Ekman, V. W.: Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen,
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Verhältnis zwischen Längenskala und Tiefenskala im Querschnitte doppelt so
groß wie im Längenschnitte ist, so läßt sich aus den obigen Daten berechnen,
daß die Richtung des größten Gefälles der isopyknen Flächen in der Nähe der
Station 51 etwa 79.4° links von der Richtung des Längenschnittes liegt. Da
der Wasseraustausch hauptsächlich in der Ebene dieses Schnittes stattfinden muß,
so würde also aus der graphischen Tabelle Fig. 29 folgen, daß die Wassertiefe
ungefähr 2.5 mal die Reibungstiefe ist. Erstere ist 45 m und die Reibungstiefe
würde also in diesem Falle etwa 18 m sein, Zum Vergleich mag erwähnt werden,
daß man infolge Gleichung (6) S. 539 denselben Wert für die Triftstromtiefe auf
55° Breite erhält, wenn die Windgeschwindigkeit nur 2 m pro Sekunde beträgt.
Es ist wohl überflüssig zu bemerken, daß die obigen Berechnungen gar
nicht auf Genauigkeit Anspruch machen können und sogar ziemlich grobe Fehler
enthalten mögen. Ihr Zweck ist, zu zeigen, daß die Berechnung der Reibungs-
tiefe unter verschiedenen Verhältnissen vom theoretischen Gesichtspunkte aus
durchführbar ist, und anzudeuten, in welchen Richtungen das Beobachtungs-
material erweitert werden muß, um das Erreichen dieses wichtigen Zieles zu er-
möglichen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die oben gemachte Berechnung mit
genügend vollständigem Beobachtungsmateriale genaue Resultate geben könnte.
Zu diesem Zwecke sollten viele Stationen gleichzeitig und zu wiederholten Malen
bei gutem Wetter untersucht werden, so daß der Einfluß des Windes und der
unterseeischen Wellen beseitigt ist oder eliminiert werden kann. Da die im
Meere herrschenden komplizierten Verhältnisse die Prämissen der Berechnung
sehr oft ziemlich unsicher machen, wird es, um zuverlässige Resultate zu erhalten,
jedenfalls wünschenswert, daß man eine große Anzahl von Fällen untersucht,
und die Resultate untereinander vergleicht. Wahrscheinlich wird es sich bei dieser
Arbeit zeigen, daß eine Vervollständigung des Beobachtungsmaterials und viel-
leicht auch der theoretischen Hilfsprobleme in gewissen Richtungen wünschens-
wert ist.
Wenn der gefundene Wert der Reibungstiefe D=— 18 m benutzt wird, so
ist die eigentümliche Form der Isohalinen in Fig, 30 leicht verständlich. An
der nördlichen Seite des Schnittes (Stationen 52, 53, 54) ist die Tiefe des Unter-
stromes sehr gering und infolgedessen der Einfluß der Reibung groß. Der Druck-
gradient wird also hier einen kleineren Winkel, als an der südlichen Seite, mit
der Stromrichtung bilden, und mithin die Neigung der Isohalinen im Quer-
schnitte — in Übereinstimmung mit Fig. 30 — verhältnismäßig gering sein, Die
geringe Neigung der Isohalinen dicht an der südlichen Küste ist dagegen unter
der Annahme eines stationären Bewegungszustandes schwieriger zu erklären,
Unter der Annahme, daß der Wert D=18 m richtig ist, können wir auch
die Geschwindigkeiten der von den Dichtigkeitsunterschieden verursachten Ströme
berechnen. Es muß für diesen Zweck die durch Fig. 28 dargestellte Bewegung
als typische Bewegung benutzt werden, da das Verhältnis d/D in dieser Figur
dem wirklichen Wert 2.5 gleich ist. Man findet durch Rechnung, daß im Quer-
schnitte zwischen den Stationen 50 und 52 rund 4600 Solenoide sind; und da die
Entfernung zwischen den beiden Stationen 30 km ist, so kommen auf jeden Kilo-
meter‘ 153 Solenoide. In der Richtung des größten Gefälles der isopyknen
Flächen ist die Anzahl größer im Verhältnisse 1: cos 23.4°,. also A = 167.
Fig, 28, die auf der bezüglichen Breite # = 55° für A= 59.7 gilt, gibt für den
Unterstrom die Maximalgeschwindigkeit 1.8 cm p. Sek., und in der Oberfläche
beinahe 2.1 em p. Sek. Durch die tatsächlich wirkenden. 167 Solenoide würde
also ein Bodenstrom von 5 em p. Sek. (Maximalgeschwindigkeit) und ein Ober-
flächenstrom von 5.8 cm p. Sek, erregt werden. Diese Geschwindigkeiten -sind
als Durchschnittswerte für die ganze Breite des Stromes zwischen den Stationen
50 und 52 zu betrachten. Wenn man aus der Neigung der Isopyknen die Ge-
schwindigkeiten in Station 51 berechnet, so bekommt man ungefähr doppelt so
große Werte. Da der Wind oftmals noch viel größere Stromgeschwindigkeiten
verursacht, so folgt also, daß die Dichtigkeitsunterschiede in der Ostsee, auch
wo sie verhältnismäßig groß sind, nicht immer die Stromrichtung bestimmen
können. Solche Untersuchungen des Schonen—Rügen-Schnittes, welche während