576 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1906.
als 1.25 D —, ist ihre Wirkung auf die Unterlage sehr unbedeutend, und die
Bewegung des Oberflächenwassers geschieht beinahe parallel zur Küste,
Wir wollen nun auch den allgemeineren Fall betrachten, daß das Tiefen-
wasser homogen und die Dichtigkeit der Oberflächenschichten in irgend einer
beliebigen Weise verteilt ist, Nur sei vorausgesetzt, daß die Richtung größten
Gefälles der isopyknen Flächen senkrecht zur Küste — oder zu einer Linie, die
als Küste betrachtet werden kann, — steht, und daß keine Stauung parallel zur
Küste verursacht wird. Es ist leicht zu sehen, daß unter dieser Annahme kein
Tiefenstrom in der unteren Schicht entsteht. Denn da die Strommenge senkrecht
zur Küste Null sein soll, so muß die Resultante der auf das Wasser wirkenden
Druck- und Reibungskräfte senkrecht zur Küste gerichtet sein. Da dieser Be-
dingung durch die Druckkräfte allein genügt ist, so muß ihr auch durch die
Reibungskräfte genügt werden. Der Tiefenstrom würde aber eine Reibung am
Meeresboden in einem Winkel von 45° zu der Küstenrichtung bedingen, und muß
also Null sein,
In anderen Fällen, z. B. in einem geschlossenen Meeresbassin, wo die Strom-
menge in jeder Richtung Null sein soll, werden die Bedingungen verschieden.
In diesem Falle muß offenbar ein zum Oberflächenstrome beinahe entgegen-
gesetzt gerichteter Tiefenstrom erregt werden, dessen Geschwindigkeit in dem-
selben Maße gering wird, als die Meerestiefe groß ist.
Im allgemeinen wird sich also die Meeresoberfläche so einstellen,
daß der von den Dichtigkeitsunterschieden in den Oberflächenschichten
bedingte Druckgradient an der unteren Grenze der letzteren Null oder
beinahe Null ist, und dann gegen die Oberfläche wächst, nicht aber so,
daß er etwa in der Mitte der Oberflächenschicht Null ist und in ihrer oberen
und unteren Hälfte entgegengesetzte Richtungen hat.
VI. Wirkung von Wind und Dichtigkeitsunterschieden zusammen.
Wir sind jetzt imstande, die Theorie der Triftströme in einer wichtigen
Hinsicht zu vervollständigen. In Abschnitt IV wurden unter gewissen verein-
{achenden Annahmen die Strömungen berechnet, welehe vom Winde unter dem
Einfluß von Land oder von umgebenden Gewässern erregt werden. Die so ge-
{undenen Strömungen sind im allgemeinen dadurch gekennzeichnet, daß das Ober-
flächenwasser — neben seiner Bewegung längs der Küste — entweder gegen das
Land einströmt oder vom Lande ausströmt; in jedem Falle wird der Oberflächen-
strom senkrecht zur Küste durch einen Bodenstrom kompensiert. Ein solches
Stromsystem wird aber auf die Dauer unmöglich, wenn das spezifische Gewicht der
einzelnen Wasserschichten beträchtlich verschieden ist. Denn infolge der An-
häufung des Oberflächenwassers an bestimmten Stellen werden die hydrostatischen
Druckunterschiede schließlich groß genug, um die Strömungen wesentlich zu
verändern.
Wenn der Wind und die Dichtigkeitsverteilung im Wasser bekannt sind,
wird die tatsächliche Bewegung gefunden, indem man die vom Winde allein und
die von den Dichtigkeitsunterschieden allein bedingten Bewegungen berechnet
und von den so bestimmten Geschwindigkeiten einfach die geometrische Summe
nimmt. Anderseits muß die Dichtigkeitsverteilung, damit eine auf die Dauer
stationäre Bewegung stattfinde, gewissen auf den Windverhältnissen usw. beruhenden
Bedingungen genügen.
Denken wir uns zuerst den Fall, daß nur eine homogene Oberflächenschicht
dem schwereren Meerwasser überlagert ist, und daß außerhalb einer unendlich
langen geraden Küste ein nach Richtung und Stärke konstanter Wind zu wehen
beginnt.
Sandström hat eine sehr interessante Untersuchung über einen ähnlichen
Fall gemacht,!) die hier erwähnt werden muß. Er studierte die durch den Wind
verursachten Bewegungen des Wassers in einem Fiorde, wo das Meerwasser von
‚HJ. W. Sandström, »Windströme in Gullmarfiord«, Svenska hrdrografisk - biologiska
kommissionens skrifter II. 1905.