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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1906, 
Um zu einem gültigen Ergebnisse zu gelangen, entschloß sich das Chrono- 
meter-Observatorium, den Gegenstand nochmals einer gründlichen praktischen 
Untersuchung zu unterziehen. 
Bevor auf diesen Transportversuch näher eingegangen wird, sollen die 
vorher angeführten Transporte kurz angeführt werden, um deren Ergebnis mit 
dem jetzigen vergleichen zu können. 
Nach Fertigstellung des Chronometer-Observatoriums wurden am 10. No- 
vember 1883 sämtliche der Kaiserlichen Werft Kiel gehörenden Chronometer — 
70 an der Zahl — von dem bisherigen Aufbewahrungsorte, der Sternwarte zu 
Kiel, nach dem Chronometer-Observatorium daselbst transportiert. Der Trans- 
port geschah unter Aufsicht eines Werftbeamten durch 12 die Instrumente tragende 
Dienstleute. 
Während des Transports blieben zwei Chronometer stehen, 15, d.h. 21 °%, 
ergaben gemäß dem Vergleiche der letzten auf der Sternwarte und der ersten 
auf dem Chronometer-Observatorium beobachteten Gänge eine Gangänderung 
von mehr als einer Sekunde, darunter zeigten 7 °%, eine solche von über 2 Se- 
kunden. Die höchste Gangänderung betrug 2,6 Sekunden. Zu bemerken ist, daß 
der erste Vergleich nicht sofort nach dem Transport der Chronometer, sondern 
erst am 21. November stattfand, da das für die Zeitbeobachtungen bestimmte 
Passageinstrument nicht vorher geliefert werden konnte und die Pendeluhren 
nicht reguliert waren. . 
Am 5. Juli 1899 sind von der Seewarte Transportversuche mit 12 für das 
Chronometer-Observatorium neu angekauften Chronometern angestellt‘ worden. 
Der Transport von Hamburg nach Kiel geschah mit Hilfe der Eisenbahn. Die 
gehenden, in Transportkasten stehenden Instrumente wurden während der Fahrt 
auf den Sitzplätzen der II. Wagenklasse untergebracht. Ein Beamter der See- 
warte nahm an der Fahrt teil und sorgte für sorgfältige Behandlung der In- 
strumente. Von der Bahnstation Kiel aus transportierte man die Chronometer 
vermittels Dampfer nach dem Chronometer-Observatorium, 
Um den Einfluß des Transportes auf die Gangwerke festzustellen, fand 
vor dem Transporte auf der Seewarte, nach Beendigung desselben auf dem Ob- 
servatorium eine Bestimmung der Stände statt. 
Die gefundenen Standunterschiede waren nur gering, fast noch geringer — 
wie ein Schreiben der Seewarte an das Chronometer-Observatorium ausdrückt — 
als die bei anderen Transporten beobachteten, jedoch, nebenbei bemerkt, größer 
als die noch später zu erwähnenden Unterschiede, welche bei den Transport- 
versuchen des Chronometer-Observatoriums gefunden wurden. 
Zwei Instrumente wiesen überhaupt keinen Standunterschied auf, Der 
höchste gefundene Standunterschied war gleich 0,5 Sekunden. 
Die Gangänderungen betrugen im Minimum 0,01, im Maximum 0,41 Sekunden, 
wenn man von einem Instrumente — Kittel Nr. 140, M. 342 — absieht, einem 
Instrumente, welches zwischen dem letzten Gange in Hamburg und dem ersten 
Gange in Kiel einen Gangunterschied von 1,45 Sekunden aufwies. Wie dieser 
Gangunterschied entstand, ist unerklärlich, vielleicht durch einen Vergleichsfehler, 
der sich aber nicht mehr nachweisen läßt. Das Chronometer war an und für 
sich ein gutes, ja sogar eins der besten der in dem Jahre gelieferten Chrono- 
meter deutschen Ursprungs. Dasselbe hatte bei der Abnahme die zweite Prämie 
in Höhe von 1100 Mk. erhalten, Dieses Instrument, welches im April 1900 an 
Bord S. M. S. »Gneisenau« kam und mit dem Schiffe vor Malaga unterging, 
zeigte während des Aufenthalts in dem Chronometer-Observatorium gute Gang- 
resultate. 
Behufs Bestimmung des Einflusses des Transportes auf Chronometer trans- 
portierte das Observatorium 64 dem Bestande desselben angehörige Chronometer. 
Die Versuche erstreckten sich über die Zeitdauer eines ganzen Jahres und 
wurden ausgeführt mit Chronometern aller vier Klassen, ganz neuen sowie älteren 
Instrumenten, bei jedem Wetter, sowohl bei schönem, stillem, als bei regnerischem 
und windigem.
	        
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