Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1906.
Um ein genaues Bild des Verhaltens der transportierten Chronometer zu
erhalten, wurden, soweit als angängig, die Gänge der Instrumente 40 Tage vor
sowie 40 Tage nach dem Transporte in einer Liste vereinigt, in welcher gleich-
zeitig der erhaltene Gang in g, umgewandelt worden ist behufs Ausschaltung
des Temperatureinflusses, mithin Ermöglichung eines besseren Vergleiches der
einzelnen Gänge.
Die so erhaltene gg-Reihe, d.h. also die Reihe der Gänge aus den zehn-
tägigen Vergleichen auf 15° C. gebracht und der darauf gebildete Unterschied
zwischen den einzelnen g, der g,-Reihe, gestattete somit ein klares Bild über
den Verlauf dieser Reihe bzw. dieses Unterschiedes zu gewinnen, ‘?)
Bei Betrachtung der g,-Reihe vor und nach dem Transporte erkannte
man ohne weiteres, daß der Transport keinen Einfluß ausgeübt hatte auf den
Gang der Chronometer, mit Ausnahme vielleicht auf den Gang weniger Instrumente,
Es war zu ersehen, daß die aus der Liste gefundene Gangänderung nicht eine
Folge des Transportes ist, sondern eine Folge der Neigung der betreffenden
Instrumente zum Akzelerieren bzw. zum Retardieren. Von den 62 Chronometern
haben 21 eine ausgesprochene Neigung zum Akzelerieren, 6 zum Retardieren,
eine Neigung die sie auch nach dem Transporte beibehalten haben.
Kleinere Gangunterschiede dürfen nicht auf den Transport geschoben
werden, da 42 Instrumente bereits vor dem Transporte Gangunterschiede — teil-
weise sogar ganz bedeutende über 1 Sekunde wie z. B. M. 61 und M. 64 — ge-
zeigt haben,
Chronometer werden noch zu den guten Instrumenten gerechnet, wenn sie,
in gleichmäßiger Temperatur stehend, eine zehntägige Gangänderung von 0,5 bis
0.7 Sekunden aufweisen; die gefundenen Gangänderungen sind aber mit wenigen
Ausnahmen kleiner, sind daher nicht ins Gewicht fallend.
Von sämtlichen 62 Chronometern überschreiten nur 5 Instrumente die
soeben erwähnte Grenze, und zwar M. 453 (I. Klasse), M. 462 (I. Klasse), M. 64
(HIT. Klasse), M. 463 (II. Klasse) und M. 35 (IV. Klasse); die ersteren drei Instru-
mente um ein geringes, die letzten beiden um ein bedeutenderes,
M. 453 hatte vor dem Transport eine große Gangänderung, geht aber nach
demselben wieder gut und regelmäßig. M. 462 ist an und für sich ein gutes
Instrument, das jedoch gleichmäßig vor wie nach dem Transporte kleinere, unregel-
mäßige Gangschwankungen zeigt. M.64 weist schon vor dem Transporte eine
größere Gangänderung von 1.46 Sekunden auf. Demnach hat der Transport
nicht ungünstig auf diese drei Instrumente eingewirkt.
Chronometer M. 463 hatte vor dem Transporte Gangänderungen bis zu
1.02 Sekunden, während M. 35 an und für sich schlecht geht. Beide Instrumente
zeigen vor dem Transporte große Gangänderungen, nach demselben gehen sie
aber entsprechend ihrer Klasse gut. Auf beide hätte dementsprechend also der
Transport gut eingewirkt.
Werden demnach die Gangreihen betrachtet, so kommt man zu dem Schlusse,
daß der Transport keinen, bzw. keinen nennenswerten Einfluß auf die
Chronometer ausgeübt hat, jedenfalls läßt sich ein solcher in keinem Falle
nachweisen, selbst nicht bei den zwei zuletzt angezogenen Instrumenten,
Während des Transportes der Chronometer des Observatoriums ist weder
ein Chronometer stehen geblieben, noch konnte bei irgend einem Chronometer
eine nennenswerte Gangänderung infolge des Transportes festgestellt werden,
gemäß dem Vergleiche der Stände vor und nach dem Transporte sowie dem der
täglichen Gänge in einem Zeitraume von 40 Tagen vor und 40 Tagen nach
demselben. ?)
„ !) Die zur Untersuchung nötigen Listen — in Summe 3 — sind hier weggelassen worden, un
die Übersichtlichkeit der Arbeit nicht zu beeinträchtigen, zumal da sie zum Verständnis der Sache
entbehrt werden können.
') Außer dieser Art der Betrachtung ist auch die mittlere Gangänderung sämtlicher angeführten
Gänge mit der Gangänderung, die während des Transportes eingetreten ist, verglichen worden, sowie
der Unterschied der Mittel der Gangänderungen vor dem Transporte und der Mittel der Gangänderungen
nach demselben mit den Gangänderungen, die während des Transportes eingetreten sind, Beide Ver-