572 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1906.
durch die den oben angeführten Wertenpaaren entsprechenden Punkte gezogen
worden ist.
Anwendung: Berechnung der Reibungstiefe.
Mit Hilfe der oben ermittelten Resultate kann man unter gewissen ein-
fachen Bedingungen, und wenn die Reibungstiefe bekannt ist, die Neigung der
isosteren oder isopyknen Flächen berechnen, die notwendig ist, um den tatsäch-
lichen Wasseraustausch zwischen zwei Teilen eines Meeresbeckens hervorzubringen.,
Umgekehrt mag die Kenntnis der Hauptzüge der Stromverhältnisse und der
Lagen der isopyknen Flächen für eine ungefähre Berechnung der Größe D ge-
nügend sein,
Als Beispiel einer solchen Berechnung betrachten wir die hydrographischen
Schnitte in der Ostsee südlich von Schonen. In dieser Gegend ist ein Quer-
schnitt zwischen Smygehuk und Rügen und auch ein Längenschnitt in der
Richtung der tiefen Rinne zwischen 54° 52’ N-Br., 13° 25’ O-Lg. und 55° 23
N-Br., 14° 32’ O-Lg. mehrmals untersucht worden.!) Es dringt hier ein Boden-
strom von verhältnismäßig salzigem Wasser von West in die Ostsee hinein,
während ein Oberflächenstrom von salzärmerem Wasser in der entgegengesetzten
Richtung herausströmt. Der erstere wird infolge der Erdrotation gegen die süd-
liche Küste, der letztere gegen die nördliche Küste gedrängt, wenn der regel-
mäßige Stromverlauf nicht durch Winde oder durch irgend eine andere Ursache
gestört wird,
Die Figuren 30 und 31 stellen die Verhältnisse im Juli 1877 dar. Die
damals gemachten Beobachtungen sind für unseren Zweck besonders geeignet,
Während des ganzen Vormittags (18, Juli), als der Querschnitt untersucht wurde,
sowie die zwei vorhergehenden Tage herrschten nämlich sehr schwache Winde
Fig, 30, Fig. 31.
57 Ost
Schonen 7
West 17
=
[0
5o mM.
440
So
Iso m
Q
+
9 20 30
Seemailın
N
2 10 20 30
EM
Herimneilen
1 bis 2 Beaufort (vom 17. bis 18. Juli von S bis SW). Die bei dieser Gelegen-
heit gemachten Beobachtungen sind auch ziemlich vollständig; die Schnitte, die
wir brauchen werden, sind von Prof, Pettersson in einer sehr klaren Weise
diskutiert.”) Fig. 30 zeigt die Isohalinen im Querschnitte Schonen—Rügen und
Fig. 31 dieselben in einem Längenschnitte durch die Stationen 47, 51, 57 gelegt.
Der Längenschnitt fällt fast genau mit der die östliche und die westliche Ostsee
verbindenden tiefsten Rinne zusammen; der Querschnitt bildet mit demselben
einen Winkel von 56° nach links gerechnet, Prof, Pettersson schließt aus dem
Verlauf der Isotermen (in den Figuren 30 und 31 nicht gezogen), daß die Grenze
zwischen Bodenstrom und Oberflächenstrom ungefähr bei der Isohaline 9 liegt;
und man sieht dann sogleich aus dem Querschnitte, daß der Bodenstrom, von
der Erdrotation nach: rechts gedrängt, an der südlichen Seite der Rinne aufquillt.
In der Nähe der Station 51 schätze ich die Neigung der Isohalinen — die in diesem
speziellen Falle auch für den Verlauf der isopyknen Flächen maßgebend sind —
zu rund 45 :100 im Querschnitte und zu 18:100 im Längenschnitte. Da das
'y FF. L. Ekman und O. Pettersson: Den svenska hydrografiska expeditionen är 1877, K.
Svenska Vet. Akad. Handlingar B. 25, Nr. 1. O. Pettersson und G, Ekman: De hydrografiska
förändringarne ete, K. Svenska Vet. Akad. Handlingar B. 29 No. 5. P.T.Cleve und O. Petters-
son: Hydrografic-biologieal Researches ete, Svenska Hydrogr.-biol. Kommissionens skrifter I, Göte-
borg 1903. Bulletins publi&s par le Bureau international pour Vexploration de la mer, Copenhague, 1902
and folgende Jahre,
?) Siehe die erste in vorstehender Fußnote zitierte Abhandlung.