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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Die Bedeutung maritim-meteorolog. Beobachtungen für neuere Bedürfnisse der Wissenschaft usw. 555 
diese allmonatlich über 2000 Beobachtungen umfassenden Listen nach Kopenhagen 
an die Zentralstelle der internationalen Meeresforschung, welcher Organisation 
die Staaten Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien und Irland, 
die Niederlande, Norwegen, Rußland und Schweden angehören, Bei diesem großen 
Unternehmen der internationalen Erforschung der nordwesteuropäischen Gewässer, 
im besonderen der Nord- und Ostsee, handelt es sich vorzugsweise um ein großes, 
praktisches Endziel, nämlich das, die Abhängigkeit der Tierwelt des Meeres und 
speziell der Nutzfische sowie auch die Abhängigkeit der Nahrung dieser Nutz- 
fische, d. h. des Planktons, von Temperatur, Salzgehalt, Gasgehalt und Strömungen 
des Wassers in umfassender Weise festzustellen; es sollen also die Lebens- 
bedingungen der Nutzfische ihre Verbreitung, ihre Wanderungen u. a, m, geklärt 
werden, um in der für die europäischen Völker so ungemein wichtigen Frage 
der »Überfischung« der Fischgründe Anhaltspunkte zu künftigen gesetzgeberischen 
Maßnahmen, bzw. zu internationalen Vereinbarungen zu gewinnen, Bestimmte 
Nutzfische bevorzugen ganz bestimmte Arten von Plankton; die verschiedenen 
Planktongruppen ihrerseits sind, da sie überaus genau dem spezifischen Gewicht 
des Seewassers angepaßt sind, von Temperatur und Salzgehalt des Meerwassers, 
d. h. von den beiden für das spezifische Gewicht wirksamen Komponenten, direkt 
und indirekt abhängig. Es ergibt sich somit aus diesem nur angedeuteten Ge- 
dankengange!) auch wieder die- Notwendigkeit, ohne Unterbrechung, jahraus 
jahrein, die Wärmeverhältnisse der heimischen Meere und des Englischen Kanals 
zu bestimmen und die auftretenden Schwankungen zu verfolgen. 
Erfreulich ist gegenüber diesem seit 1903 deutlich zum Ausdruck gekommenen 
Bedürfnisse der Umstand, daß, nachdem die Deutsche Seewarte einige Male durch 
Rundschreiben und auf sonstige geeignet erscheinende Art und Weise den Wunsch 
dazu ausgesprochen hatte, sämtliche in transozeanischer Fahrt beschäftigten Mit- 
arbeiter zur See jetzt die Führung des meteorologischen Journals vom deutschen 
Hafen ab, bzw. bis zum deutschen Hafen hin vornehmen lassen, während in früheren 
Jahren das Journal allgemein erst mit der Erreichung von Lizard oder Ouessant 
begonnen oder damit abgeschlossen wurde; durch die jetzige vollständigere 
Journalführung erhält die Deutsche Seewarte nun auch die früher oft schmerz- 
lich vermißten Beobachtungen aus dem Englischen Kanal und der Nordsee, 
Ebenso wichtig und wertvoll für die oben skizzierten modernen Fragen der 
praktischen Meeresforschung sind die mit bewundernswertem Fleiße und mit 
einer meist peinlichen Akkuratesse geführten »Kleinen Wetterbücher« derjenigen 
Mitarbeiter, die in den heimischen Gewässern fahren, einschließlich der vor den 
deutschen Flußmündungen kreuzenden Lotsenschooner; durch sie alle erhält die 
Deutsche Seewarte Beobachtungen von vielen, die Nord- und Ostsee kreuz und 
quer schneidenden Wegen, während die transatlantischen Schiffe fast ohne Aus- 
nahme längs der deutschen und holländischen Küste nach Dover hin steuern, 
In sehr zahlreichen Fällen haben die nunmehr regelmäßig eingehenden Beob- 
achtungen maritim-meteorologischen Inhaltes in der Nord- und Ostsee bei Aus- 
künften an Reedereien, Versicherungsgesellschaften, Seeämter usw. als Grundlage 
dienen können. 
Ganz neuerdings hat sich das Bedürfnis geltend gemacht, die von Jahr 
zu Jahr eintretenden Schwankungen der maritim-meteorologischen und ozeano- 
graphischen Verhältnisse auch des Indischen Ozeans zu verfolgen, soweit dies 
möglich ist. Fußend auf älteren Arbeiten von Blanford und Eliot und sie 
fortsetzend beabsichtigt Dr. Gilbert T. Walker, der Generaldirektor der indischen 
Observatorien in Simla, die Beziehungen des indischen SW-Monsuns, besonders 
seiner Niederschlagsmengen und Eintrittszeiten, zu den allgemeinen atmosphärischen 
Vorgängen über dem Indischen Ozean zu verfolgen. Diese Arbeiten haben zum 
Endzwecke eine möglichst sichere Voraussage der für Indien so außerordentlich 
wichtigen Regenperioden. Das Indische Meteorologische Amt sammelt daher 
1) Näheres hierüber hat die Deutsche Seewarte für ihre nautischen Mitarbeiter veröffentlicht 
auf der Rückseite der »Vierteljahrskarte für die Nord- und Ostsee«, Herbst 1905, unter dem Titel: 
Seefischerei und internationale Meeresforschung in den nordeuropäischen, besonders den deutschen 
Gewässern.
	        
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