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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1906, 
schwachem sowohl als bei starkem war er der unruhigste Drache, ohne 
übrigens die Stabilität zu verlieren. 
Die »Brilliant-Drachen«, und die »Bergdrachen« erwiesen sich stets zu- 
verlässig, besonders auch bei starkem Winde, beide brauchen zwar etwas mehr 
Wind und geben einen etwas schlechteren Steigwinkel, als der »Treppenkasten«, 
aber besser als andere, früher hier gebaute »Hargrave«-Drachen. 
Der »Engländer«, der sich vom >»Brilliant« hauptsächlich durch das 
Fehlen der Spanndrähte unterscheidet, war unzuverlässig, zuweilen sehr be- 
friedigend, zuweilen unstabil, doch ist er nicht viel zur Anwendung gekommen, 
so daß zufällige Umstände mitgewirkt haben mögen. 
Der Treppen-Marvin war sehr stabil, brauchte aber ziemlich viel Wind 
zum Steigen, hatte bei schwächerem Wind keinen guten Winkel und zog, ob- 
wohl nicht größer, als der Original-Marvin, zu viel, da er mehrere Male den 
0.7 mm-Draht zerriß und weite Luftreisen machte, 
Zwei Versuche, das Treppen-Prinzip auch auf den »Brilliant-Drachen« 
anzuwenden, ergaben kein befriedigendes Resultat. 
Die Drachen von Kusnetzof sind sowohl im Gestell als im Bezug (Seide) 
sehr leicht, brauchen wenig Wind zum Steigen und bewähren sich bei schwachen 
und mäßigen Winden sehr gut; Reparaturen sind indessen an ihnen häufiger 
und schwieriger, als beim jetzigen Modell der Seewarte, und sie lassen sich 
nicht so vollständig zusammenlegen, wie dieses, 
Das Anbringen von zurückklappenden Flügeln hat, wenn es in richtiger 
Weise geschah, keinerlei Übelstände mit sich geführt; die geflügelten Drachen 
sind in starkem Wind durchaus nicht weniger stabil, als die flügellosen. Da- 
gegen hat es das Steigen merklich erleichtert (d. h. das Maß der zum Fluge 
nötigen Windstärke herabgesetzt), indem es ein gutes Mittel ist, um die Fläche 
viel stärker zu vergrößern, als das Gewicht; dabei erleichtert es die Hand- 
habung und Aufbewahrung der Drachen dadurch, daß sich die Flügel durch 
Herausschieben eines Stabes momentan zurückschlagen lassen. 
Ohne Rücksicht auf die Form erwies sich neben jeder Asymmetrie jede 
abwärts konkave Wölbung des ganzen Drachenkörpers störend für die Stabilität 
{sie erzeugt »Tauchen«), während eine geringe abwärts konvexe Krümmung 
die Stabilität erhöht, 
Als allgemeines Ergebnis läßt sich aus alledem und aus den Erfahrungen 
anderer Institute der Schluß ziehen: 
Man kann mit Drachen scheinbar sehr verschiedener Art, bei sorg- 
fältigem Bau, ungefähr dasselbe erreichen; doch läßt sich sagen, daß die 
Drachen, die am leichtesten und steilsten steigen, weniger Stabilität und Zu- 
verlässigkeit besitzen, die stabilsten und verläßlichsten Drachen dagegen ge- 
ringeren Steigwinkel haben und mehr Wind brauchen, offenbar weil bei den 
ersteren die Richtkraft, bei den letzteren der Hub zu gering ist. Bei allen 
Formen zeigen leichtere Drachen mehr die erstere, schwerere mehr die letztere 
Eigenschaft. Einen Drachen zu finden, der in beiden Richtungen zugleich das 
Äußerste leisten würde, ist deshalb wenig Aussicht vorhanden, 
Genügendes muß allerdings ein meteorologischer Drache, wenn er 
brauchbar sein soll, in beiden Richtungen leisten, Die größere Betonung der 
einen oder der anderen Forderung muß sich dagegen nach den Umständen 
richten; diese sind für einen regelmäßigen täglichen Drachendienst mit Motor- 
betrieb erheblich andere, als für gelegentliche Aufstiege mit Handbetrieb. 
Ein etwas geringerer Steigwinkel läßt sich durch etwas mehr Arbeit des Motors 
größtenteils wieder gut machen, und auch für das Steigen in schwachem 
Winde stehen beim Motorbetrieb Hilfsmittel zur Verfügung, die beim Hand- 
betrieb fortfallen. Dagegen ist möglichste Einfachheit des Baues der Drachen, 
sowie bequemer Transport etwa fortgeflogener Drachen, für solchen Dienst 
von besonders großer Bedeutung. Daher fiel, als wir im Frühsommer 1904 
ein einheitliches Modell für den weiteren Betrieb annahmen, die Wahl zwischen 
den beiden seit 1902 hier bevorzugten Formen nicht auf den Treppenkasten, 
sondern auf den einfacheren, an der Längskante gefesselten »Brilliant-Drachen«. 
Da der deltoidische Querschnitt desselben bei vergleichenden Versuchen keine
	        
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