accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

368 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1906. 
der übrigens von den Urhebern der Methode gar nicht übersehen worden ist. 
Einerseits ist der explizite Ausdruck des Reibungsgliedes R in (7) für eine Lösung 
dieser Gleichung entschieden ungeeignet, und der Nutzen der letzteren hängt 
daher wesentlich davon ab, ob die Reibung vernachlässigt werden kann, Ander- 
seits ist die durch Gleichung (7) zu ermittelnde Größe, nämlich die Zirkulation 
der geschlossenen Kurve O, für unseren Zweck nicht hinreichend. Um aus der 
Zirkulation auf die wirkliche Geschwindigkeit eines Teils der Kurve (relativ zu 
der Erde) zu schließen, ist es nämlich notwendig, die Geschwindigkeit längs der 
übrigen Teile der Kurve zu kennen. Wenn man die Berechnung nicht auf bloße 
Mutmaßungen begründen will, so muß man daher im allgemeinen die untere 
Seite der Kurve O0 mit dem Boden zusammenfallen lassen. Indem die Kurve © 
nach dem Boden zu ausgedehnt wird, wird sie aber in den meisten Fällen Ge- 
biete enthalten, innerhalb welcher die Größe A für die Bewegung bedeutungslos, 
die Größe R aber maßgebend ist. Die Methode ist daher, jedenfalls auf ihrem 
jetzigen Standpunkte, im allgemeinen nur für eine rein qualitative Diskussion 
yeeignet, (Doch eignet sie sich natürlicherweise gut dazu, die stromerzeugenden 
Kräfte an verschiedenen Orten oder zu verschiedenen Zeiten untereinander zu 
vergleichen.) 
Um diese Schwierigkeiten zu vermeiden und doch die Vorzüge der 
Bjerknes-Sandströmschen Methode ausnützen zu können, liegt es nahe, den 
folgenden Weg einzuschlagen. Man wählt zuerst eine Anzahl von einfachen 
typischen Problemen, die zu einer schematischen Darstellung der verschiedenen, 
im Ozeane auftretenden Bewegungsformen dienen können. Diese typischen Pro- 
bleme werden durch Berechnung nach gewöhnlichen hydrodynamischen Methoden 
vollständig gelöst. Wie auf S, 427 bemerkt wurde, kann dabei die Bewegung immer 
als in bezug auf die tatsächlich herrschenden Dichtigkeitsunterschiede, Niveau- 
unterschiede und Winde stationär angesehen werden, Um nun die aus einer ge- 
wissen Dichtigkeitsverteilung hervorgehende Bewegung zu finden, wird ein möglichst 
ähnliches typisches Problem aufgesucht und die aus demselben hervorgehende 
Bewegung als der wirklichen Bewegung geometrisch ähnlich — als der 
;Typus« derselben — angenommen, (Oder man wird vielleicht den Bewegungs- 
typus etwa durch ein Interpolationsverfahren aus den Lösungen zweier typischer 
Probleme ermitteln.) Es müssen dann die im typischen Probleme willkürlich 
gebliebenen Konstanten so bestimmt werden, daß dasselbe auch quantitativ 
den Geschwindigkeiten in der wirklichen Bewegung entspricht. Ganz genau ist 
dies zwar nicht möglich, da doch die Ähnlichkeit zwischen der typischen und 
der wirklichen Bewegung niemals eine vollkommene ist. Um Willkür zu ver- 
meiden und um eine möglichst gute Übereinstimmung im wesentlichen zu er- 
reichen, werden die Konstanten so bestimmt, daß die Solenoidanzahl A 
innerhalb einer gewissen geschlossenen Kurve dieselbe wie in der 
Wirklichkeit wird.!) Nachdem in dieser Weise die Bewegung im großen 
sowohl qualitativ als quantitativ bestimmt ist, kann man die Solenoidkarten 
wiederum benutzen, um über die lokalen Abweichungen Schlußfolgerungen 
zu ziehen. 
Es sollen hier unten einige besonders einfache typische Probleme be- 
handelt werden, die sich unmittelbar zur Beantwortung stellen. Die Reihe mag 
nach Bedarf vielfach vervollständigt werden. Doch reichen die unten be- 
handelten Probleme aus, um einige Schlußfolgerungen von allgemeiner Gültigkeit 
zu ziehen, 
Problem ec. Die möglichst einfache Annahme, die wir machen können, ist: 
1) Infolge der geringen Unterschiede im spezifischen Volumen im Meere (nicht in der Atmo- 
sphäre) kann man bei der Berechnung von A ohne beträchtliche Fehler die isosteren oder »isopyknen« 
Kurven so legen, daß nicht das spezifische Volumen, sondern das spezifische Gewicht von jeder 
Kurve zu der nächsten um eine Einheit zunimmt. Die Anzahl der Vierecke muß sodann einfach mit 
dem durchschnittlichen spezifischen Gewichte des Wassers dividiert werden, um die Solenoidanzahl 
zu geben. Es empfiehlt sich, nach der Methode von Bjerknes und Sandström die Isopyknen für 
[ntervalle von 10— €. G. &. (die fünfte Dezimalstelle des spezifischen Gewichtes) und die Isobaren für 
[ntervalle von 105 C.G.S. (sehr nahe 1 m Wasserdruck, also 1 m Tiefe) zu konstruieren. Man erhält 
Jann die Solenoidanzahl in C.G. 8. und die Geschwindigkeiten in cm; Sek.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.