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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Prager, M.: Über die Beziehungen des, Monsunregens in Indien usw. 565 
der nahe Zusammenhang zwischen abnorm schweren Regen auf den Seychellen 
und Sansibar im November und Überfluß an Niederschlägen in Ober-Indien in- 
folge kalter Witterung. 
3. Die Luftdruckverhältnisse. So wie es eine Art Luftdruckverteilung 
für ungünstige Verhältnisse gibt, in welchen starker Schneefall in Indien mit 
vermehrtem Regen auf Sansibar oder den Seychellen in Wechselwirkung steht, 
so gibt es eine andere, in welcher hoher Luftdruck im Indischen Ozean vor- 
kommt, der zuletzt über Indien erscheint. Dieser hohe Luftdruck zeigt sich 
öfters sowohl über Australien als auch über Mauritius, nur ist er nicht immer 
vor Juni erkennbar, Er ist auch häufig während der Regenzeit mit relativ 
hohem Luftdruck über der Bombay-Küste und mit ungewöhnlich steilen Gradienten 
quer ‚über Indien verbunden. Für die Wettervorhersage sind die Luftdruck- 
abweichungen vom Normalwert von wesentlicher Bedeutung. Eine ‚statistische 
Zusammenstellung führte zu dem Ergebnis, daß in 13 von 16 Beobachtungsjahren 
auf Grund der Luftdruckverhältnisse eine richtige Vorhersage für den Monsun 
eintraf, Dabei sind aber die meteorologischen Verhältnisse entfernter Gebiete 
mit in Betracht zu ziehen, u. a. Sibirien, wo der Einfluß lokaler Wärme oder 
Kälte auf die Luftdruckverhältnisse von ganz besonderer Bedeutung ist. Ebenso 
ist der Zusammenhang zwischen dem Luftdruck in Südamerika und Mauritius, 
zwischen Sansibar und Abessinien, zwischen Australien und dem Indischen Ozean 
(Seychellen) und von Südost-, Ost- und Nordostafrika zu berücksichtigen, 
Liegen nun von all diesen Gegenden, in denen bestimmte meteorologische 
Stationen zuverlässiges Material liefern, einschließlich der Seebeobachtungen, die 
Ergebnisse vor, so kommt man im gegenwärtigen Jahr 1906 zu folgenden Schluß- 
folgerungen: Die meiste Bedeutung beanspruchen in diesem Jahr die starken 
und späten Schneefälle, verbunden mit übermäßigen subäquatorialen Regenfällen 
auf Sansibar und den Seychellen im April; im Mai auf Sansibar allein. So er- 
folgt natürlich das Vordringen des Monsuns nach Norden viel langsamer als 
gewöhnlich, und aus kürzlich eingegangenen Schiffstagebüchern kann gefolgert 
werden, daß es einiger Zeit bedürfen wird, ehe das Einsetzen der Regenfälle 
stattfindet. Diese Eindrücke finden völlige Bestätigung durch Nachrichten von 
Ägypten, wo das Steigen des Nils sich verzögert; auch scheinen die Luftdruck- 
verhältnisse einigermaßen ungünstig für den indischen Monsunregen zu sein. Der 
Überschuß des Luftdrucks im Indischen Ozean — ein ungünstiges Zeichen — 
ist allerdings nur sehr klein; dagegen lassen die Angaben von Chile bestimmt 
erwarten, daß der Luftdruck im. allgemeinen reichlichem Regen doch günstig 
sein wird. 
Vergleicht man die gegenwärtigen Verhältnisse im Indischen Ozean mit 
denen früherer Beobachtungsjahre, so kann man sie denen in.1897, 1900 und 
1901 gleichstellen, Auch die Angaben über Schneefälle sind denen der Jahre 
1897, 1901 und 1905 sehr ähnlich; ebenso kommt der subäquatoriale Regenfall 
dem Jahre 1901 sehr nahe. In all diesen Jahren war sowohl die Luftströmung 
in der Bucht von Bengalen als auch die Luftströmung im Arabischen Meer 
(Bombay-Strömung) während des Monats Juni und eines Teils des Juli beeinflußt. 
Alles in allem scheint das Jahr 1901 mit dem gegenwärtigen die größte Ähnlichkeit 
zu zeigen, und für die Vorhersage für den Südwestmonsun des Jahres 1906 
scheint es wahrscheinlich, daß der Zweig über der Bucht von Bengalen etwas 
spät einsetzen und während des Monats Juni schwach sein wird, Auch der Zweig 
über dem Arabischen Meer wird entschieden spät und schwach während dieses 
Monats sein, besonders in der nördlichen Hälfte, in den Nordwestprovinzen und 
im Westen von Zentral-Indien. Im Juli darf man erwarten, daß der Regenfall 
etwas unter normal bleiben wird, und der Ausfall an Regen, obwohl im allgemeinen 
ähnlich in der Verteilung, wahrscheinlich weniger groß sein wird als im Juni, 
Für August und September sind gegenwärtig keine Anzeichen vorhanden, worauf 
irgend eine Vermutung gegründet werden könnte; aber wenn der Schneefall im 
Juni und Juli nicht größer als gewöhnlich ist, dann scheint eine wesentliche 
Verbesserung durch Zunahme des Regens wahrscheinlich, 
Somit steht zu erwarten: der Regenfall wird im ganzen nicht geringer sein wie 
der im vergangenen Jahr, der beträchtlich unter dem Mittel blieb. M. Prager.
	        
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