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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

516 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1906. 
Letzterer blieb im wesentlichen bis zum Schluß dieser Periode über Deutschland 
liegen, so daß die Witterung im allgemeinen den antizyklonalen Charakter 
bewahrte, Niederschläge traten nur vereinzelt auf, die Sonne kam häufig zum 
Durchbruch, und die Temperaturen hielten sich im allgemeinen nahe dem normalen 
Werte, Die Winde waren schwach und frischten nur am 9. und 10. im Gebiet 
der westlichen Ostsee etwas auf. 
Der 12, Oktober bildet den Beginn einer neuen Witterungsperiode, indem 
mit diesem Tage der hohe Luftdruck über Deutschland bzw. über dem Küsten- 
gebiet durch eine vom Ozean heranziehende umfangreiche Depression ab- 
gelöst wird. Das Hochdruckgebiet zeigt sich weit nach Osten verlagert, so daß 
nur noch der äußerste Teil der deutschen Ostseeküste unter seinem Einfluß 
steht. Der folgende Tag, der 18., ist insofern von größerem Interesse, als unter 
dem weiteren Vordringen der Depression vielfach Gewitter auftraten, welche 
sich nicht selten zu entwickeln pflegen, wenn relativ warme und feuchte Luft in 
kältere eindringt. Die Witterung an der deutschen Küste stand bis zum 17. Ok- 
tober unter dem Einflusse dieses Tiefdruckgebietes, Am 15. und 16. entwickelten 
sich im Nordseegebiet vielfach starke und stürmische Winde aus vorwiegend 
südwestlichen Richtungen. Das Maximum nämlich, welches schon bei Beginn 
dieser zyklonalen Periode im Westen Europas erschienen war, rückte weiter ost- 
wärts vor, und es entwickelte sich in Verbindung mit einem neuen Ausläufer der 
nordischen Depression an den beiden genannten Tagen das Bild einer typischen 
Sturmlage. Das Wetter war während dieser Periode vorwiegend trüb, mild und 
vegnerisch, 
Am 18, Oktober zeigt sich die Wetterlage wesentlich verändert. Das eben- 
genannte Hochdruckgebiet ist verschwunden und die Depression hat sich in 
nordöstlicher Richtung entfernt, Während nun bis zum 23. das bereits am 
Ende der vorigen Periode über Südosteuropa lagernde Maximum seinen Ort nur 
anwesentlich veränderte, rückten zwei neue sich schnell folgende Depressionen 
von Westen her vor und beeinflußten die Witterung an der Nordseeküste und 
der westlichen Ostsee bis zum Schlusse der Periode. Da indessen bei der 
geringen Intensität der Depressionen und der sonst wenig veränderten Luftdruck- 
verteilung im Osten, der barometrische Gradient nur klein war, so blieben die 
Winde im allgemeinen schwach, Das Wetter war vorwiegend trübe, mild und 
regnerisch, Hervorzuheben ist während dieser Periode der 23., an welchem 
Tage ein von dem Bottnischen Meerbusen nach Süden vordringendes Maximum, 
welches sich alsdann mit dem alten Hochdruckgebiet vereinigte, in der westlichen 
Ostsee steife Winde aus östlichen Richtungen erzeugte. 
Vom 24. bis 26. Oktober steht die Witterung der deutschen Küste wieder 
unter antizyklonalem Einfluß, indem das Maximum seinen Wirkungsbereich in 
westlicher Richtung ausdehnte, Die Winde waren während dieser Zeit meist 
leicht oder schwach und wehten aus vorwiegend östlichen Richtungen, 
Mit dem 27. aber entwickelte sich eine neue zyklonale Wetterlage, welche 
für die deutsche Küste größere Bedeutung gewann. Eine Depression, die schon 
tags zuvor westlich von den Britischen Inseln erschienen war, rückte heran und 
drängte das Hochdruckgebiet nach dem Osten zurück. Dieses Bild, nämlich ein 
Hochdruckgebiet im Osten und ein Minimum im Westen bei mehr oder weniger 
Nord-Süd verlaufenden Isobaren über Skandinavien und der deutschen Küste 
erhielt sich bis zum Schlusse des Monats, so daß die Winde vorwiegend aus dem 
Südostquadranten wehten. Im Bereiche eines Ausläufers niedrigen Druckes traten 
am 29. an der westdeutschen Küste steife bis stürmische südwestliche Winde, 
stellenweise Stärke 9 erreichend, auf, während die südöstlichen Winde am 31. an 
der Ostsee vielfach steif und an der preußischen Küste stellenweise stürmisch 
wehten. Das Wetter war während dieser Zeit vorwiegend mild, trübe und 
regnerisch. 
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn 
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchäruckerei 
Berlin SW. Koehstraße 68—71.
	        
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