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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Köppen, W.: Die Drachenstation der Deutschen Seewarte. 
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merklichen Vorteile erkennen ließ, wurde zu dem einfachen rhombischen Quer- 
schnitt übergegangen; damit war der Drache dem, wie sich später herausstellte, 
1902 gleichzeitig mit der Entstehung unseres Brilliant-Drachens von Herrn Dines 
in England gewählten Modell noch ähnlicher geworden; die guten Resultate dieses 
Drachens bei den Aufstiegen bei Crinan zerstreuten die letzten Bedenken 
gegen die Wahl eines bis dahin bei uns nicht als Instrument-Drachen, sondern 
nur in kleinerer Form, als Hilfsdrache erprobten Modells,!) Zur Befestigung 
der Stöcke aneinander, zog ich indessen die Anwendung der auf Fig. 5 dar- 
gestellten Holzbacken der Methode von Dines vor, deren Vorzüge durch ihre 
Unbequemlichkeiten aufgewogen werden, und kam so zu einem Modell, das 
sich dann zu meiner eigenen Überraschung fast genau mit dem fast vergessenen 
von Herrn Potter herrührenden ersten Modell des Washingtoner Weather- 
Bureaus deckt, bis auf zwei Punkte: die Zusammenlegbarkeit ist weiter ge- 
trieben (bei dem von Potter bleibt ein Rahmen, bei unserem nur eine lange 
Rolle übrig), und die auch von Potter vorgeschlagenen, aber zu zerbrechlich 
gefundenen festen Flügel sind bei uns durch elastisch zurückklappende Flügel 
ersetzt. Die Beschreibung jener Form war Marvins erste Veröffentlichung 
in Drachensachen (Monthly Weather Review, Nov. 1895: A Weather Bureau 
Kite); die dort und auch in Moedebecks bekanntem Taschenbuch (2. Aufl, 
S. 167, Fig. 51a) gegebenen Zeichnungen können fast als Darstellungen der 
beiden Formen des jetzigen Modells der Seewarte dienen. 
Wir. müssen also dieses Modell im wesentlichen als Potters »diamond 
cell kite« anerkennen und nach dem Rechte der Priorität als Diamant- 
Drachen bezeichnen. 
Die Beschreibung der‘ beiden Formen — des Treppenkastens und des 
Diamant-Drachens (Modell Seewarte 1902 u. 1904) — möge hier als Ergänzung der 
in meinem Bericht im Archiv der Seewarte, 24, Jahrgang (1901) gegebenen 
Beschreibungen folgen, 
Modell Deutsche Seewarte 1902. 
(Treppenkasten, siehe Taf. 3. Fig. Ib” und d, und Taf, 4, Fig. 3A und 3B.) 
Der Unterschied dieser Drachenform von den zu meteorologischen 
Zwecken gewöhnlich benutzten »Hargrave-Drachen« besteht hauptsächlich 
darin, daß 1. die vordere Zelle durch Verschieben des oberen Segels als 
»Treppe« gebaut ist, 2. die hintere Zelle, die nur als Steuer dienen soll, be- 
deutend kleiner als die vordere und näher als üblich an diese herangeschoben 
ist und 3. die Breite des Drachens, bei den großen Exemplaren größer als 
seine Länge ist. Minder wesentlich dürfte sein, daß die Seiten des Drachens 
ganz mit Zeug überzogen sind, ohne Lücke in der Mitte, daß in der hinteren 
Zelle das obere Segel breiter als das untere und das letztere, um das 
»Schwimmen« und »Tauchen« zu erschweren, nach unten konvex ist, ferner 
daß die Stellen des Gerüstes, mit denen der Drache beim Landen den Boden 
zu berühren pflegt, aus Rotang bestehen, und daß nur das Untersegel der 
Vorderzelle vorn und hinten von Holzleisten eingefaßt ist, alle übrigen Segel 
mit freien Kanten (Saum und Liek) vorn und hinten endigen und nur seitlich 
an Holzstäbe befestigt sind. Die Fig. 3 erläutert diese Verhältnisse durch den 
Längsschnitt des Drachens. Der Drache: ist in der Weise zusammenlegbar, 
daß die Querstäbe herausgenommen werden und dann die 3 oder 4 Längs- 
rahmen aufeinander sich legen, Das Untersegel der. Vorderzelle ist zu diesem 
Behuf von den zwei Querstöcken, zwischen denen es sitzt, durch Haken und 
Ösen abzuknöpfen, ; 
In der Mehrzahl der Fälle haben die Treppenkasten, wie Fig. I bei b 
und d es zeigt, elastisch zurückklappende Flügel von der weiter unten, S. 59, 
beschriebenen Konstruktion erhalten. 
Die Treppenkasten-Drachen zeichnen sich vor den gebräuchlichen Har- 
orave-Drachen durch leichteres Steigen und vortrefflichen Steigwinkel bei 
1) Nur bei einigen Aufstiegen mit stürmischem Wind waren schon damals Drachen ‘dieser 
Form von kaum 3 am Tragfläche mit gutem Erfolg zur Aufnahme des Instruments gebraucht worden.
	        
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