accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Köppen, W.: Die Drachenstation der Deutschen Seewarte. . 
53 
Höhen zu erreichen. Im Sommer desselben Jahres 1902 habe ich aber, um 
ein tunlichst einfaches Modell für Hilfsdrachen zu haben, angeregt durch die 
gerade damals schnell als Spieldrachen beliebt gewordenen ‘ sogenannten 
»amerikanischen« Drachen, die an einer Längskante gefesselt sind, vergrößerte 
Drachen dieser Form gebaut und mit Überraschung gefunden, daß sie ungefähr 
dasselbe leisteten, wie die besten anderen von mir versuchten Formen: der 
Treppenkasten und der Marvin-Drache. Diese Form erhielt teils wegen des 
deltoidförmigen Querschnitts, die ich ihr damals gab, teils wegen ihrer guten 
Eigenschaften den Namen »Brilliant-Drache«.: Auch eine andere Modifikation 
dieses Modells: die von Bjerknes und Sandström in den »Svenska Hydro- 
grafisk biolog. Kommissionens Skrifter, I, empfohlene Form, wurde im Winter 
1902/03 genau nach der Besehreibung gebaut und im Frühling 1903 in Ver- 
wendung genommen. Auf dem Äronautischen Observatorium zu Berlin-Tegel 
habe ich im Mai 1902 ferner eine Idee von. Assmann kennen gelernt: den 
Drachen mit elastisch unter dem Winddruck zurückklappenden seitlichen 
Flügeln zu versehen. Diese, dort nicht weiter verfolgte Idee, erschien mir so 
richtig, daß ich sie sogleich an einem Hargrave-Drachen versuchte, Ich fand 
dann bald eine Anordnung, die seitdem an unserer Station mehr und mehr in 
Anwendung gekommen ist. Gegenwärtig werden bei uns etwa zwei Drittel der 
Drachen in dieser Weise mit Flügeln ausgestattet, nur etwa ein Drittel, für 
stärkere Winde bestimmt, wird ohne Flügel gelassen. Zunächst kam diese An- 
ordnung bei einigen Treppenkasten und Brilliant-Drachen zur Ausführung. 
Als im Frühling 1903 mit der Übersiedlung nach Groß-Borstel die täg- 
lichen Aufstiege begannen, sind zunächst über ein Jahr lang alle hier vor- 
handenen und sogar einige neue Formen für diese Aufstiege verwendet worden, 
namentlich als Hilfsdrachen. Es geschah dies teils, um das vorhandene Material 
auszunutzen, teils um noch immer mehr Erfahrungen über die Vorzüge der 
einzelnen Formen zu gewinnen, ehe man sich eine derselben endgültig für 
unseren Betrieb wählte. Denn daß das letztere einmal geschehen müsse, stand 
von vornherein fest, weil die Einhaltung eines ganz bestimmten Modells so- 
wohl beim Bau als beim Betrieb sehr viel Zeit, beim letzteren auch manche 
unangenehme Überraschung sparen läßt. Bei den ewig wechselnden Bedin- 
gungen, die der Wind bietet, ist es aber sehr schwierig, zu einem endgültigen 
Urteil über die Unterschiede der einzelnen Drachentypen zu gelangen, um- 
somehr, als die Eigentümlichkeiten eines einzelnen Drachens vielleicht diesem 
Individuum und nicht der ganzen Art angehören können. . 
Auf dem Bilde, Fig. I, sieht man die verschiedenen im Frühling 1904 
benutzten Drachen nebeneinander (mit Ausnahme des »Treppen-Marvins«); a 
ist der Marvin-Drache, b und d der Treppenkasten, c der »Schwede«, e ein 
Malay-Drache, f ein geflügelter, g ein ungeflügelter Brilliant-Drache, . 
Zu den vorhandenen Typen kamen noch hinzu: zusammenlegbare Har- 
grave-Drachen des in Berlin-Tegel hauptsächlich gebrauchten Modells (»Berg- 
drachen«), Drachen des von Herrn Dines benutzten Modells, soweit es nach 
der Beschreibung sich ausführen ließ, ferner Versuche, die Vorderzelle dieses 
bzw. des Brilliant-Drachens nach dem Treppenprinzip zu bauen, endlich ein 
Marvin-Drache mit ebenfalls treppenförmiger Vorderzelle; letzterer hat im 
Frühling‘ 1904 bei den meisten Aufstiegen als Instrument-Drache gedient, 
nachdem der 1899 aus Washington verschriebene »Original«-Marvin, an dem 
freilich durch allmählichen Stoffwechsel kaum mehr etwas außer einem Stück 
Zeug noch vom Original übrig war, in einen jener rätselhaften Zustände des 
Schieffliegens geraten war, wo kein Nachmessen und kein Steuer mehr hilft, 
Im Sommer 1905 erhielt die Drachenstation ferner durch die Güte 
des Konstantin-Observatoriums in Pavlofsk zwei Originaldrachen des halb- 
zylindrischen Modells von Herrn Kusnetzof, 
Das Ergebnis dieser reichlichen Erfahrung ist im einzelnen: nr 
Von den Treppenkasten verhielten sich einzelne, wie gesagt, ausgezeichnet, 
ein Exemplar, scheinbar ganz ebenso gebaut, war nicht stabil. 
Der »Schwede« hatte ähnlich guten Winkel und leichtes Steigen, wie 
der Treppenkasten, war aber in der Luft nur bei mittlerem Winde ruhig, bei
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.