Köppen, W.: Die Drachenstation der Deutschen Seewarte,
kalischen Staatslaboratoriums, mit dem gemeinsam die Seewarte die Aufstiege
der Registrierballons ausführt, erbaut worden,
Durch die freie Lage der Stationsgebäude und deren Holzkonstruktion
ist die Blitzgefahr für diese unzweifelhaft besonders groß, namentlich für das
Windenhaus auf dem Hügel mit den großen Eisenmassen darin und der Draht-
leitung in die Wolken. Daher mußte von vornherein auf Blitzschutz Rück-
sicht genommen werden, .
Für die Ableitung der fast bei jedem höheren Aufstiege sich ein-
stellenden elektrischen Ladung des Haspels war gleich nach seiner Aufstellung
in einfachster Weise durch einige Kupferdrähte Sorge getragen, die vom
Haspel über den zentralen Bolzen und die Kreisschiene der Drehhütte den
Hügel herab und etwa 10 m weit nach einer kleinen Grube und einem darin
2 m tief eingetriebenem eisernen Rohr geführt wurden, Rohr und Grube wurden
bei trockenem Wetter vor jedem Aufstieg mit Wasser gefüllt. Waren alle
Teile in guter metallischer Verbindung, so wurden keine Spuren einer elek-
trischen Ladung wahrgenommen. Diese Ableitung hat auch bei einem Blitz-
schlag, der den Drachendraht am 16. April 1903 traf und auf langer Strecke
abschmolz, genügend funktioniert, da nur von einem kleineren, nicht mit der
Trommel verbundenen Eisenteil ein Funke übersprang, ohne zu schaden,
Bei den späteren Blitzschlägen, die den Drachendraht am 4. Juli 1904,
11. Februar, 31. März und 3. Mai 1905 zerstörten, hat bereits der jetzige Blitz-
ableiter funktioniert und sind Funken innerhalb des Windenhauses überhaupt
nicht mehr wahrgenommen worden,
Sobald der Brunnen gebohrt und das Dienstgebäude unter Dach ge-
bracht war, wurden beide Gebäude durch ein System von Eisendrähten
geschützt, das einerseits an den Brunnen angeschlossen ist, andrerseits auf
längeren Strecken im Erdboden nahe der Erdoberfläche verläuft und mit
freien Enden in demselben endigt. Es wurde dazu verzinkter Eisendraht von
41/, mm Durchmesser verwendet, der über den Firsten der beiden Gebäude
vierfach, sonst doppelt liegt. Soweit die Drähte frei liegen, sind sie paarweise
zu einem losen Kabel zusammengedreht, unter der Erde liegen sie parallel
in !/; m Abstand, voneinander,
Im Windenhause geht die Leitung vom First zum Auspuffrohr des
Motors (Fig. IV, rechts), und von den sämtlich. miteinander metallisch ver-
bundenen Teilen des Motors und Haspels zum erwähnten Zentralbolzen (c auf
Fig. 13) und zur Ringschiene der Drehhütte, von da an drei Seiten den künst-
lichen Hügel hinab zu einer Ringleitung um den letzteren und einerseits zur
erwähnten Grube, anderseits zu dem 70 m entfernten Pumpbrunnen neben
dem Dienstgebäude, an dessen Rohr alle hier endigenden Drähte durch sorg-
fältiges Verlöten angeschlossen sind.
Der durch Wasserspülung gebohrte Brunnen (d auf Fig. 2), gibt durch
eine Handpumpe aus nur 6’/, m Tiefe reichliches und gutes, wenn auch etwas
eisenhaltiges Wasser. In der benachbarten, nur 3 m tiefer gelegenen Viola-
straße ist das Wasser aus so geringer Tiefe unbrauchbar, da aber bei der
Station die Moorsandschicht, die dort auftritt, fehlt, und auch keine Gebäude
in der Nähe sind, so gehen hier keine erheblichen organischen Beimischungen
dem Wasser zu. Die Pumpe ist eine Saug- und Druckpumpe; mittels eines
Schlauches kann von ihr aus jeder Teil des Gebäudes, einschließlich des
Daches, bespritzt und ein entstehendes Feuer gelöscht werden. Bei der Feuer-
gefährlichkeit des Holzbaues und der verarbeiteten Materialien ist die Nähe
und zentrale Lage der Pumpe wertvoll. .
Der Boden des Platzes ist ein lehmiger Sand, der weder durch Staub
noch durch Schmutz stark belästigt, außer beim Auftauen oder anhaltendem
Regenwetter. Die Hauptwege werden mit der Zeit mit Schlacken beschottert
werden müssen, da sie durch Festtreten ihre Durchlässigkeit verlieren, Außer-
halb der Wege ist der Platz eine Wiese, nur sein südliches Ende (der Raum
ABDE des Planes Fig. 1) ist umzäunt und in Gemüsegärten für die An-
gestellten verwandelt; für das Auflassen von Drachen war dieser Raumzipfel
wegen seiner niedrigen, von Bäumen beschützten und durch das Dienstgebäude
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