarnungsstelle ver- 
legt worden. Der Sturmwarnungsmast ist auf dem Grundstück des Gemeinde- 
vorstehers Boysen aufgestellt und der Sturmwarnungskasten unter dem Eingangstor 
angebracht worden; ein zweiter Aushang der Sturmwarnungstelegramme findet im 
Dorfe neben den amtlichen Bekanntmachungen statt. 
Eine neue Provinzial-Sturmwarnungsstelle bei Ueckermünde am Kleinen 
Haff nahe der Mündung der Uecker, mit vollem Signalapparat, einschließlich der 
roten Laterne, ist seit Mitte Oktober 1905 in Betrieb. 
Eine von der Königl. Preuß. Regierung auf Belumer Schanze bei Neu- 
haus a. d. Oste errichtete und mit vollständigem Signalapparat, einschließlich der 
roten Laterne, versehene Sturmwarnungsstelle ist vom deutschen Reiche über- 
nommen worden und seit dem 9. November in Betrieb. 
Auf Borkum ist ein zweiter Aushang der Hafen- und Sturmwarnungs- 
telegramme auf der Reede eingeführt worden. ; 
Ein Aushang der Hafentelegramme ist in Ahlbeck in der Weise er- 
möglicht worden, daß die Telegramme dem Signalisten von Ahlbeck in Reinschriften 
von der üblichen Form ihres Aushangs gleich nach ihrem Eintreffen in Swine- 
münde von dem Vorsteher der dortigen Normal-Beobachtungsstation in Brief- 
umschlag zugestellt werden. 
Als 'eine neue Art der Verbreitung von Wind-Nachrichten zum Schutze der 
Fischer finden seit April. 1905, zunächst bis Ende März 1906, Versuche mit 
neuen Flaggensignalen an der Pommerschen Küste in Kolberg, Rügenwalder- 
münde und Leba statt. Auf Grund der an diesen Hafenplätzen dreimal täglich 
eingehenden Windmeldetelegramme von Arkona und Brüsterort werden an der 
Spitze der Sturmwarnungsmaste Flaggen gehißt, wenn Wind von Stärke Beaufort 6 
und darüber telegraphisch gemeldet wird; es zeigen eine rote Flagge jenen 
Wind für Arkona, zwei rote Flaggen für Brüsterort und ein roter Wimpel end- 
lich das Herrschen jener Windstärken an beiden Orten an; jedoch besteht die 
Einschränkung, daß diese Signale während des Hängens von Sturmsignalen nicht 
gezeigt werden dürfen. 
Um die Vertrautheit der Küstenbevölkerung mit den Einrichtungen des Sturm- 
warnungswesens, einschließlich der Hafentelegramme zu fördern, sind von der 
Deutschen Seewarte Merkblätter „Sturmwarnungswesen an der Deutschen Küste“ 
herausgegeben und von den Kaiserlichen Küstenbezirksämtern in großer Zahl ver- 
breitet worden. 
Die alljährlichen Besprechungen der Vorsteher der Kaiserl. Küsten- 
hbezirksämter mit den Vertretern der Regierungen in Angelegenheit der Provinzial- 
Sturmwarnungsstellen zwecks Sicherung des einheitlichen Betriebes auf Grundlage 
der Dienstvorschrift für die Sturmwarnungsstellen der Deutschen Seewarte haben 
wieder in befriedigender Weise stattgefunden, 
Beih. JI z. d. Annalen ete., Jahre. 1906. 
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