580 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1906.
flächengeschwindigkeit vergrößert, falls nicht der Wind zur Küste senkrecht oder
nahe senkrecht weht. Die Vergrößerung wird um so beträchtlicher, je tiefer
die Oberflächenschicht und je allmählicher der Zuwachs des spezifischen Gewichtes
mit der Tiefe ist.
Fragen wir nun, in welchem Maße ein gewisser Wind imstande ist, eine
leichte Oberflächenschicht gegen eine Küste aufzustauen, so hängt die Antwort
wesentlich von vier Umständen ab, nämlich von der Windstärke (Tangential-
druck T), der Windrichtung relativ zur Küste, dem Dichtigkeitsunterschiede
zwischen den verschiedenen Wasserschichten und endlich der Tiefe d der Ober-
flächenschicht im Vergleich zur Reibungstiefe D., Wir nehmen vorläufig an, daß
die Oberflächenschicht homogen sei. Aus den Berechnungen, auf welchen
die Konstruktion der Figuren in Tafel 36 beruhen, geht dann hervor, daß
sin v0 ODE sin (© — @),
wo y die Neigung der Grenzfläche zwischen den beiden Schichten, q’—q der
Dichtigkeitsunterschied zwischen den beiden Schichten, V, die Oberflächen-
geschwindigkeit des von dem tatsächlichen Winde erregten reinen Triftstromes,
& der Winkel zwischen der Windrichtung und der Küstenrichtung (von der
letzteren nach links gerechnet) sind, und wo w, %, g dieselben Bedeutungen wie
vorher haben, q ist annäherungsweise gleich der Dichtigkeit der Oberflächen-
schicht. k und ec sind Konstanten, deren Werte von der Tiefe d der Ober-
flächenschicht abhängen, Sie sind für d = 0.1 D, k== 4.1, c = 54°; für d = 0.25 D,
k=2,7, c = 65°; für d = 0,5 D, k = 2.75, ce = 78°; für d =D oder größer, k = 2,8,
c=90°, Indem man für Vy den Ausdruck (5) S. 539 und für g und ww seine
Werte 980 und 0.0000729 einsetzt, hat man
sin % — 0.0000000019 q h Vsin gp_, Kan —
q—d
Nehmen wir z. B. den Fall einer Windgeschwindigkeit von 4m p. Sek.
(also h = 400) außerhalb der norwegischen Küste an (9 = 65°. Der Wind mag
45° links von der Küstenlinie gerichtet und d = 0.5 D sein. Wir haben dann
k sin (c — a) = 1.5, was ungefähr ein mittlerer Wert dieser Größe ist. Ferner
nehmen wir q'—q=0.001 an. Dies soll also der Unterschied zwischen den
mittleren spezifischen Gewichten der Oberflächenschicht und der unteren Schicht
sein; die Tiefe der ersteren kann mit dem gewählten Werte von q’—q nicht groß,
höchstens 50 m, sein, Unter den gemachten Annahmen wird sin y= 0.0011. Die
Oberflächenschicht sollte also, wenn sie an der Küste 50 m tief ist, schon 45 km
außerhalb der Küste verschwunden sein, Selbst ein ziemlich schwacher Wind
genügt also, um das in geringen Mengen vorkommende sehr leichte Oberflächen-
wasser dicht an die Küste zu pressen, falls die Windrichtung eine‘ solche ist.
Wenn aber eine entgegengesetzte Windrichtung herrscht, so wird das Küsten-
wasser weit ins Meer gefegt, wo es durch die Wellenbewegung usw. allmählich
mit dem Seewasser gemischt wird.
Betrachten wir nun die Atlantische Nordostpassattrift. G. Schotts
Längenschnitt durch den Atlantischen Ozean (»Valdiviaexpedition«) gibt uns
einen Querschnitt durch diesen Strom. Der Schnitt zeigt eine Anhäufung von
warmem Wasser in der Mitte des nordatlantischen Stromkreises, wodurch ein bis
zu etwa 2500 m Tiefe sich erstreckendes Solenoidfeld entsteht. Wir wollen
der Einfachheit halber annehmen, daß Dr. Schotts Schnitt in der Richtung
des größten Gefälles der isothermen Flächen in dem besprochenen Gebiete
gelegt ist, und daß diese Flächen längs des Stromkreises in allen Tiefen horizontal
verlaufen.
Betrachten wir den Teil des Schnittes, der zwischen 10° und 20° N-Br.
liegt, also das eigentliche Gebiet der Nordostpassattrift, und wo auch die meisten
Solenoide sind, Infolge Sandströms Berechnung!) sind hier in den obersten
50 bis 100 m 1800 Solenoide, die das Oberflächenwasser nordwärts zu führen
1) Appendix von J. W. Sandström zu der Fußnote 2, S. 537 zitierten Abhandlung von
{). Pettersson.