Prager, M.: “Über die Beziehungen des Monsunregens in Indien usw. 563
Monsunregens aufzustellen. Die Resultate waren aber teilweise unbefriedigend;
man erkannte, daß das damals verfügbare Beobachtungsmaterial unzureichend
sei, Gleichzeitig gewann die Vermutung an Wahrscheinlichkeit, daß die eigen-
artigen.meteorologischen Verhältnisse Indiens von weit entfernt liegenden Gebieten
mitbeeinflußt und bestimmt würden. Dies führte dahin, daß behufs Erzielung
besserer Resultate das Beobachtungsgebiet beträchtlich erweitert wurde. Die
gegenwärtige Auffassung und’ die Ziele, wie sie seit einigen Jahren von dem
indischen Zentral-Observatorium angestrebt werden, sind in einer Denkschrift
wiedergegeben, welche die voraussichtlichen meteorologischen Verhältnisse während
der Südwest-Monsunperiode 1906 behandelt.
In dieser Veröffentlichung des Generaldirektors des meteorologischen
Dienstes in Indien, Herrn Gilbert T. Walker, wird aus den Witterungs-
erscheinungen im vorhergegangenen halben Jahr die wahrscheinliche Verteilung
und Menge des Regenfalls während des Südwest-Monsuns für 1906 abgeleitet,
Der Verfasser sagt: Um ein Urteil über den Grad der Zuverlässigkeit der gegen-
wärtigen Wettervorhersage zu ermöglichen, scheint eine kurze Darstellung der
Methoden geboten, welche früher und jetzt zur Anwendung kamen,
Die ersten Versuche einer ungefähren Schätzung der Regenmenge in
Indien wurden in den Jahren 1882/85 von Blanford gemacht. Er gründete
seine Vorhersage hauptsächlich auf beschränkte Berichte über den Schneefall in
Indien, auf die Verteilung des Luftdrucks, der Temperatur und auf die Wind-
beobachtungen während der der Regenperiode unmittelbar vorhergehenden Zeit.
Blanford fand, daß starker Schneefall im nordwestlichen Indien höheren Luft-
druck als gewöhnlich zur Folge hat, wodurch auf das Vorrücken des Monsuns
nach Indien hin ungünstig eingewirkt würde, Er wies auch nach, daß niedrigerer
Luftdruck mit größeren Niederschlägen zusammenginge.
Eliot wies später darauf hin, daß Anhaltspunkte für zuverlässige Regen-
prognosen in Indien allein nicht ausreichen. Er schlug deshalb vor, das Beob-
achtungsgebiet möglichst auszudehnen und zunächst Seebeobachtungen und Wetter-
berichte von Mauritius, Sansibar und von den Seychellen heranzuziehen. Noch
später, seit 1896, wurden auch Wetternachrichten von Afrika und Australien
mit herangezogen, um den Luftdruck weit entlegener Gebiete mit dem über
Indien zu vergleichen. Aber auch diese viel weitere Übersicht und entsprechende
Vergleiche konnten kein befriedigendes Ergebnis liefern, weil nur für eine kurze
Reihe von Jahren Beobachtungen vorlagen. Die Auslegung eines so unzureichenden
Materials konnte naturgemäß auf große Zuverlässigkeit keinen Anspruch erheben,
sie stützte sich mehr auf Vergleiche als auf .Erfahrung. Und selbst jetzt, nach-
dem das nach Ort und Zeit vermehrte Beobachtungsmaterial eine zuverlässigere
Schlußfolgerung nach statistischer Methode gestattet, entsprechen die bisherigen
Erfolge nicht immer der Erwartung.
Die Auffassung, daß starker Regenfall auf Sansibar oder auf den Seychellen
im Mai, wenn der Monsun den ÄAquator überschreitet, auch einen regenreichen
Südwest-Monsun in Indien erwarten lasse, hat sich als ein Irrtum erwiesen. Ein
ungewöhnlich hoher Luftdruck im Mai bei Mauritius, in der Gegend, von wo der
Monsun herkommt, bedingt nicht ein stärkeres Zuströmen mit Wasserdampf ge-
sättigter Luft nach Indien hin, wie man früher annahm. Eine Vorhersage über
den Regenfall in Indien ist wegen der Unkenntnis über die Bewegungen
der höheren Luftschichten nicht leicht; erst ein vieljähriges, sicheres Beob-
achtungsmaterial und die daraus abgeleitete Kenntnis des Einflusses der ver-
schiedenen einzelnen Faktoren, die voneinander abhängig oder auch unabhängig
sind, dürften zu einem guten Ergebnis führen. Auch die Geschwindigkeit, mit
der die maßgebenden Faktoren wechseln, vermehrt die Ungewißheit; es gibt
z..B. Jahre, in denen die meteorologischen Verhältnisse in Indien und im Indischen
Ozean während der Monate April und Mai fast gleich sind, im August und Sep-
tember aber weit voneinander abweichen. Tatsache ist ferner, daß sich der
Einfluß ungewöhnlicher Erscheinungen über ein weites Gebiet geltend macht
und schon nach kurzer Zeit die Wetterlage auf große Entfernungen beeinflußt.
So wies sehon Blanford darauf hin, daß der Luftdruck über Indien und Sibirien