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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Ekman, V. W.: Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen. 577 
einer Schicht leichteren Wassers, überlagert war.‘ Er bewies durch verschiedene 
Beobachtungen, daß der Wind, nachdem er das leichte Oberflächenwasser nach 
dem Leeufer gefegt und in einer etwa 30 m breiten keilförmigen Schicht A 
{Fig. 35) aufgehäuft hatte, die folgenden Bewegungen erregte. Das Wasser B, das 
ursprünglich von dem leichteren Wasser A überlagert war, wurde in eine durch 
die Pfeile angedeuteten Zirkulation versetzt, indem die Stromrichtung des 
Oberflächenwassers mit der Windrichtung Fig. 35 
einen spitzen Winkel bildete. In dem leichten 18: 
Wasser A entstand eine Zirkulation in ent- ‚Schaumband 
gegengesetzter Richtung, so daß sich die 
Wasseroberfläche gegen den Wind bewegte. 
Die treibende Kraft dieser letzteren Zirku- 
lation war nach Sandströms Meinung die 
vom Wasser B ausgeübte Reibung,. indem 
dies infolge seiner Trägheit unter dem 
Wasserkeile A in der Richtung des Windes 
weiter strömt. Zu diesen Bewegungen komt in 
den Schichten A und B eine Bewegung längs des Ufers in der Richtung der 
Windkomponente. Unterhalb dieser zwei Schichten bleibt das schwerste Wasser C 
nach Sandströms Ansicht vom Winde nur wenig beeinflußt. Die Grenze zwischen 
A-Wasser ‚und B-Wasser ist durch ein Schaumband gekennzeichnet, 
Die Richtigkeit der oben angeführten Beobachtungen sowohl als Sand- 
ströms Erklärung derselben sind jeden Zweifels überhoben. Dagegen ist ihre 
Anwendung in größerem Maßstabe nicht unbedingt gestattet. Wenn ich recht 
verstanden habe, will Sandström mit ihrer Hilfe die Strömungszustände außer- 
halb der Meeresküsten und speziell rings um Island, wo er die Breite des Wasser- 
keiles A zu 150 km annimmt, erklären. Dies kann aber, soweit ich sehe, nicht 
ganz richtig sein, und zwar aus folgendem Grunde: 
Wie auf S. 426 bemerkt wurde, kann infolge der Erdrotation das Wasser nur 
eine beschränkte Wegstrecke (geradlinig gerechnet) durch seine Trägheit allein be- 
wegt werden. Umsomehr wird dies der Fall sein, wenn die Bewegungsenergie des 
Wassers noch dazu zum Treiben einer zweiten Strömung (die Zirkulation des 
A-Wassers) aufgebraucht wird. Zwar kann die geradlinige Bewegung fort- 
bestehen, wenn ein Druckgradient von der rechten Seite wirkend, die Ablenkung 
verhindert. Diese Bedingung kann aber jedenfalls nicht für eine Bewegung senk- 
recht zu einer geschlossenen Kurve, wie die Küste einer Insel, erfüllt sein; man 
würde dann, wenn man der Kurve ringsum. folgt, bei der Rückkehr zum Aus- 
gangspunkte entweder einen größeren oder einen kleineren Druck als vorher in 
demselben Punkte antreffen, was ja unmöglich ist. 
Wenn man als Maximalwert für die Stromgeschwindigkeit 10 Seemeilen im 
Etmale oder 21.5 cm p. Sek, annimmt, so findet man, daß auf der Breite von 
Island (p = 65°) die größte Weglänge (geradlinig gerechnet), die von einer Wasser- 
masse infolge seiner Trägheit allein zurückgelegt werden kann, 3.25 km ist — also 
eine für Sandströms Erklärungsweise viel zu kleine Größe.!)‘ Die Zirkulation A 
(Fig. 35) kann also in dem besprochenen Falle nur dann durch die Reibung des 
B-Wassers hervorgerufen werden, wenn das letztere auch unterhalb des 
A-Wassers von Druckunterschieden (Solenoiden) gegen das Land getrieben wird. 
Dies ist aber, so weit ich aus der Literatur ersehe, nicht der Fall, 
Sandströms Abhandlung enthält danach. auch eine Erklärung der anti- 
zyklonischen Zirkulation um Island. Diese Erklärung wird von der obigen Kritik 
nicht berührt, wenn nur die Seewärtsbewegung des Küstenwassers an der Ober- 
fläche in befriedigender Weise erklärt werden kann. Sandströms Schluß- 
) Dagegen genügt dieselbe zur Erklärung der Schaumbänder, und insofern ist die Beobachtung 
Sandströms von unbestreitbarer Bedeutung. Eine Zirkulation wie die des A-Wassers in Fig. 35 wird 
sich nämlich jedenfalls in den äußersten Teilen der A-Wasserkeile einstellen — vielleicht bis 1 oder 2 km 
von. der Grenze. Innerhalb dieses Gebietes wird wieder eine entgegengesetzte von der Windrichtung 
bedingte Zirkulation Platz greifen. Wenn auch das A-Wasser nicht homogen ist, so kann ein zweiter 
Wasserkeil und ein zweites Schaumband innerhalb des ersten entstehen usw.
	        
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