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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

564 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1906, 
wahrscheinlich in einer bestimmten Beziehung stehe; und die Herren Lockyer, 
haben gefunden, daß die jährlichen Schwankungen des Luftdruckes in Südamerika 
mit denen im Indischen Ozean in Wechselbeziehung stehen, d. h. hoher Luftdruck 
im Indischen Ozean geht zusammen mit niedrigem Luftdruck in Südamerika und 
umgekehrt. Auch gilt immer: Hoher Luftdruck in Südamerika ist mit reich- 
lichem Regenfall in Indien verbunden und umgekehrt. Solche Vergleiche sind 
für die Vorhersage der Wetterlage in Indien, namentlich für August und Sep- 
tember, von wesentlicher Bedeutung. 
Die Ansichten des Herrn Walker sind nun in der Hauptsache folgende: 
Um die Vorhersage für den Regenfall in Indien mit möglichster Sicherheit auf- 
stellen zu können, muß neben den wertvollen Untersuchungen und Angaben von 
Blanford, Eliot und Lockyer, das heute bedeutend erweiterte Beobachtungs- 
material mit verwendet werden. Da die Beobachtungen in Indien allein nicht 
ausreichen, muß die Wetterlage, vor allem die Verteilung des Luftdruckes, über 
dem ganzen Indischen Ozean, den angrenzenden Festländern und den vereinzelt 
liegenden Inseln usw. bekannt sein. Aus dem stetig wachsenden statistisch ge- 
ordneten Material müssen sich dann durch die längere Erfahrung maßgebende 
Faktoren absondern lassen, deren ständiges oder periodisches Erscheinen auf den 
für Indien so wichtigen Regenfall von Einfluß ist. Die wichtigsten Erfahrungs- 
sätze sind folgende: 
1. Starker Schneefall im April und Mai in den Gebirgen von Nordwest- 
Indien und an den Abhängen des Himalaya übt nach der bisherigen Erfahrung 
nachteilig, d.h. vermindernd auf den Juni-Regenfall in Indien ein. Ungenügender 
Regen ist zu erwarten, wenn viel und später Schnee gefallen ist oder das im 
Mai mit Schnee bedeckte Gebiet größer als gewöhnlich ist, 
2, Starker Regen in der Gegend südlich vom Aquator im Mai bedeutet 
verminderten Monsunregen im Juni in Indien. Der Zusammenhang ist so zu 
verstehen, daß bei schweren Regenfällen auf Sansibar und auf den Seychellen 
dem Südwest-Monsun weniger Wasserdampf zugeführt wird als sonst und für 
Indien ein Mangel an Regen eintritt. 
Bemerkenswert ist noch ein gewisser Parallelismus zwischen dem östlichen 
Seychellen- und dem östlichen indischen Monsungebiet und zwischen dem west- 
lichen Sansibar- und dem westlichen indischen Monsungebiet, Übermäßiger 
Regen auf den Seychellen gibt zu wenig Regen in der Bucht von Bengalen und 
in Hinterindien, übermäßiger Regen auf Sansibar gibt zu wenig Regen in 
Abessinien, den Nilländern und in Nordwest- und Vorderindien. 
Indes sind dies nur bedingte Schlußfolgerungen, weil genaue Beobachtungen 
erst für eine kurze Reihe von Jahren vorliegen. In einzelnen Fällen nämlich, wo 
im Juni auf einen ungenügenden Regenfall in Indien zu rechnen war und ein 
solcher tatsächlich eintrat, hat doch die Regenmenge im Juli oder August einen 
Ausgleich herbeigeführt, so daß doch noch der normale Regenfall erreicht wurde, 
Freilich konnte der Ausfall des Juni durch später eintretenden Regen nicht ganz 
ausgeglichen werden, doch wurden die schlechten Ernteaussichten verbessert. 
Bemerkenswert ist noch, daß von den 16 Beobachtungsjahren auf den Seychellen 
nur die Hälfte eine Übereinstimmung mit dem Schneefall in Nordwest-Indien 
aufweisen, in den anderen 8 Jahren stimmte die Prognose nicht mit der Prognose 
nach dem subäquatorialen Regen im April und Mai überein. Der ungünstige 
Einfluß des Schnees im Mai, der für die Gebiete in der Umgebung gewöhnlich 
im Juni und Juli verminderten Regenfall bedeutet, scheint sich also nicht immer 
direkt zu äußern und ist wohl auf unbekannte Störungen in der höheren Luft- 
zirkulation zurückzuführen, 
Auf einen ähnlichen Vorgang weisen übernormale Regenfälle auf Sansibar 
im April und Mai hin, Die Monsunströmung nämlich, die Abessinien mit Regen ver- 
sieht und den Nil speist, steht mit den Regenfällen auf Sansibar in direkter Ver- 
bindung. Starker Regenfall auf Sansibar bedingt einen niedrigen Stand des 
Nils; ebenso stehen starke Schneefälle in Indien in Wechselbeziehung mit dem 
Stand des Nils, indem starken Schneefällen in Indien gewöhnlich eine ver- 
minderte Nilüberschwemmung folgt. Ein Beweis für die Verbindung zwischen 
starkem Schneefall und überreichem Regen in der subäquatorialen Region ist
	        
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