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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Ekman, V. W.: Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen. 583 
In diesen Schlußfolgen hat man, scheint es, nicht gehöriges Gewicht auf 
den Umstand gelegt, daß mächtige warme und kalte, salzreiche und salzarme 
Ströme tatsächlich nebeneinander ‘in entgegengesetzten Richtungen strömen, 
und zwar fast ausnahmslos mit der Richtung des Windes. Die Weltmeere sind 
mehr als breit genug, um einer solchen horizontalen Zirkulation Platz zu 
geben, und da die Winde im allgemeinen die Ozeane umkreisen, so ist es sehr 
natürlich, daß sich das Wasser dieselben Wege wie der Wind nach Norden oder 
nach Süden sucht. Daß die Winde dabei gar keine untergeordnete Rolle spielen 
den hydrostatischen Druckunterschieden gegenüber, geht aus den oben aus- 
geführten Beispielen hervor. Wenn die Winde ihre Richtungen wechselten, so 
würden wahrscheinlich die nordwärts und südwärts fließenden Ströme im großen 
und ganzen untereinander die Stromwege wechseln. 
Wenn in einem mit einem kräftigen Rührer versehenen Temperaturbade 
das Wasser an einer Seite von unten erwärmt wird, so sind die Strömungen im 
Wasser nicht den Dichtigkeitsunterschieden, sondern dem Rührer zuzuschreiben, 
selbst wenn eine Temperaturausgleichung auch ohne Rührer durch Konvektions- 
ströme stattfinden würde, Die Winde spielen im Meere gewissermaßen die Rolle 
des Rührers, obwohl derselbe nicht kräftiger ist, als daß die Dichtigkeits- 
unterschiede tatsächlich auch nebenbei eine sehr bedeutungsvolle Rolle haben. 
Dagegen sindnatürlicherweise die Dichtigkeitsunterschiede für die vertikale 
Zirkulation besonders wichtig. Welche Bedeutung diese der horizontalen Zirku- 
lation gegenüber hat, ist wohl noch eine offene Frage. 
Wenn die Winde einen wesentlichen Einfluß auf die Richtung und 
Geschwindigkeit der Meeresströmungen haben, so ist dies nicht weniger in bezug 
auf die von denselben bedingten klimatischen Verhältnisse usw. der Fall. Denn 
wenn die stromerregende Wirkung des Windes aufhörte, so würden viel größere 
Temperaturunterschiede als vorher nötig sein, um denselben Wärmeaustausch 
hervorzubringen, und die klimatischen Unterschiede zwischen Pol und Aquator 
würden also in diesem Falle erheblich vergrößert werden. , 
Die einzige sichere Antwort auf die oben angedeutete Streitfrage ist wohl 
daher, daß man, um aus theoretischen Untersuchungen über Meeresströme richtige 
Resultate erwarten zu können, sowohl Wind als Dichtigkeitsunterschiede in 
Betracht ziehen muß. Jedenfalls darf keiner der mitwirkenden Faktoren ohne 
vorhergegangene quantitative Untersuchung vernachlässigt werden. 
Berichtigung. Es ist auf S. 428 oben die Behauptung aufgestellt, daß »das Herabfließen des 
Wassers in Flüssen ohne Reibung unmöglich sein würde«. Dies ist nicht unbedingt richtig. Es wird 
vielmehr von den Höhenverhältnissen des Landes und. von der geographischen Breite abhängen, ob das 
Wasser ohne Reibung das Meer erreichen würde oder nicht. 
Transportversuche mit Chronometern. | 
Von K-Kapt. a. D. Rottok, Vorstand- des Kais. Chronometer-Observatoriums zu Kiel. 
In meiner Arbeit über den Einfluß von Stößen, Erschütterungen usw. auf 
den Chronometergang — veröffentlicht in den »Ann. d. Hydr. usw.« 1905, Heft V, 
S. 216 u. f. — habe ich bereits kurz auf das Ergebnis der Transportversuche 
hingewiesen, welche das Chronometer-Observatorium im Jahre 1892 sowohl wie 
neuerdings mit derartigen Instrumenten anstellte; Versuche, die ergaben, daß 
keine Gangstörungen eintreten, trotz starker Erschütterung der Instrumente, 
welche teilweise sogar so stark waren, daß sie zum Überschlagen der Chrono- 
meter führten, 
Diesem Ergebnisse steht die von verschiedenen Seiten geäußerte Behaup- 
tung entgegen, daß die Chronometer beim Transport nach den Schiffen trotz 
größter Sorgfalt öfters bedeutende Gangveränderungen bzw. Unregelmäßigkeiten 
im Gange aufweisen, ; 
Früher angestellte Transportversuche wie der des Prof, Dr. Peters im 
Jahre 1883 sowie einer der Seewarte im Jahre 1899 scheinen diese Behauptung 
mehr oder weniger zu bestätigen,
	        
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