Rottok: Transportversuche mit Chronometern.
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Der. Transport geschah in folgender Weise:
Annahme war die Anbordgabe der Chronometer an Bord eines S. M. Schiffe.
Es fand daher zunächst im Aufbewahrungs-, d. h, im Chronometerraume selbst
ein Vergleich der zu transportierenden Instrumente mit der Normaluhr ver-
mittels des Chronographen statt und eine Errechnung ihrer Stände bis auf
Zehntel-Sekunden genau. Nach dem Vergleiche erfolgte die Feststellung der
Chronometer durch den Arretierhebel sowie ein festes Anziehen der auf dem
Hebel befindlichen Klemmschraube, so daß eine Lockerung oder ein Zurückfallen
des Hebels beim Transport ausgeschlossen war, , .
Die Chronometer wurden dann in die betreffenden Überkasten eingepackt,
welche wiederum sorgfältig verschlossen wurden.
Nunmehr fand der Transport statt, und zwar von dem Chronometer-
Observatorium nach der Hertha-Brücke und über diese nach einer am Kopfe der-
selben liegenden Dampfpinasse bzw. nach einem Motorboote. Die ganze Strecke
betrug ungefähr 50 m, Die Chronometer wurden teils durch das eigene Personal,
teils durch zufällig am Bootshause beschäftigte Matrosen oder Heizer getragen.
Letztere Leute sind absichtlich genommen worden, um möglichst ungünstige Ver-
hältnisse zu schaffen, da so Träger verwendet wurden, die weder mit den Eigen-
schaften der Instrumente vertraut, noch mit der Wichtigkeit derselben für die
Navigation bekannt waren, Es fand nur kurz vor dem Transporte eine dahin-
zielende kurze Unterweisung statt, daß die Instrumente vorsichtig getragen
werden müßten, mit den Kasten nirgends gegenzustoßen sei, daß dieselben nicht
hin- und hergeschwenkt werden dürften und vor allen Dingen ein horizontales
Drehen der Kasten zu vermeiden wäre. Während des Transportes beaufsichtigte
ein Angehöriger des Chronometer-Observatoriums die Träger. Überhaupt vollzog
sich der ganze Transport stets unter Aufsicht des Observatoriums.
Im Boote selbst wurden die Instrumente während der Fahrt durchaus
nicht durch Hinsetzen auf die Kniee oder durch ein freischwebendes Halten sorg-
fältig vor jeder Erschütterung behütet, sondern im Gegenteil hinten im Heck
über die Schraubenwelle hingestellt.
Nach der Unterbringung der Chronometer fuhr das Boot mit ganzer Fahrt
dem Außenhafen zu, um eine Festmacheboje herum und wieder zurück zur Brücke,
woselbst die Chronometer näch dem Observatorium zurückgetragen, aus dem
Überkasten herausgenommen und auf ihren vorherigen Platz gestellt wurden.
In der Annahme, daß die Chronometer nun an Bord in dem Chronometer-
spinde untergebracht seien, wurden die Klemmschrauben der Arretierhebel gelöst
und diese selbst aus der kardanischen Aufhängung des Instrumentes entfernt;
dann die Instrumente abermals mit der Normaluhr chronographisch verglichen
und die Stände wieder auf Zehntel-Sekunden genau errechnet.
Die Zeitdauer eines solchen Transportes betrug im Mittel 45 Minuten, vom
Anfangsvergleich bis zum Schlußvergleich gerechnet. ;
Der Temperaturunterschied zwischen Chronometerraum- und Außentempe-
ratur ergab im Maximum 11.8° C,
Das Wetter war, wie schon vorher erwähnt worden ist, sehr verschieden-
artig, teilweise sogar recht regnerisch und stürmisch, so daß während der Fahrt
für den Kieler Hafen verhältnismäßig starker Seegang stand. Durchschnittlich
betrug der Seegang — nach der Beaufort-Skala bezeichnet — Stärke 1 bis 2.
Die Erschütterungen und die Stöße, welche die Chronometer im Boote er-
litten, verursacht durch die Schraube und das Arbeiten des Bootes im Seegang,
waren öfters sehr heftig, besonders stark bei den Vibrationen des Motorbootes,
Der Vergleich der errechneten Stände vor dem Transporte mit den er-
rechneten Ständen nach demselben ergab zwischen diesen so gut wie keine
Unterschiede. ,
Ein geringer Standunterschied einzelner Instrumente. von 0.1 Sekunde,
welcher beim: Vergleiche gefunden wurde, ist dem großen täglichen Gange der-
selben zuzuschreiben bzw. zurückzuführen auf einen Gissungsfehler beim Ablesen
des Papierstreifens des Chronographen.
Ann. d. Hydr. usw., 1906, Heft XII.